Die Gier nach Geld und Kapital, die manche Menschen rastlos umtreibt

27. Oktober 2008 in Deutschland


Erzbischof von Paderborn übt scharfe Kritik an der Finanzkrise und erinnerte an die soziale Botschaft des Propheten Amos im Alten Testament. "Amos legt seine Finger in die klaffende Wunde von Profitgier, Unterdrückung und Ungerechtigkeit"


Paderborn (kath.net/pbp/red)
Dass der Finanz- und Kapitalmarkt dem Gemeinwohl und damit dem Menschen dienen müsse, hat Erzbischof Hans-Josef Becker am Sonntag im Pontifikalamt anlässlich des Kleinliborifestes gefordert. In seiner Predigt kritisierte er „die Gier nach Geld und Kapital, die manche Menschen rastlos umtreibt und verheerende Konsequenzen nach sich ziehen kann“.

Die gegenwärtigen Krise mache deutlich, dass sich das Tagesgeschäft auf dem Finanz- und Kapitalmarkt von dem entfernt habe, „was in jedem Fall garantiert sein muss: die Wahrung der unantastbaren Würde des Menschen“. Der Erzbischof verwies auf den Grundsatz der Katholischen Soziallehre, wonach „der Mensch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft“ sei. Aus dieser Sicht sei es als „fatale Fehlentwicklung“ zu werten, wenn alles, insbesondere Immobilien, zum Objekt der Spekulation gemacht würden. Als moralisch nicht akzeptabel bezeichnete er die „Entlassung von Mitarbeitern in Großunternehmen bei gleichzeitiger Erhöhung der Gewinne der Anteilseigner“.

Erzbischof Becker rief zu einer Unterstützung all derjenigen politischen Kräfte auf, „die sich in verantwortlicher Weise um eine Entschärfung der Krise und um eine notwendige Veränderung des bestehenden Systems bemühen“. Zu den notwendigen Maßnahmen zählte er auch die Stärkung der Autonomie in den Lebensbereichen Familie, Bildung und Kultur.

Zugleich erinnerte er an die soziale Botschaft des Propheten Amos im Alten Testament. „Gerade ein Prophet wie Amos legt seine Finger in die klaffende Wunde von Profitgier, Unterdrückung und Ungerechtigkeit“, sagte er.

Christen sollten sich von dieser prophetischen Tradition dazu ermutigen lassen, „aus ethischer Sicht grundsätzliche Fehlentwicklungen zu benennen, öffentlich zu machen und Maßstäbe zur Bekämpfung von Fehlentwicklungen zu formulieren“. Die Kirche könne aus der langen und bewährten Tradition ihrer Soziallehre und Wirtschaftsethik wertvolle Maßstäbe für die Orientierung der Finanz- und Wirtschaftsmechanismen am Gemeinwohl anbieten.

Das Erzbistum Paderborn gedenkt Ende Oktober der Rückführung der Reliquien des Hl. Liborius am 31. Oktober 1627. Diese waren in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1622 von Christian von Braunschweig bei der Plünderung des Paderborner Domes geraubt worden. Zu Beginn des festlichen Gottesdienstes im Hohen Dom wird der Goldene Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius in einer Prozession in den Hochchor überführt und dort aufgestellt.


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