Eine Märtyrerkirche

18. März 2012 in Aktuelles


Die Kopten sind eine christliche Minderheit mit großer Tradition. Von Christoph Arens (KNA)


Bonn (kath.net/KNA) Die Kopten haben ihr Oberhaupt verloren. Schenuda III. (siehe Foto), Papst und Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche, ist am Samstag im Alter von 88 Jahren gestorben. Die wiederholten Übergriffe auf koptische Christen und - seit dem «Arabischen Frühling» im vergangenen Jahr - gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen koptischen Christen, Muslimen und Militärs mit zahlreichen Toten und Verletzten haben die christliche Minderheit in Ägypten verstärkt ins Bewusstsein der westlichen Öffentlichkeit gebracht.

Zwischen 10 und 17 Millionen koptischer Christen soll es weltweit geben - die Zahlen schwanken stark. In Ägypten, ihrem, Stammland, bilden sie mit zwischen sieben und zehn Millionen unter den insgesamt rund 80 Millionen Einwohnern eine große und traditionsreiche Gemeinschaft. In Deutschland leben zwischen 6.000 und 7.000 Angehörige. Sie treffen sich in acht Gemeinden und zwei Klöstern. Sitz des Bischofs Anba Damian ist Kloster Brenkhausen bei Höxter in Ostwestfalen.

Die Kopten - das Wort bedeutet eigentlich «Ägypter» - führen sich auf den Evangelisten Markus zurück, der das Evangelium an den Nil gebracht haben soll. Die koptische Sprache hat ihre Wurzeln im antiken Ägyptisch, wird jedoch im Alltag kaum mehr gesprochen.

Von Anfang an musste sich die koptische Kirche in feindlicher Umgebung behaupten. Deshalb bezeichnet sie sich selbst auch als «Kirche der Märtyrer». Der koptische Kalender beginnt mit dem römischen Kaiser Diokletian und dessen Christenverfolgung im Jahr 284. Einige der Märtyrer sind auch in Europa bekannt: Mauritius etwa als Patron des Doms zu Magdeburg oder Cassius und Florentius, die Patrone der Stadt Bonn.

Nach dem Konzil von Chalkedon im Jahre 451 entfernte sich die koptische Kirche von der übrigen Christenheit. Sie betont die göttliche Dimension Christi stärker als seine menschliche Identität. Deshalb wurden die Kopten im Byzantinischen Reich als Ketzer angesehen und teilweise verfolgt. Als dann der Islam im siebten Jahrhundert Ägypten eroberte, betrachteten die Kopten die Muslime zunächst als Befreier. Dass heute noch eine so starke christliche Minderheit in Ägypten lebt, weist durchaus auf Phasen der Toleranz des Islam hin.

Allerdings hat sich das Klima zuletzt deutlich verschlechtert. Zwar enthält die ägyptische Verfassung ein Bekenntnis zu den Menschenrechten, aber zugleich wird der Koran als Hauptquelle allen Rechtes bezeichnet. Immer stärker werden die Christen an den Rand gedrängt: Ihre politische Präsenz ist deutlich zurückgegangen. Seit dem Sturz Mubaraks im Februar sollen Hunderttausende das Land verlassen haben.

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