BDKJ, Missbrauchsfälle und eine 'willkommene Zölibatsdebatte'

7. Februar 2010 in Deutschland


BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler fordert im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen bei den Jesuiten eine Diskussion über die Auswirkungen des Zölibats und möchte eine "offene Debatte" über den Umgang der Kirche mit Sexualität


Bonn (kath.net/KNA)
Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sieht einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche an Jesuitenschulen und einem „Tabuisieren von Sexualität“ in der katholischen Kirche. Im Gespräch mit der «Rheinischen Post» (Montag) warnte er aber davor, Priester und Ordensleute einem Generalverdacht auszusetzen. Auch bestehe kein Zusammenhang zwischen dem Zölibat und dem Missbrauch. Die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen sei in kirchlichen Einrichtungen «eher deutlich geringer» als in anderen.

Von einem Fehlverhalten der Kirche bei dem Skandal sprach erneut der Rektor des Berliner Canisius Kollegs, Pater Klaus Mertes. Missbrauch bestehe nicht nur in der eigentlichen Tat, sondern auch im Verdecken und Nichthören, sagte der Jesuit der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Die Kirche habe große Schuld auf sich geladen hat, indem nicht genau hingeschaut habe, als sie von Hinweisen gehört habe.

Eine "offene Debatte" über den Umgang der Kirche mit Sexualität fordert der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). «Das Thema ist in der Amtskirche immer mit Angst besetzt, statt es offensiv anzugehen», sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler am Sonntag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Düsseldorf. Missbrauchsfälle dürften nicht vertuscht werden, betonte er. Zugleich forderte er eine Diskussion über die Auswirkungen des
Zölibats. «Die Kirche muss sich fragen lassen, ob bestimmte Strukturen solche Missbrauchsfälle vielleicht sogar fördern», so Tänzler.

Die katholische Kirche wies den Vorwurf der Tatenlosigkeit unterdessen zurück. «Wir ducken uns nicht weg, wir wollen die Aufklärung», sagte der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, am Samstag vor Journalisten in Bonn. Grundsätzlich hätten die Bischöfe mit den 2002 verabschiedeten Leitlinien ein «gutes System» geschaffen, um Fälle von sexuellem Missbrauch aufzuklären.

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