
1. Dezember 2005 in Aktuelles
Benedikt XVI.: Ein guter katholischer Theologe muss in der Gemeinschaft der Kirche stehen und denken - Gebet und Kontemplation von entscheidender Bedeutung
Vatikan (www.kath.net/RV)
Ein guter katholischer Theologe muss in der Gemeinschaft der Kirche stehen und denken. Das hat Papst Benedikt XVI. vor der Internationalen Theologenkommission unterstrichen, die er heute im Vatikan empfangen hat wie "Radio Vatikan" berichtet. Die Offenbarung Christi sei das fundamentale normative Prinzip für die Theologie. Diese wiederum müsse immer in der Kirche und für die Kirche in Treue zur apostolischen Tradition ausgeführt werden.
"Die Arbeit des Theologen muss in Gemeinschaft mit dem lebendigen Lehramt der Kirche und unter seiner Autorität geschehen. Die Theologie als eine Privatangelegenheit des Theologen anzusehen, bedeutet, diese Natur falsch zu verstehen. Nur im Inneren der kirchlichen Gemeinschaft, in Gemeinschaft mit den legitimen Hirten der Kirche, hat die theologische Arbeit einen Sinn, die natürlich wissenschaftliche Kompetenz erfordert, aber auch - und nicht weniger! - den Geist des Glaubens und der Demut dessen, der weiß, dass der lebendige und wahre Gott, das Objekt seiner Reflexion, alle menschlichen Fähigkeiten unendlich übersteigt."
Dafür seien Gebet und Kontemplation für einen Theologen von entscheidender Bedeutung, so der Papst weiter:
"Hier könnte man nun einwenden: Ist denn eine so definierte Theologie noch Wissenschaft und in Übereinstimmung mit unserer Vernunft? Ja! Rationalität, Wissenschaftlichkeit und Denken in der Gemeinschaft der Kirche schließen sich nicht nur nicht aus, sondern gehen miteinander her. Der Heilige Geist führt die Kirche in die Fülle der Wahrheit ein, die Kirche steht im Dienst der Wahrheit, und ihre Führung ist Erziehung zur Wahrheit."
Der Papst unterstrich aber auch die Bedeutung der menschlichen Natur für die unverletzlichen Rechte des Menschen:
"Auch wenn in der heutigen Kultur das Konzept einer 'menschlichen Natur' fast verschwunden zu sein scheint, bleibt doch das Faktum, dass die Menschenrechte nicht verständlich sind, ohne vorauszusetzen, dass der Mensch in seinem Sein Träger von Werten und Normen ist, die neu zu entdecken und zu betonen sind und nicht in subjektiver oder willkürlicher Weise erfunden oder aufgesetzt werden können. Es muss deutlich werden, dass die Verneinung eines ontologischen Fundaments der Grundwerte des menschlichen Lebens unausweichlich im Positivsmus endet und so das Recht von den Hauptströmungen des Denkens in einer Gesellschaft abhängig macht. Dadurch wird das Recht zu einem Instrument der Macht pervertiert, anstatt die Macht dem Recht unterzuordnen."
Eines der Hauptthemen der Diskussionen der Theologenkommission in diesen Tagen war das Thema des Schicksals von ungetauften Kindern. Diese sind gut vorangegangen, unterstrich der Präsident der Kommission, der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof William Levada gesagt:
"Im heutzutage üblichen kulturellen Relativismus und religiösen Pluralismus nimmt die Zahl der nicht getauften Kinder deutlich zu. In dieser Situation erscheinen die zu durchschreitenden Wege, um den Heilsweg zu erreichen, immer schwieriger und problematischer. Die Kirche ist sich als Führerin auf dem Weg zum Heil bewusst, dass letzteres nur in Christus und durch den Geist zu erreichen ist. Aber sie kann als Mater et Magistra nicht darauf verzichten, über das Los der als Abbild Gottes geschaffenen Menschen nachzudenken - und da in besonderer Weise über das der Schwächsten und derjenigen, die noch nicht in der Lage sind, ihren Willen in Freiheit zu gebrauchen. Die Diskussion in diesem Zusammenhang war sehr fruchtbar und man kann guter Hoffnung sein, dass in angemessen kurzer Zeit die von der Internationalen Theologenkommission unternommenen Studien auch ein positives Ergebnis in der Veröffentlichung eines Dokuments zu diesem Thema haben werden."
Foto: (c) SIR
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