Ein Hintergrundbericht über den Zölibat

in Spirituelles


Dokument der Kanadischen Bischöfe von 1997 über die Begründung des priesterlichen Zölibats


Ottawa (kath.net/Zenit.org)
Die Kanadische Bischofskonferenz hat dieses Sendschreiben über den priesterlichen Zölibat zum ersten Mal im Jahr 1997 veröffentlicht.

Der priesterliche Zölibat Seine Ursprünge

Der priesterliche Zölibat ist ein heute oft diskutiertes Thema, in der Gesellschaft im allgemeinen und auch innerhalb katholischer Kreise. Es gibt vielerlei Kritik am Zölibat: einige weisen auf die Zahl der Priester hin, die Priestertum und Zölibat aufgeben; andere nennen den Rückgang der Priesterberufungen in unserer Gesellschaft; und wieder andere behaupten, der Zölibat sei unnatürlich und könne zu physischen und psychischen Störungen führen.

Während der ersten drei Jahrhunderte der Kirche gab es keine Vorschriften bezüglich des Zölibats für Bischöfe, Priester oder Diakone. Die Zölibatsordnung für Priester entwickelte sich durch den Einfluss der Mönche und Eremiten, die sich ganz und gar dem Dienst an Gott weihten. Es gab viele Einwände gegen diese neue Forderung des lateinischen Ritus. Viele Priester weigerten sich, sich ihr zu unterwerfen, was Ärgernis unter den Gläubigen erregte. Dies fügte der Glaubwürdigkeit der Kirche schweren Schaden zu. Nach vielen erfolglosen Versuchen wurde die Zölibatsordnung unter dem Pontifikat Gregors des VII. (1073-85) endgültig promulgiert.

Die Orthodoxe Kirche und die Kirche des orientalischen Ritus lehnten es ab, die Praxis des Zölibats zu übernehmen. Auch heute noch erlauben diese beiden Kirchen ihren Priestern verheiratet zu sein, wenn sie vor ihrer Priesterweihe verheiratet waren, jedoch nicht ihren Bischöfen. Wir sehen also, dass der Zölibat nicht auf Grund eines göttlichen Gebotes erforderlich ist, sonst gäbe es keine Ausnahmen. Es handelt sich vielmehr um eine Ordnung innerhalb des lateinischen Ritus, der seine Priester aus Männern auswählt, die auf diese Weise ihr ganzes Leben Gott aufopfern wollen.

Warum am Zölibat festhalten...

Der Heilige Stuhl hat wiederholt seine Zölibatsordnung für Priester neu bekräftigt. Unter den neueren Dokumenten sind zu nennen: Dekret über Dienst und Leben der Priester: “Presbyterorum Ordinis" (1965), die Enzyklika “Sacerdotalis Coelibatus” (1967) Papst Pauls des VI., der Gründonnerstagsbrief Johannes Pauls des II. an die Priester (1979), das “Direktorium über den Dienst und das Leben der Priester” der Kongregation für den Klerus (1994) und der Katechismus der Katholischen Kirche (1992).

Die Lateinische Kirche betrachtet den Priesterzölibat als von Gott empfangenes Geschenk, das die Kirche hüten will, in der Überzeugung, dass er ein Segen für die Kirche und die ganze Welt ist. Der Zölibat des geweihten Priesters wird verstanden als radikales Zeugnis der Nachfolge Christi und als Zeichen des Neuen Jerusalem, dem der Priester ganz geweiht ist.

Der Zölibat in seiner Eigenschaft als Geschenk und besondere Gnadengabe Gottes fordert die Einhaltung vollkommener und dauernder Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen (Mat, 19, 12). Dermaßen können die Priester vollkommener Christus anhängen und sich uneingeschränkter Christus und den Menschen hingeben. Wenn ein Kandidat für das Priestertum nach einigen Jahren der Vorbereitung, die von Meditation und Gebet begleitet ist, in dem Augenblick der Priesterweihe für den Rest seines Lebens den Zölibat annimmt, dann tut er es in vollem Wissen und vollkommener Freiheit.

Die Katholische Kirche sieht in Jesus Christus einen glaubwürdigen Zeugen des Zölibats. Entgegen der dominierenden Kultur seiner Zeit wählte Christus das zölibatäre Leben.

Das asketische Leben

Die Kirche ist sich durchaus des hohen Anspruchs bewusst, den das zölibatäre Leben besonders in der heutigen Kultur stellt. Damit dieses Geschenk in ruhiger Gelassenheit und spirituellem Wachstum geschützt und bewahrt werden kann, schlägt die Kirche Wege vor, die geeignet sind, die Priester von potentiellen Schwierigkeiten fernzuhalten. Die Kirche ist der Überzeugung, dass die Priester in menschlichen Beziehungen und in Situationen, welche die Gefahr mit sich bringen, die Treue zu ihrer Verpflichtung und die Wirksamkeit ihres Dienstes zu beeinträchtigen, besonnen handeln sollten.


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