Kauder: Auf der Grundlage des Islam werden Menschen zu Terroristen

27. Februar 2015 in Deutschland


CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender: Der Satz "Die Terroristen haben mit dem Islam nichts zu tun" ist schlicht und ergreifend falsch


Hamburg (kath.net/idea.de)
Mit deutlichen Worten hat sich der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, gegen eine pauschale Trennung von Islam und Terrorismus ausgesprochen. Der Satz „Die Terroristen haben mit dem Islam nichts zu tun, ist schlicht und ergreifend falsch“, sagte Kauder auf dem Kongress Christlicher Führungskräfte. Das Treffen unter dem Motto „Mit Werten in Führung gehen“ findet vom 26. bis 28. Februar mit mehr als 3.000 Teilnehmern in Hamburg statt. Der evangelische Politiker betonte, dass man nicht alle Muslime in die Nähe von Terroristen rücken dürfe. 99 Prozent der Muslime in Deutschland lebten ihren Glauben friedlich. Für Extremisten gelte aber: „Auf der Grundlage des Islam werden Menschen zu Terroristen.“

Wo Muslime die Mehrheit bilden, gibt es keine Religionsfreiheit

Kauder mahnte, über Bluttaten wie den Anschlag auf die Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ das Leid verfolgter Christen nicht zu vergessen. Sie würden heute mit einer Brutalität verfolgt, wie es die Welt noch nie zuvor gesehen habe. Besonders in Staaten, in denen Muslime eine Mehrheit stellen, sei Religionsausübung für Christen eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich.

Gewalt gegen IS darf kein Tabu sein

Christenverfolgung geht Kauder zufolge heute mit wenigen Ausnahmen nicht mehr von Staaten aus, sondern finde dort statt, wo staatliche Gewalt bereits nicht mehr existiere. Als Beispiel nannte er das Vordringen der Terrororganisation „Islamischer Staat“(IS) in Syrien und im Irak. Besonders Frauen seien dort die bevorzugten Opfer der Terroristen. Sie missbrauchten die Frauen als Sexsklavinnen. Kauder: „Mädchen und Frauen haben deswegen unsere besondere Solidarität verdient.“ Unter Christen dürfe die Anwendung von Gewalt gegen die Terrormiliz kein Tabu sein: „Nur mit der Bibel in der Hand werden Sie dem Auftrag nicht gerecht, die Bedrängten und Verfolgten zu beschützen.“

Schwester Hatune: Wir müssen Barbaren vom IS stoppen

Im Gespräch mit dem Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies (Wetzlar), berichteten drei Christen, die selbst Verfolgung erlebt haben, von ihrem Schicksal. Die Nonne und Gründerin der nach ihr benannten Stiftung „Schwester Hatune“ erzählte von ihrer Arbeit für Christen im Nordirak und Syrien, die vor IS geflohen sind. Sie stimmte Kauder zu, dass für Frauen die Situation besonders dramatisch sei. Christliche Mädchen würden von den Terroristen entführt und verkauft. Dennoch seien die Grausamkeiten des IS für Christen in der Region nichts Neues. „Der IS ist in Wirklichkeit 1.400 Jahre alt“, sagte sie. „Seit es den Koran gibt, gibt es dieses Schlachten. Mohammed selbst hat Menschen geschlachtet, und die Terroristen vom IS wollen Mohammed nachfolgen.“ Ihr Appell: „Es ist unsere Pflicht als Christen, dass diese Barbaren gestoppt werden.“ Auch in ihrer früheren Heimat Türkei, aus der sie mit ihrer Familie 1984 nach Drohungen von Muslimen fliehen musste, sei die Situation für Christen weiterhin schlecht. Auf die Frage, ob die Türkei EU-Mitglied werden sollte, antwortete die Ordensfrau: „Um Gottes Willen.“

Ex-Muslim: Christen lieben ihre Feinde

Der Ex-Muslim Sultan Assawahri, der 2003 im Irak als Krieger für Allah gegen US-Truppen gekämpft hatte und sich einige Zeit später zum christlichen Glauben bekehrte, bezeichnete Feindesliebe als den Hauptunterschied zwischen Christentum und Islam: „Jesus wollte, dass wir unsere Feinde segnen, Mohammed wollte, dass wir sie umbringen. Das ist genau das, was IS heute im Irak und Syrien macht.“ Assawahri leitet zusammen mit einem anderen Pastor eine arabischsprachige Gemeinde in Zürich (Schweiz). Zwei seiner Kinder befinden sich nach wie vor in Jordanien. Die Regierung weigert sich, sie zu ihrem Vater in die Schweiz ausreisen zu lassen.

Iranischer Pastor: Keine Parallelgesellschaften

Der iranische Pastor Siamak Aminmansour, der im badischen Offenburg eine Baptistengemeinde leitet, erklärte, warum sich unter keiner Einwanderergruppe in Deutschland so viele zum Christentum bekehren wie unter Iranern. Nach Schätzungen sind rund 40.000 der etwa 150.000 Iraner in Deutschland Christen. Anders als bei Türken oder Arabern sei der Islam nicht Teil der nationalen Identität. In ihren eigenen vier Wänden lebten Iraner eher ihre persische Kultur als den Islam. Deutlich wandte sich Aminmansour gegen die Gründung von Migrantengemeinden. Zuwanderer sollten in bestehende Gemeinden integrieren, sonst bildeten sie Ghettos oder Parallelgesellschaften.

Foto: © www.volker-kauder.de


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