
27. Mai 2010 in Deutschland
Missbrauchsbeauftragte der Jesuiten: Der Jesuitenorden in Deutschland hat sexuelle und körperliche Gewalt gegen Kinder an Ordenseinrichtungen über Jahrzehnte systematisch vertuscht und die Täter gedeckt
München (kath.net/KNA) Der Jesuitenorden in Deutschland hat sexuelle und körperliche Gewalt gegen Kinder an Ordenseinrichtungen über Jahrzehnte systematisch vertuscht und die Täter gedeckt. Das sagte die Missbrauchsbeauftragte des Ordens, Ursula Raue, am Donnerstag in München bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts. Insgesamt seien bei ihr bisher 205 Meldungen von mutmaßlichen Opfern eingegangen, die den Jesuitenorden betreffen. Dazu gebe es weitere 50 Eingänge, die sich auf andere - meist katholische - Einrichtungen beziehen.
Laut Raue erstrecken sich die Untersuchungen zurzeit auf 12 Patres, von denen 6 bereits gestorben sind, sowie 2 weitere Personen. Ihnen wird von mehr als einer Person Missbrauch oder grobe Gewalttätigkeit oder beides oder auch Mitwissen vorgeworfen. Dazu kommen noch 32 Patres oder weltliche Lehrer und Erzieher des Ordens, die bisher von jeweils nur einem Opfer genannt wurden.
Mit Blick auf das Verhalten des Ordens sprach Raue von einem «System, das Täterkarrieren wenn nicht beförderte, so doch nicht hinreichend behinderte». Zu fragen sei, «warum der Orden nach außen hin so unbekümmert mit stichhaltigen Informationen über häufige Vorfälle sexuellen Missbrauchs in seinen Einrichtungen umgegangen ist».
Der deutsche Jesuitenprovinzial Stefan Dartmann räumte vor Journalisten ein, dass «die Opferperspektive im Orden über all die Jahre nicht eingenommen wurde». Nirgends sei die Rede gewesen von Fürsorge oder Verantwortung für die Opfer, von Wahrnehmung für das aus dem Missbrauch entspringende Leid. Zugleich gestand Dartmann ein, dass es oberste Priorität der Verantwortlichen gewesen sei, «keinen Schatten auf die Institution fallen zu lassen». Aus falscher Loyalität zum Täter hätten auch die Misswisser weggeschaut und geschwiegen. Täter seien geräuschlos verschoben wurde, wobei die aufnehmenden Einrichtung nur wenige Informationen erhälten hätten.
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