Tu es Pastor Ovium

4. Juni 2009 in Jugend


Interview mit P. Maximilian Heim, Prior des Zisterzienser-Klosters Bochum-Stiepel - Aus den Amici-News Juni 2009


Linz (kath.net/Ad)
AdD: Sie haben im Heiligenkreuzer Verlag be&be ein Buch herausgegeben, das sich dem Papstbesuch in Heiligenkreuz widmet. Was hat Sie dazu veranlasst, ein weiteres Buch zu diesem Ereignis zu veröffentlichen?

P. Maximilian: Drei Gründe waren ausschlaggebend:
1. Die Dankbarkeit unserem Herrn Abt Gregor Henckel Donnersmarck gegenüber, der seit 10 Jahren unsere blühende Abtei leitet. Mit vollem Engagement verstand er es, den Besuch des Heiligen Vaters in Heiligenkreuz in die Gesamtarchitektur des Papstbesuchs in Österreich einzubinden.

2. Für unseren Herrn Abt war die spirituelle Vor- und Nachbereitung des Besuches des Hl. Vaters von entscheidender Bedeutung. So organisierte er mit Hilfe des Rektors unserer Päpstlichen Hochschule, P. Prof. Dr. Karl Wallner O.Cist., ein theologisches Triduum, das die drei Aspekte „Petrus“ (Petrusamt), „Benedikt“ (Namenspatron des Pontifex) sowie die Theologie Joseph Ratzingers in den Blick nahm. Als Referenten wurde der Neutestamantler der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Lothar Wehr, für „Petrus“, Abt Benedikt Müntnich OSB von Maria Laach zum Thema „Benedikt“, und ich selbst für die Theologie Joseph Ratzingers ausgewählt. Da das Vorgetragene nicht nur für den Augenblick gedacht war, sondern auch nachhaltig aufbereitet werden sollte, war es bald schon klar, dass die Vorträge auch publiziert werden sollten.

3. Den Anstoß für diese Nachlese gab nicht zuletzt die Predigt von Bischof em. Dr. Hubert Luthe (Essen), einem langjährigen Freund des Hl. Vaters. Sie beschließt die jetzige Publikation. Bischof Luthe hielt in Heiligenkreuz am 9. September 2008, dem ersten Jahrestag des Papstbesuches, ein Pontifikalamt und wiederholte bei diesem Anlass seine damalige Aussage: Die Ansprache des Heiligen Vaters in Heiligenkreuz übertreffe in ihrer Dimension den einmaligen Augenblick und „müsste in goldene Lettern gegossen werden“.

AdD: Sie gelten als profunder Kenner der Theologie Joseph Ratzingers. Was hat Sie an seiner Theologie so bewegt, dass Sie darüber eine Doktorarbeit geschrieben haben? [Anm. ist als Buch auf deutsch und englisch veröffentlicht worden]

P. Maximilian: Ich würde mich selbst nicht so hoch einstufen. Denn die Theologie von Papst Benedikt umfasst doch ein sehr reiches Spektrum, aus dem ich nur einen Teil, nämlich die Ekklesiologie, d.h. die Lehre von der Kirche, in besonderer Weise untersucht habe. Aber daran bewegt mich in der Tat die eucharistische Zentrierung. Wie er selbst in seinem Vorwort zu meiner Doktorarbeit es ausdrückte: „In der Eucharistie wird die Kirche immer neu aus dem geöffneten Herzen des Herrn geboren.“

AdD: Was sind in Ihren Augen die großen Verdienste Papst Benedikts XVI. für die Kirche des 21. Jahrhunderts?

P. Maximilian: Hier müssen mehrere Punkte genannt werden:

1. Das Bewusstmachen, dass der Glaube an Gott nicht die Vernunft blockiert, sondern zusammen mit der Vernunft dem Menschen den Sinn seiner Existenz erst aufleuchten lässt. –

2. Die Priorität Gottes, der – so Papst Benedikt in seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ – der „Urquell allen Seins“ ist und zugleich „ein Liebender mit der ganzen Leidenschaft wirklicher Liebe.“

3. Die Sorge um die würdige Feier der Liturgie.

4. Das Wiederernstnehmen des Wortes Gottes in der Heiligen Schrift – in seiner Geschichtlichkeit wie auch in seiner bleibenden Aktualität. Papst Benedikt hat uns gezeigt, dass Offenbarung nicht als ein Vergangenes archiviert werden kann, sondern als immer neu und gegenwärtig unser Leben prägt.

5. Die Überwindung der dekadenten Traurigkeit einer Gesellschaft, die jeden Gottesbezug im öffentlichen Leben leugnet und die Religion zur Privatsache degradiert.

6. Die Brücke zu den anderen christlichen Konfessionen, insbesondere zur Orthodoxie, und im Hinblick auf das Alte Testament auch zur rabbinischen Theologie im Judentum.

7. Der Dialog mit allen Menschen guten Willens – insbesondere mit Menschen anderer (vor allem monotheistischer) Religionen.

AdD: Sie schreiben, dass die intensivste "Farbe der Theologie Papst Benedikts" die Liturgie sei. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Liturgie in der Kirche aus?

P. Maximilian: Die Zukunft wird wieder neu entdecken, dass Liturgie heiliger Dienst ist vor Gott und dass die Schönheit ihrer Riten ein Abbild des Ewigen ist.

Die Liturgie lebt – wie es Papst Benedikt in Heiligenkreuz formulierte – „vom Hinschauen auf Gott in der Gemeinschaft der Heiligen, der lebendigen Kirche aller Orte und Zeiten“. Aus dieser Haltung wachsen Liebe und Ehrfurcht vor dem, was uns heilig ist. Nur wenn wir aus dieser Quelle schöpfen, können wir – wie es im dritten Hochgebet heißt – „ein Leib und ein Geist werden in Jesus Christus“.

AdD: Wir stehen kurz vor dem Pfingstfest. Um was bitten Sie persönlich den Heiligen Geist in dieser Zeit?

P. Maximilian: Der Heilige Geist ist die Liebe, die uns eins macht mit Gott und untereinander. Um diese Einheit bitte ich täglich, so wie es der Herr uns selbst beim letzten Abendmahl aufgetragen hat.

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Buchtipp:
Tu es Pastor Ovium
Eine Nachlese zum Besuch von Papst Benedikt XVI.
am 9. September 2007 im Stift Heiligenkreuz
hg. von Maximilian Heinrich Heim
118 Seiten
Be&Be-Verlag
Heiligenkreuz 2009
ISBN 978-3-902694-03-4
Preis: 7,90

Band 1 der Schriftenreihe des Instituts für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Päpstlichen Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz ist erschienen


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