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01 November 2019, 06:00

„Ich wünsche Euch eine gute Heiligkeit“
Gedanken zu Allerheiligen. Aus der Predigt des Erzbischofs von Paris, Michel Aupetit, zu Allerheiligen 2018. Gastbeitrag von Juliana Bauer
Paris (kath.net) In seiner wunderbaren, teilweise auch humorvollen Predigt verfolgt Erzbischof Michel Aupetit zwei Stränge des Themas Heiligkeit: er spricht sowohl die Heiligkeit der Getauften als auch jene der bereits bei Gott Lebenden an, um letztlich beide miteinander verbunden zu wissen.

„Ein schönes Fest euch allen!“ ruft Monseigneur Aupetit den damals noch in der Pariser Kathedrale Notre Dame versammelten Christen am Allerheiligenfest 2018 fröhlich zu. „Ja, heute ist unser Fest, ist euer Fest! Es ist das Fest der Heiligen. Denn wir sind Heilige. Es ist genau das, wenn der Hl. Paulus in seinen Briefen an die Korinther und die Römer die Getauften grüßt. Und der größte Teil von euch…ist getauft, also ist das heute euer Fest.“
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„Natürlich wissen wir“, fährt der Erzbischof fort, „in Wirklichkeit ist nur Gott heilig. Aber durch die Taufe sind wir Kinder Gottes geworden… Der heilige Johannes sagt es in seinem Brief, den wir gerade hörten … ‘ der Vater wollte, dass wir Kinder Gottes sind und wir sind es‘ … Wir sind also von Gott adoptierte Söhne und Töchter.“

An diese Worte schließt er seine weitere Ausführung an, doch nicht ohne einen kurzen Abstecher in einen alltäglichen, fast belustigenden Vergleich zu machen, um seine Worte zur Gotteskindschaft jedem zu verdeutlichen: „Ich bringe euch ein Beispiel. Bill Gates ist reich. Wenn Bill Gates, der reich ist, ein Kind adoptiert, wird dieses Kind auch reich. Und wenn Gott, der heilig ist, ein Kind adoptiert, wird dieses Kind heilig.“

Diese Aussage vertiefend erschließt Aupetit seinen Zuhörern nochmals die Bedeutung der Taufe, durch die die Getauften Anteil an der Heiligkeit Gottes erlangen. In diesem Kontext stellt er ihnen auch ihren Tauf-Tag als wichtigen Tag in ihrem Leben vor, der dem Geburtstag, dem Tag, an dem wir das Licht der Welt erblicken, gleichwertig sei. Fast schelmisch wirft er die Frage in den (Kirchen-)Raum, ob denn seine Gläubigen den Tag ihrer Taufe überhaupt kennen. Er selber, fügt er verschmitzt hinzu, kannte ihn auch lange nicht. Erst, als er ins Priesterseminar eintrat, erfragte er ihn. Aber nun wisse er ihn, diesen wichtigen Tag, den Geburts-Tag zum Ewigen Leben. Den Tag, seitdem wir an Gott teilhaben, an seiner Liebe, seinem Leben und seiner Heiligkeit, „die wir heute feiern.“

Im Weiteren erinnert der Erzbischof daran, dass es dem Menschen freistünde, die Gotteskindschaft abzulehnen, dass die Sünde die enge Beziehung zwischen Gott und dem Menschen auseinanderbrechen lasse. Er stellt dabei den Vergleich mit dem verschwenderischen Sohn her, der den Vater verließ, als sei dieser tot. Er stellt in diesem Zusammenhang aber auch den Unterschied zwischen „moralischer Verfehlung“ und der Sünde heraus. Letztere, welche die Verfehlungen, die uns innerhalb der Gesellschaft disqualifizieren können, mit sich zöge, sei viel schwerer, da sie uns aus dem Leben mit Gott ausschlössen und unsere Gotteskindschaft zerreiße.

Daher verweist Aupetit insbesondere auf die Intimität mit Christus, in die sich die Gläubigen einlassen sollen, um ihm ähnlich zu werden. Ihm, der der Sohn Gottes ist, der als Sohn unsere Gott-Kindschaft ermögliche und uns in die Gemeinschaft Gottes und der Liebe führe. Unser ganzes Erdenleben beinhalte dieses Ziel, in die Gotteskindschaft immer mehr einzutreten, um Jesus Christus ähnlich zu werden. Hieraus seien auch die Seligpreisungen zu verstehen, die im Evangelium gelesen wurden und die Tröstungen, die wir erfahren werden. Durch Gott, den Vater. Er sei es, so Aupetit, der „uns tröstet, der uns satt macht, der uns Barmherzigkeit erweist.“

Als fundamental für die intime Gemeinschaft mit Christus stellt er im Weiteren die Eucharistiefeier heraus. Im Hören auf das Wort Gottes, werden wir ihm ähnlich, wie es die Bibel sage; im Empfangen des Leibes Jesu nehme jeder Christus in sich auf, der ihn zu seiner Liebe befreie.

Und „diese Berufung“, so der Erzbischof, „haben alle Heiligen, die wir heute feiern, in ihrem Leben verwirklicht.“ „Sie sind unsere Lehrer, sie zeigen uns den Weg. Sie sind Professoren der Heiligkeit.“ Dabei waren auch sie „einfache Leute, die aßen wie ihr, die tranken wie ihr, die Zuneigung verspürten wie ihr, die krank wurden wie die ganze Welt. Aber: was sie taten, taten sie aus Liebe und in alles, was sie taten, gaben sie ihre Liebe hinein.“

Michel Aupetit legt seinen Zuhörern dann die Heiligen ans Herz, sie zu bitten, für uns zu Gott zu beten, sie, die in der Nähe Gottes leben. Und er ist überzeugt, dass sie unsere Gebete zu Gott tragen. Es sei gut, jeden Tag zu den Heiligen zu beten, „jeden Tag unseres Lebens.“

„An Neujahr“, schließt der Erzbischof seine Predigt, „wünschen wir uns ‘Gute Gesundheit‘ und heute wünsche ich euch eine ‘Gute Heiligkeit‘.“
(Wobei sein Allerheiligen-Wunsch in der französischen Sprache mit dem Neujahrswunsch eine Art Wortspiel eingeht: une Bonne Santé – une Bonne Sainteté! Also wünscht er seinen Christen damit Gesundheit für die Seele).

Aus: Homélie de Mgr Michel Aupetit – Messe de la Toussaint à Notre-Dame de Paris – Jeudi 1er novembre 2018, Diocèse de Paris, und KTOTV, 1er novembre 2018. Übersetzung: Dr. Juliana Bauer

♫ Allerheiligenlitanei (modern) - Litanie des Saints de la Communauté du Chemin Neuf




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