Homosexualität: Äußerungen Münteferings stoßen auf Kritik

in Weltkirche


Sollten Schwulen und Lesben grundsätzlich alle Ämter offenstehen bis hin zum Papst?


Berlin/Hannover/Siegen (kath.net/idea)
Auf teilweise heftigen Widerspruch in den beiden großen Kirchen und der evangelikalen Bewegung sind Äußerungen des SPD-Generalsekretärs Franz Müntefering zur Homosexualität gestoßen. Er hatte unter Hinweis auf den neuen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), an alle homosexuellen Politiker appelliert, sich zu ihrer Neigung zu bekennen. Sie könnten sich, ihrer Partei und der Öffentlichkeit helfen, wenn sie aus ihrer Veranlagung kein Geheimnis machten. Im Prinzip seien Lesben und Schwule für alle Ämter geeignet, ”sogar als Papst”, so Müntefering in der neuesten Ausgabe des Magazins ”Stern”.

Eine Tochter des Politikers bekennt sich zu einer lesbischen Lebensweise. Der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, übte gegenüber der Tageszeitung ”Die Welt” heftige Kritik an den Aussagen Münteferings: ”Ich halte das für eine Unverschämtheit, jetzt zu versuchen, dieses Thema dadurch salonfähig zu machen, indem man selbst das Amt des Papstes mit hineinzieht.”

Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU), sagte der ”Welt”: ”Das ist eine unsägliche und inakzeptable Äußerung, die im übrigen ungewöhnlich aggressiv wirkt und die religiösen Gefühle vieler Katholiken verletzt. Wenn es um seine Strategien geht, ist Herrn Müntefering nichts heilig.”

Sexuelle Prägung gehört in die IntimsphäreZurückhaltender äußerte sich der theologische Leiter des EKD-Kirchenamtes in Hannover, Vizepräsident Hermann Barth. Er gehe davon aus, daß sich Müntefering mit seinen Äußerungen auf den politischen Raum beziehe. ”Den Hinweis auf das Papstamt halte ich in diesem Zusammenhang für vollständig deplaziert”, so der Theologe gegenüber idea. Grundsätzlich ist Barth der Ansicht, daß der Schutz der Intimsphäre für den Umgang miteinander unverzichtbar sei. ”Jede Nötigung, aus diesem Bereich etwas bekannt zu machen, lehne ich ab”, sagte Barth. Ob Politiker mit ihrer sexuellen Prägung diskret umgingen oder sich ”outeten” sei eine Angelegenheit, die die Betroffenen selbst zu entscheiden hätten.

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Pfarrer Christoph Morgner (Siegen), gab zu bedenken, daß das öffentliche Bekenntnis eines Politikers zu einer homosexuellen Lebensweise ”bewußtseinsprägende Wirkung hat”. Nach dem Grundgesetz stehe die Ehe von Mann und Frau aber unter dem besonderen Schutz des Staates. ”Ich kann mir schlecht vorstellen, daß man daneben öffentlich als Politiker andere Formen des Zusammenlebens als gleichwertig propagieren kann.”

Morgner widersprach der Ansicht Münteferings, daß Homosexuellen alle Ämter offen stehen müßten. ”Homosexualität ist eine Fehlprägung, die dem jüdisch-christlichen Menschenbild widerspricht. Deshalb kann die Kirche homosexuell lebende Amtsträger – etwa Pfarrer und Bischöfe –, die ihre sexuelle Prägung propagieren, nicht akzeptieren.” Wenn heute die Homosexualität als ”etwas Normales und Gleichwertiges verkauft wird”, sei dies mit dem christlichen Glauben nicht zu vereinbaren. Die Bibel lehne eine homosexuelle Praxis eindeutig ab.


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