
5. Mai 2011 in Weltkirche
Verfolgerstaat baut Straflager aus Hinrichtungen an der Tagesordnung
London/Kelkheim (kath.net/idea) Die wachsende Brutalität des kommunistischen Regimes in Nordkorea wird durch neue Berichte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (London) belegt. Danach hat die Diktatur ihre Straf- und Internierungslager in den vergangenen zehn Jahren erheblich vergrößert. Das geht aus dem Vergleich von Satellitenaufnahmen hervor, die Amnesty in Auftrag gegeben hat. Das Regime hält schätzungsweise 200.000 Menschen in sechs Lagern in den Provinzen Süd-Pjöngjang, Süd-Hamkyung und Nord-Hamkyung gefangen. Sie müssen Sklavenarbeit verrichten. Darunter sind nach Angaben des Hilfswerks Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) zwischen 50.000 und 70.000 Christen. Auf dem Weltverfolgungsindex, den Open Doors erstellt, belegt Nordkorea seit neun Jahren den ersten Platz. Das Regime verweigert jegliche Religionsfreiheit. Erlaubt ist nur der Kult um den Ewigen Präsidenten Kim Il-Sung (1912-1994) und seinen Sohn Kim Jong-Il (70). Christen gelten wegen ihres Glaubens an Jesus Christus als Staatsfeinde. Offiziellen Angaben zufolge gibt es unter den rund 20 Millionen Einwohnern des ostasiatischen Lands etwa 12.000 Protestanten und 800 Katholiken. Religionsstatistiker gehen aber von über 400.000 Christen aus.
Sippenhaft vom Enkel bis zum Greis
Wie der Leiter des Referats Menschenrechte von Open Doors, Daniel Ottenberg (Kelkheim), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea am 4. Mai auf Anfrage sagte, seien Christen in Nordkorea weiterhin in erheblichem Maße im Visier von Geheimdienst und Polizei. Ottenberg bestätigte, dass das Regime auch Sippenhaft praktiziere. Zur Einschüchterung würden Familienangehörige von vermeintlichen Staatsfeinden vom Enkel bis zum Greis inhaftiert. Nach Angaben von einigen wenigen entkommenen oder freigelassenen Gefangenen, mit denen Amnesty International sprechen konnte, herrschen in den Lagern schreckliche Zustände. Hinrichtungen, Folter und Hunger seien an der Tagesordnung. Die Inhaftierten müssten unter Bedingungen arbeiten, die der Sklaverei nahekämen. Teilweise ernährten sie sich von Gras oder Ungeziefer. In einem Lager gebe es so gut wie keine Nagetiere mehr, weil die Gefangenen sie geschlachtet und gegessen hätten. Bis zu 40 Prozent der Insassen stürben an Unterernährung.
Weg für Sohn des Diktators freimachen
Nach Angaben der Londoner Tageszeitung The Times ist die Zahl der Lagerinsassen seit 2009 gestiegen. Nordkorea-Experten führten dies auf den geplanten Machtübergang auf Kim Jong-Ils jüngsten Sohn Kim Jong-Un zurück. Der 29-Jährige - im vorigen Jahr zum General ernannt - sei politisch unerfahren. Durch die Entfernung unsicherer Elemente wolle man jeden möglichen Widerstand im Keim ersticken. Ottenbach hält diese Annahme für durchaus begründet. Nach menschlichem Ermessen werde sich an der repressiven Politik Nordkoreas nicht viel ändern, solange die Volksrepublik China sich nicht von dem Regime in Pjöngjang distanziere. Open Doors ruft zum anhaltenden Gebet für Nordkorea auf.
© 2011 www.kath.net