
21. August 2010 in Chronik
Ein niederländischer Landwirt darf die christliche Botschaft nicht auf sein Haus pinseln. Die riesigen, weißen Buchstaben zerstörten das Stadtbild, so der Vorwurf. Von Tobias-Benjamin Ottmar
Rotterdam (kath.net/idea) Joop van Ooijen ist wohl der bekannteste Landwirt in den Niederlanden. Seit zwei Jahren ist auf dem Dach seines Hauses in Giessenburg bei Rotterdam in großen, weißen Lettern zu lesen: Jezus redt (Jesus rettet).
Das Anliegen des 58-Jährigen ist klar: Er will den Leuten die christliche Botschaft nahebringen. Da sein Heim sich in der Nähe einer Landstraße befindet, werden so auch Autofahrer auf die Heilsbotschaft aufmerksam gemacht.
Doch die Stadt hat etwas dagegen und schickte dem Landwirt schon damals bald einen Brief: Van Ooijen wurde angedroht, er müsse pro Woche 500 Euro Strafe zahlen, wenn er die Botschaft nicht entferne. Begründung: Die großen weißen Buchstaben passten nicht ins Landschaftsbild.
Höchstes Gericht gab Stadt recht
Doch so einfach ließ sich der Bauer der mit seiner Frau Petra 16 (!) Kinder hat nicht in seinem missionarischen Eifer bremsen. Einige Anwälte boten dem Mann der eine evangelikale Gemeinde besucht kostenlos ihre Dienste an.
Es kam zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Der Fall wanderte bis zu den obersten Richtern in Den Haag. Meistens hatte ich gewonnen, aber die Stadt wollte nicht klein beigeben, sagt van Ooijen. Vor kurzem nun kam das vorerst letzte Urteil: Die Richter gaben der Kommune recht die weißen Dachziegel müssen weg.
Nun will der bestrafte Landwirt vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ziehen. Schließlich vermutet er, dass hinter dem ganzen Ärger ganz andere Motive stecken als die Angst um die Schönheit des Stadtbildes. Zwei Mitglieder des Stadtrates, die die Sache angezettelt haben, sind Atheisten. Ihr Ziel ist es, das Christentum aus der Öffentlichkeit zu verbannen.
Inzwischen wurde neu gewählt und nun sind die Liberalen an der Macht. Sie haben kein Problem mit dem Jesus-Wort auf dem Dach, so dass die sozialistische Bürgermeisterin Els Boot mit ihrer Meinung nun weitgehend alleine dasteht.
Manche spenden sogar Geld
Dennoch hat das Urteil Bestand. Dabei hat laut van Ooijen von einzelnen Politikern abgesehen kaum einer ein Problem mit seiner Botschaft. Ich habe nach Berichten in Zeitung, Radio und Fernsehen hunderte Zuschriften bekommen die meisten davon positiv.
Manche hätten ihm auch Geld gespendet, um die angedrohten Strafzahlungen bezahlen zu können. Er wolle davon nun evangelistische Bücher kaufen und sie an Interessierte verschenken.
Immer wieder kämen Bürger vorbei, die nach den Motiven des Hausbesitzers fragen. Wir nennen sie die Dachtouristen. Einmal habe sich ein Mann herzlich bedankt, der mit seinem krebskranken Freund auf dem Weg ins Krankenhaus immer wieder an dem Gebäude vorbeigefahren war. Wenn der inzwischen verstorbene Freund die Botschaft sah, weinte er jedes Mal vor Freude, weil er sie als Bestätigung seines Glaubens begriff.
Bis Ende August bleibt dem Landwirt noch Zeit, um dem Urteil zu folgen. Doch der clevere Landwirt hat bereits eine neue Idee: Die weißen Ziegel werden einfach rot angestrichen. Möglicherweise geht der Streit mit der Stadt dann wieder von vorne los.
Foto: (c) bijbelgetrouw.nl
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