
18. August 2008 in Weltkirche
"Wir können nicht Maria ehren, wenn wir den eucharistischen Jesus nicht ehren können." Zum Fest Mariä Himmelfahrt feierte Erzbischof Malcolm Ranjith das Pontifikalamt in Maria Vesperbild.
Maria Vesperbild (kath.net) Erzbischof Malcolm Ranjith, Sekretär der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, hielt die Predigt an dem berühmten Marienwallfahrtsort in Mittelschwaben. KATH.NET bringt einen Auszug der Homilie:
Wenn es jemanden gab, der Jesus auf Erden am nächsten war, dann war es niemand anders als Maria, seine allerseligste Mutter, begann der Erzbischof seine Auslegung zum Evangelium des Magnifikat. Die Beziehung Marias zu ihrem Sohn sei noch tiefer gewesen, als jede andere Mutter-Sohn-Beziehung und von einer stillen vollkommenen Hingabe geprägt gewesen. Daher nannte das Zweite Vatikanum Maria auch die großmütige Gefährtin Christi, wie es niemand sonst gewesen ist.
Als Gefährtin steht Maria im Herzen der Sendung Christi, denn ohne ihr Fiat hätte es kein Kommen Gottes in diese Welt gegeben. An dem Geheimnis der Inkarnation und der Erlösung aller Menschen hatte Maria wesentlichen Anteil.
Ihr Leib sollte der erste Tabernakel des Allmächtigen werden, als Abbild der Bundeslade, die vollkommene Verwirklichung des Emanuel: Gott in uns, mit uns. Sie wurde zur Gefährtin Gottes in der Verwirklichung seines großen Planes der Erlösung der Menschen. Alles was sie tun musste war, sich vom Heiligen Geist überschatten zu lassen.
Vom ersten Ja bis zum Kreuz war Maria immer der Weg, auf dem die Liebe Gottes zu den Menschen gebracht wurde. Ihre Mitwirkung in Kana zeigt dies: Maria lädt Jesus ein, bleibende Freude in das Leben der Menschen zu bringen, sie ergreift die Initiative. Dabei fällt ihr unerschütterlicher Glaube an Gottes Wort besonders auf. In ihr treffen sich der herabsteigende Heilswille Gottes und der aufsteigende Glaubensgehorsam der Menschen.
Sie bleibt ihrem Ja auch im größtem Schmerz unter dem Kreuz treu, wo Jesus ihr eine neue Sendung schenkt, nämlich Mutter aller Menschen zu sein, die ihm nachfolgen werden. Maria und die Kirche sind einander anvertraut.
Johannes Paul II. hat ihre eucharistische Dimension betont: Sie ist die eucharistische Frau, indem sie zum Tabernakel seiner Gegenwart auf Erden geworden ist und ihr ganzes Leben in der Hingabe an Gott und in Vereinigung mit ihm gelebt hat.
Insofern ist Maria unser aller Vorbild. Bei der Einübung einer solchen Haltung kann uns niemand eine größere Stütze und Wegweiserin sein als Maria. Wir sind uns bewusst, dass wir sie nicht wirklich ehren, wenn wir nicht mit derselben Ehrfurcht und demselben Staunen auf die Person Jesu, ihres Sohnes, schauen.
Heute fehle es in allen Ständen der Kirche an der Ehrfurcht und Freude, die von der beständigen Gegenwart Jesu besonders im allerheiligsten Sakrament des Altares kommen. Daher müssten wir heute mehr denn je zur Gottesmutter beten, dass sie uns die Schätze ihres unbefleckten Herzens öffne: ihren Glauben und ihre Liebe zu Jesus in seiner eucharistischen Sendung.
Nicht selten würde heute von Priestern die Eucharistie in einerWeise gefeiert, die ihrer himmlischen Erhabenheit unwürdig ist. Auch viele Gläubige haben den Sinn für die Heiligkeit des Messopfers verloren: Die Einladung Jesu, ganz eins mit ihm zu werden und Leben von ihm zu schöpfen - Leben, das von seinem gewaltigen Opfer auf Golgotha fließt - und Teil zu sein seiner himmlischen Versammlung des neuen Volkes Gottes.
Durch eine rein innerweltliche und horizontale Sicht der Eucharistie, in der nur noch das irdische Brot gesehen wird, wird diese Sicht herabgesetzt. Wir können nicht Maria ehren, wenn wir den eucharistischen Jesus nicht ehren können, betonte Ranjith.
Die notwendige Erneuerung der Kirche geschieht vor allem durch Messe und Eucharistie. Heute mehr als in anderen Zeiten brauchen wir Maria, um Jesus mehr zu kennen und zu ehren.
Mit einem Wort Papst Benedikts schloss der Erzbischof: Die Schönheit der himmlischen Liturgie, die auch in unseren Versammlungen aufleuchten muss, findet in Maria einen treuen Spiegel. Von ihr müssen wir lernen, selber eucharistische und kirchliche Menschen zu werden, damit auch wir nach dem Wort des heiligen Paulus schuldlos vor den Herrn treten können, so wie er uns von Anfang an haben wollte.
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