
22. September 2007 in Deutschland
Zur maßlosen Kritik an Kardinal Meisner und der Fernsehmoderatorin Eva Herman Ein Kommentar von Helmut Matthies.
Berlin (www.kath.net/idea)
Wer die Springer-Presse am letzten Sonntag las, konnte es mit der Angst bekommen. Da stand auf der Titelseite der Welt am Sonntag Neue Entgleisung: Kölns Kardinal warnt vor entarteter Kultur. Die Bild am Sonntag überschrieb gar einen Kommentar über den so wörtlich katholischen Hetz-Prediger Meisner mit Pfarrer Braun?. Steht also eine Renaissance nationalsozialistischen Denkens bevor? Meisner hatte tatsächlich gesagt: Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.
Einem Mann wie Meisner, der vor seiner Kölner Zeit der DDR-Diktatur widerstanden hat, wegen dieses Satzes eine Nähe zu einer anderen Diktatur vorzuwerfen, ist schon infam. Sieht man, was gleich danach als schreckliche Tat Meisners erwähnt wird, dann ist es seine Kritik an Abtreibungen. Wurde also nur ein Grund gesucht, um dem Kardinal wegen seiner klaren ethischen Position eins auszuwischen?
Springer-Presse gegen konservative Christen
Die Kampagne gegen Meisner folgt in der Springer-Presse genau eine Woche nach der gegen Eva Herman. Über sie wird in der letzten Welt am Sonntag noch einmal nachgelegt. Da lautet die Schlagzeile: Eva Herman argumentiert wie die Nationalsozialisten. Mittlerweile steht fest, was die Fernsehmoderatorin und Bestsellerautorin tatsächlich gesagt hat. In einer Pressekonferenz äußerte sie im Rahmen langer Ausführungen spontan (!) über die nationalsozialistische Zeit: Es war ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind die Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt das wurde abgeschafft.
Das ist natürlich nicht nur missverständlich, sondern auch historisch falsch. Frau Herman hat sich deshalb sofort ausführlich entschuldigt. Trotzdem wurde die Kampagne gegen sie vor allem von der Springer-Presse gnadenlos durchgezogen. Die Bild-Titelzeile lautete: Lob für Nazis ARD feuert Frau Herman! Die Bild am Sonntag hatte am Tag zuvor getitelt Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik.
Dass Frau Herman sich seit Jahren aktiv im Kampf gegen Rechtsradikalismus engagiert, spielt da keine Rolle mehr. Sie ist eben eine Frau, die vom Feminismus zum traditionellen Familienbild und zum christlichem Glauben konvertiert ist. Man mag Frau Herman wie in Kommentaren geschehen für dumm, für heuchlerisch oder naiv halten, aber es muss möglich sein, für ein solches Familienbild eintreten zu können, ohne deshalb gleich mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht zu werden zumal der Nationalsozialismus weder ein traditionelles noch gar ein christliches Familienbild vertrat.
Keine Meinungsfreiheit beim ZDF?
Beide Fälle innerhalb nur einer Woche Herman und Meisner zeigen, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland offensiv bedroht ist. So offensiv, dass die Angegriffenen nicht mal mehr die Möglichkeit haben, sich in großer Öffentlichkeit zu verteidigen. So wurde Frau Herman nicht die Chance gegeben, sich in einer Talkshow des ZDF sie war als Teilnehmerin für Dienstagabend (11. September) angekündigt rechtfertigen zu können. Man lud sie einfach aus. Demokratie beim ZDF.
Warum schweigt die katholische Kirche zum Fall Herman?
Es ist weiterhin bemerkenswert, dass selbst die katholische Kirche zum Fall Herman geschwiegen hat, obwohl sie genau ihr Familienbild verteidigt hat. Es ist ebenfalls bemerkenswert, dass ohne Probleme der NDR eine 19 Jahre lang ohne Skandale tätige Fernsehmoderatorin mir nichts, dir nichts rausschmeißen konnte, obwohl die CDU im Sendegebiet des NDR drei von vier Ministerpräsidenten stellt.
Die Predigt von Meisner im Wortlaut
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