Scharfsinnige Kritikerin des Zeitgeistes: Christa Meves wird 90

2. März 2015 in Chronik


Die Bestsellerautorin veröffentlichte über 120 Bücher mit einer Millionenauflage


Uelzen (kath.net/idea) Sie ist eine der am meisten gelesenen christlichen Autorinnen: die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Christa Meves (Uelzen). Sie vollendet am 4. März ihr 90. Lebensjahr. Meves veröffentlichte über 120 Bücher mit einer Gesamtauflage von mehr als sechs Millionen Exemplaren. Sie gilt als eine der scharfsinnigsten Kritikerinnen des Zeitgeistes.

Bereits 1971 hatte sie in ihrem Bestseller „Manipulierte Maßlosigkeit“ vor einer Frühsexualisierung von Kindern gewarnt. Die Schlüsselfigur dieser Entwicklung „unter der Ägide der evangelisch-lutherischen Kirche“ sei der Sexualwissenschaftler Helmut Kentler (1928-2008) gewesen, schreibt Meves auf ihrer Internetseite. Schon Anfang der 70er Jahre habe man voraussagen können, „dass eine Sexualisierung der Kinder durch den medialen Mainstream und durch obligatorische Schulsexualerziehung viel persönliches Unglück und eine fundamentale gesellschaftliche Schwächung hervorrufen würde“.

Der Psychotherapeutin zufolge ist die Zerstörung der Familie weit fortgeschritten: „Infolge der sexuellen Revolution durch die 68er-Bewegung gibt es heute viele seelisch gestörte Kinder.“ Depressionen, Süchte, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen hätten zugenommen. Scharfe Kritik übt Meves auch an der außerfamiliären Kollektiverziehung von Kleinkindern. Statt sie in den ersten drei Lebensjahren in Krippen zu geben, sollten sie vor allem in der Familie betreut werden. Die Bindung an die Mutter sei in dieser Phase wichtiger als Bildung.

Meves unterstützt ferner den Kampf gegen die „Gender-Ideologie“. Sie sei antichristlich, totalitär und gegen die Schöpfungsordnung gerichtet, heißt es in einer „Bekenntnisökumenischen Erklärung“, die die Schriftstellerin zusammen mit rund 100 theologisch Konservativen verschiedener Konfessionen im vergangenen Jahr unterzeichnete. „Gender Mainstreaming“ besagt, dass jeder Mensch unabhängig von seinem biologischen Geschlecht wählen kann, als Mann oder Frau zu leben.

1987 Wechsel von der evangelischen zur katholischen Kirche

Die Publizistin war von 1978 bis 2008 Mitherausgeberin der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“. Von 1973 bis 1984 gehörte sie der EKD-Synode an. 1987 trat Meves zur römisch-katholischen Kirche über. Sie begründete ihren Schritt damit, dass evangelische Kirchenleitungen in wesentlichen ethischen Fragen versagt hätten. So vermisse sie bei ihnen ein unmissverständliches Engagement gegen Abtreibung, Frühsexualisierung, Pornografie und „Irrlehren“ wie die feministische Theologie.

Meves hat nach eigenen Angaben rund 3.000 Vorträge im deutschsprachigen Raum gehalten. Sie steht seit 1996 dem Verein „Verantwortung für die Familie“ vor, in dem Fachleute Eltern bei der Erziehung unterstützen. Im Jahr 2000 gründete sie die Fortbildungseinrichtung „Eltern Colleg – Christa Meves“. Im vergangenen Jahr war sie eine der ältesten Kandidatinnen bei der Europawahl. Die Autorin trat an für die AUF-Partei (Arbeit, Umwelt, Familie, Christen für Deutschland), schaffte aber nicht den Einzug in das Europaparlament.

Für ihr vielfältiges Engagement erhielt Meves zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1985 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Sie begeht ihren 90. Geburtstag unter anderem mit einem ökumenischen Gottesdienst am 7. März in Uelzen.

Christa Meves: Geborgenheit von Anfang an - Mutter-Kind-Bindung in den ersten Lebensjahren



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