‚Ein Negationist ist auch Antisemit’

28. Februar 2009 in Aktuelles


Wenn sich die Lüge mit dem Schleier der Geschichte verhüllt. Der Antisemitismus ist das einzige Motiv der Negationisten.


Linz (www.kath.net/OR)
Der Negationismus (die Ableugnung) der Shoah ist keine historiographische Interpretation, ist keine gängige Erklärung der Ausrottung der vom Nationalsozialismus verübten Ausrottung der Juden und ist auch keine radikale Form des Geschichtsrevisionismus, und mit diesem darf der Negationismus nicht verwechselt werden. Der Negationismus ist Lüge, der sich mit dem Schleier der Geschichte verhüllt, der sich einen wissenschaftlichen und objektiven Anschein gibt, um seinen wahren Ursprung zu verschleiern, sein wahres Motiv: den Antisemitismus.

Ein Negationist ist auch Antisemit. Und er ist vielleicht der einzige klare und offenkundige Antisemit in einer Welt wie der westlichen, in der es nicht einfach ist, sich als Antisemit zu deklarieren. Der antijüdische Haß steht am Ursprung dieser Ableugnung der Shoa, die mit den ersten Nachkriegsjahren beginnt, indem man gedanklich beim Projekt der Nationalsozialisten selbst anknüpft, als sie die Spuren der Vernichtungslager verwischten, darin die Gaskammern dem Erdboden gleichmachten und die Deportierten verhöhnten, indem sie ihnen sagten, daß auch wenn sie es geschafft hätten zu überleben, ihnen in der Welt niemand geglaubt hätte.

Der Negationismus über die politischen Lager hinweg ist nicht nur mit der extremen nationalsozialistischen Rechten verbunden, sondern versammelt verschiedene Tendenzen: den besonders extremen Pazifismus, den Antiamerikanismus, die Feindschaft gegenüber der Moderne. Er entsteht in Frankreich Ende der 40er-Jahre durch das Wirken zweier Persönlichkeiten: Maurice Bardèche und Paul Rassinier, der eine erklärter Faschist, der andere Kommunist. Hernach entwickelt er sich weitflächig, und seine bekanntesten Anhänger sind der Franzose Robert Faurisson und der Engländer David Irving, keiner der beiden Historiker von Beruf.

Die Negationisten entwickeln so Vorgehensweisen, die in ihrer Ableugnung der historischen Realität absolut außerhalb des allgemein Anerkannten liegen. Vor allem erachten sie alle jüdischen Quellen jeglicher Herkunft als unglaubwürdig und erlogen. Nachdem sie auf diese Weise einen Großteil der Zeugen weggestrichen haben - sämtliche von den überlebenden Juden ausgedrückten Erinnerungen und die von jüdischen oder angeblich jüdischen Historikern vorgenommene Geschichtsschreibung - machen sich die Negationisten an die Arbeit, um den Rest der Zeugnisse, der Beweise und der Dokumente zu verreißen.

Alles, was nach der Niederlage des Nationalsozialismus kommt, ist für sie unzuverlässig, weil es der 'Wahrheit der Sieger' zugehört. Die Geschichte der Shoah haben demnach die Sieger geschrieben, so wiederholen sie es unermüdlich, um so all das in Zweifel zu ziehen, was gerichtlich festgestellt wurde, begonnen beim Prozeß von Nürnberg und hernach: das alles wäre nur Ergebnis von Nötigungen, Folterungen und Gewaltanwendungen. Es verbleibt aber noch ein Teil der Dokumentation zur Widerlegung, jener von Seiten der Nationalsozialisten vor 1945. Hier hätten die Negationisten entdeckt, daß keine schriftliche Erklärung der Nationalsozialisten nach dem Jahr 1943 als wahrhaftig angesehen werden könne, weil die Nationalsozialisten zu jener Zeit den Krieg zu verlieren begannen und nur noch Behauptungen aufstellen hätten können, die auf die Genugtuung der künftigen Sieger ausgerichtet gewesen wären.

Und siehe da, das Spiel ist gemacht: die Shoa existiert nicht! Der Negationismus betätigt sich in besonderer Weise, um die Inexistenz der Gaskammern durch komplexe technische Argumentationen zu beweisen: sie hätten nicht funktionieren können, sie hätten ganz hohe Schornsteine gebraucht und so weiter: das ist die These, welche einen Pseudoingenieur, Fred Leuchter, bekannt gemacht hat und die auf den Internetseiten der Negationisten vorherrscht.

Heute wird der Negationismus in vielen europäischen Ländern als Straftat angesehen, auch wenn ein Teil der öffentlichen Meinung widerspenstig bleibt, wenn jemand beispielsweise schreibt, daß Lügner in Märtyrer verwandelt würden, wenn man sie ins Gefängnis setze. Auch fehlt es nicht an Anhängern des Negationismus in anti-israelischer Rolle. Es ist aber notwendig zu wiederholen, daß hinter dem Negationismus ein einziges Motiv und eine einzige Intention stehen: der Antisemitismus. Alles andere ist Lüge.

Von Dr. Anna Foa (Professorin für moderne Geschichte an der Universität „La Sapienzia“) im Osservatore Romano, Übersetzung von kath.net.


© 2009 www.kath.net