Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes.

21. März 2022 in Aktuelles


kath.net dokumentiert die Rede von Gabriele Kuby beim Marsch für das Leben in München


München (kath.net)

Gabriele Kuby - Rede beim Marsch für das Leben im Wortlaut - mit freundlicher Genehmigung von Gabriele Kuby

Liebe Freunde, liebe Verteidiger des Lebens!

Wir stehen hier auf dem Königsplatz in München, um sichtbar für das Leben einzutreten. Alle Menschen, außer die ganz Verzweifelten, hängen am Leben und tun alles, um so lange wie möglich am Leben zu bleiben. Sie leben, weil sie eine Mutter haben, die sich entschieden hat, dieses Kind in sich wachsen zu lassen und es unter Schmerzen zu gebären, für dieses Kind zu sorgen, es zu nähren, zu beschützen und zu erziehen, in den meisten Fällen zusammen mit einem Mann, der bereit war, die Verantwortung als Vater zu übernehmen.

Aber Millionen Frauen und Männer auf der Welt wollen das Leben, das sie gezeugt haben, nicht weitergeben. Die Frauen sind in eine Situation geraten, in der sie nicht mehr erkennen können, welch große Berufung es ist, Frau zu sein und Leben schenken zu können; sie meinen, ihr Leben nur noch bewältigen zu können, wenn sie das Kind, ihr eigenes Kind, das in ihnen heranwächst, töten.

Ich bin Mutter von drei erwachsenen Kindern und Großmutter von vier Enkeln. Ich war zu Besuch in der Familie meines Sohnes und wollte mich verabschieden. Da sagte mein Sohn: „Ich will Dir noch etwas Schönes zeigen.“ Er holte sein Handy heraus und zeigte mir eine Videoaufnahme eines zwölf Wochen alten Kindes mit Händchen und Füßchen, es bewegte seine Hand zum Mund, es schien, als lächelte es. Das war das Kind im Bauch meiner Schwiegertochter, mein fünftes Enkelkind. Mir stürzten die Tränen in die Augen. Das ist kein „Zellhaufen“, das ist ein Kind mit einem einzigartigen Fingerabdruck und einem einzigartigen Schicksal, auf innigste verbunden mit der Mutter. Ihr seelischer Zustand in der Schwangerschaft wird der seelische Grundton des Lebens des Kindes sein.

Als Großmutter ist man nicht mehr in der Rushhour des Lebens, muss nicht alles gleichzeitig bewältigen, die Existenz bestreiten, Kinder großziehen, in eine Ehe hineinwachsen oder sich ohne verlässliche Bindung durchkämpfen. Als Großmutter kann ich immer nur staunen über das, was der Mensch ist. Vom ersten Augenblick an schaut eine Seele aus den Augen des Babys in die Seele der Mutter und des Vaters. Minutenlang hat meine Enkelin, erst wenige Wochen alt, ihren Blick nicht von meinen Augen gewendet, sie hat geschaut, geschaut, geschaut. Das können wir Großen gar nicht mehr, aber wir können es im Blick eines unschuldigen Kindes wieder lernen. Enkelkinder lieben ihre Großeltern, es ist eine Symbiose der Freude.

Tag für Tag entfaltet sich das Leben, ganz von allein. Das Kind will lernen, es will krabbeln, stehen, laufen, will die Welt entdecken, will sprechen lernen und versteht schon lange bevor es sprechen kann. Es ist, wenn es geborgen und sicher gebunden ist, voller Lebenslust, Kreativität und Witz, es vertraut dem Leben und erwartet nur Gutes. In den Eltern entzündet es die Liebe und einen überwältigenden Trieb, dieses Kind zu beschützen.

Natürlich weiß ich, dass es Krankheit gibt, Behinderung, Beziehungsbrüche, Not, aber was ich geschildert habe, ist das Normale, ist die riesige Lebensfreude, die ein Kind hat und schenkt. Und selbst mit Krankheit, Behinderung, zerbrochenen Beziehungen, bricht sich das Leben mit seiner Freude und Kraft in den Kindern Bahn.

Haben die Frauen, die auf der Straße tanzen, wenn das Gesetz ihnen erlaubt, ihre ungeborenen Kinder zu töten, vielleicht selbst niemals Freude an ihrer Existenz erlebt?

In Frankreich wurde die Frist für legale Abtreibung gerade von 12 auf 14 Wochen erhöht. In Kolumbien auf 24 Wochen; wenn es nach Joe Biden und den Linken und Grünen in unserem Land geht, dann soll jede Beschränkung wegfallen: Kindstötung bis zu Geburt. Soll man wirklich „werben“ dürfen für die Tötung unschuldiger Kinder? Soll man Ärzte zwingen, in ihrer Ausbildung Abtreibungen durchzuführen? Sollen die Krankenkassen einen sogenannten „Gesundheitsdienst“ bezahlen, der in Wirklichkeit ein Verbrechen ist? Das alles plant die gegenwärtige Ampelkoalition im Eilverfahren zum Gesetz zu machen.

Emmanuel Macron forderte gar in seiner Rede vor dem Europäischen Parlament am 19. Januar dieses Jahres, Abtreibung in die Charta der Grundrechte des Europarats aufzunehmen. Töten des ungeborenen Kindes ein Menschenrecht? Wir sehen: Wenn wir nicht mehr glauben, dass wir von einem guten Gott gewollt und nach seinem eigenen Bild mit unvergleichlicher Würde geschaffen sind, dann stürzen wir in die Barbarei.

Wir hören Zahlen: Um die 100.000 Abtreibungen jährlich in Deutschland, in Wirklichkeit sind es doppelt so viele. 73 Millionen Abtreibungen weltweit im Jahr, das ist fast die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland. International Planned Parenthood, in Deutschland Pro Familia, betreibt die Abtreibungsindustrie weltweit und wird von vielen Regierungen mit Steuergeldern bei ihrem blutigen Geschäft finanziert. Wir hören diese Zahlen, aber machen wir uns eigentlich klar, was da geschieht? Ich will es nicht weiter ausführen aus Rücksicht auf die Kinder, die hier mit ihren Eltern stehen, damit alle Kinder leben dürfen.

Eine Frau, die keinen anderen Ausweg mehr sieht, als ihr ungeborenes Kind zu töten, ist in Not.

Sie hat oft keinen Mann, der den Arm um sie legt und ihr sagt: Wir schaffen das zusammen.

Sie hat oft keine Familie, die sie unterstützt.

Sie ist vielleicht in finanzieller Not.

Sie hat wahrscheinlich kein Beispiel und keine Vision vom guten Leben als Frau, als Ehefrau, als Mutter. 

Vielleicht hat sie nie gehört, dass sie selbst und ihr Kind von Gott geschaffen und geliebt ist.

Sie braucht Hilfe, Liebe, konkrete Unterstützung. Sie braucht vor allem Hoffnung, sie braucht die Botschaft, dass sie Segen empfangen wird, wenn sie sich für das Leben ihres Kindes entscheidet; dass sie große Freude erwartet bei allen Mühen; dass sie niemals so bedingungslos geliebt wurde, wie ihr eigenes Kind sie lieben wird; dass das Kind Wege bahnen wird, die sie sich jetzt noch gar nicht vorstellen kann; dass sie, wenn sie gar keinen anderen Ausweg sieht, ihr Kind zur Adoption freigeben kann; dass sie stolz auf sich sein wird, wenn sie ja sagt zu ihrem Kind, anstatt in einen Abgrund der Reue zu stürzen.

Liebe Freunde des Lebens, wie konnte es geschehen, dass wir, die wir uns für den Gipfel einer humanen Gesellschaft halten, das Massentöten ungeborener Kinder legalisieren? Die Antwort ist einfach: Weil wir die Sexualität zum Götzen gemacht haben. Sex ja, Baby nein. Diesem Götzen wird die Familie geopfert, die Ehe, die ungeborenen Kinder. Dieser Götze will Blut. Es ist wichtig, dass wir hier stehen und NEIN sagen, auch wenn wir wenige sind. Wir sagen nein zu einer Gesellschaft, die die Schwachen tötet, damit die Starken ihre Begierden befriedigen können. Die heute Starken vergessen, dass sie einmal schwach waren und dass sie wieder schwach werden und dass sie vielleicht einmal sehr einsam sein werden.

Wir sagen JA zu einer Gesellschaft, die das Leben des Kindes schützt, für die das Kind ein Geschenk Gottes ist und unser aller Zukunft. Es kann keinen Frieden geben, wenn Millionen unschuldiger Kinder vor der Geburt getötet werden. Ihr Blut schreit zum Himmel. Mutter Teresa von Kalkutta sagte in ihrer Dankesrede zur Verleihung des Friedensnobelpreises 1979:

„Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes.“

Hören wir diesen Schrei und geben wir Kindern Geborgenheit und Liebe, damit sie eine neue Kultur des Lebens aufbauen können.


© 2022 www.kath.net