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13 September 2019, 13:30

'Wenn der Autor die Bühne betritt, ist das Stück aus'
Warum wir das Reich Gottes zuerst suchen sollen, wird mir immer mehr bewusst. Denn dann sitzen wir auf dem Pferd, das Gott für uns vorgesehen hat - BeneDicta am Freitag von Linda Noé
Linz (kath.net)
„Unvorstellbar groß: die Astronomen messen die Entfernung im Weltall in Lichtjahren. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt- ungefähr 10 Billionen Kilometer!“

Staunend schaut mein Jüngster, Emanuel, auf das Hochglanzfoto im Kinderlexikon, das einen kosmischen Nebel und unser Sonnensystem zeigt. Dass die Erdkugel auf der wir leben im Inneren einen kochend heißen, flüssigen Gesteinskern hat, sich um die Sonne und um sich selbst dreht, aus dem Weltall aussieht wie eine kleine blaue Murmel, und dass wir von all dem die ganze Zeit nichts merken, kann er sich nicht vorstellen. „Wir sind ja klein wie die Ameisen!!“ Wir sprechen über die Auswirkungen, die wir tagtäglich bemerken: das Wetter, Erdbeben, Vulkanausbrüche, die Schwerkraft, die Voraussetzungen dafür, dass es auf unserem Planeten überhaupt Leben geben kann. „Wo hört der Weltraum auf? Was kommt dann?“
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Im Alltag beschäftigt sich der erwachsene Mensch ohne kleine Kinder nun erfahrungsgemäß eher selten mit diesen Fragen. Wir wissen die Basics, sind daran gewöhnt wie das Leben so tagein tagaus funktioniert, haben genug zu tun innerhalb unseres kleinen Horizontes. Mit Kindern gemeinsam zu staunen ist ein Geschenk, das ist mir gestern wieder neu bewusst geworden. Ich kann Emanuel verstehen, der es beim Anblick der Fotos aus dem Weltall nicht fassen kann, wie klein wir eigentlich sind. Wie viel wir gar nicht bemerken, obwohl es die ganze Zeit passiert und unser Leben komplett davon abhängt. Wir könnten die Reise genauso gut andersherum in unseren eigenen Körper hinein machen, und würden auf dieselbe verblüffende Wahrheit stoßen. Wie wenig wir wissen und gar erst kontrollieren können.

Als Christ leben wir wohl in der größten Spannweite des Geheimnisses, wenn wir betrachten, dass Gott selbst, der Geist ist, Schöpfer des unendlichen Weltalls, ER, der alles zusammenhält, auf unserer „kleinen blauen Murmel“ Mensch geworden ist. Uns damit gezeigt hat, wie bedeutsam und wichtig wir Ihm sind. Der für uns gestorben ist, und IN uns leben möchte. Der Seinen Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen hat. Wir wissen das, zumindest theoretisch. Und doch betrachte ich diese Wahrheiten neu, während ich mit Emanuel durch die Fotos von der Milchstraße blättere. Mein Bluetooth Lautsprecher im Wohnzimmer lässt, und irgendwie finde ich das gerade dazu passend, eine Missa Solemnis von Mozart hören.

So klein wir auch sind, wir können Kreatives und Großes tun, durch den Geist, den Er uns gegeben hat. In Psalm 115, 16 heißt es: „Der Himmel ist der Himmel des Herrn, / die Erde aber gab er den Menschen.“ Außerdem in Joh 8,36: „Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei.“ „Aufgrund seiner Freiheit ist der Mensch für seine Taten soweit verantwortlich, als sie willentlich sind“ sagt uns der Katechismus der Katholischen Kirche. Freiheit und Verantwortung hängen natürlicherweise zusammen. Wenn wir also durch den Sohn befreit, wirklich frei sind, und Gott uns Menschen die Erde und was darauf lebt anvertraut hat, heißt es aufmerksam sein: sowohl Kontrollsucht und menschlicher Stolz als auch ein apathisches Nichtigkeitsgefühl „was kann ich schon machen?“ sind zwei Seiten links und rechts vom Pferd, von dem uns der Teufel herunter stoßen will.

Wir haben alle Gaben, die wir für unsere Aufgaben im Leben brauchen vom Schöpfer bekommen. Betrachten wir das, ob natürlich oder geistlich, kurz an einem Beispiel: Gott hat mir eine Hand gegeben. Was ich mit dieser Hand aber mache, erzwingt Gott in keiner Weise. Wenn ich auf seine Stimme höre, werde ich damit nach bestem Wissen und Gewissen Gutes tun, ich könnte aber genauso gut mit derselben Hand, die ich von Ihm bekommen habe, jemanden zum Spaß verprügeln- und Gott wird keinen Blitz vom Himmel herunter schicken oder mir die Hand wieder wegnehmen, obwohl ich klar gegen Seinen Geist gehandelt hätte. Es ist meine Verantwortung. Es hat Konsequenzen, die ich und andere tragen müssen. Aus jeder Schulklasse wissen wir, wie groß der Einfluss nur eines einzelnen Störenfriedes für die Gruppe sein kann, und an einer Mutter Teresa sehen wir, was ein einzelner kleiner Mensch Gutes in Jesu Namen bewirken kann.

Verantwortung und Sendung, das sind meiner Ansicht nach doch Herzthemen des Evangeliums. Wir sind als Christen in Seinem Namen gesandt. C.S. Lewis sagt in seinem apologetischen Werk „Christentum schlechthin“: „Wenn der Autor die Bühne betritt, ist das Stück aus“. Jesus hat bereits verborgen die „Bühne“ betreten, aber wenn Er widerkommt, wird es anders sein, dann wird jeder Ihn erkennen, dann wird aber diese Welt auch ein Ende finden.

Einstweilen ist die Kirche, sind wir Christen dran, Seinen Plan mit Seiner Hilfe des Heiligen Geist, Jesu verborgenen Gegenwart in den Sakramenten, weiterzuführen. Er hat uns das so aufgetragen, also ist es auch möglich, in Ihm, mit Ihm, durch Ihn. Durch nichts Sichtbares darf man sich von dieser Wahrheit abbringen lassen. Warum wir das Reich Gottes zuerst suchen sollen, wird mir immer mehr bewusst. Denn dann sitzen wir auf dem Pferd, das Gott für uns vorgesehen hat, fest im Sattel und lassen uns auf keiner der vorher genannten Seiten herunterwerfen. „Gott und ich – wir zusammen sind immer die Mehrheit!“ (Teresa von Avila)


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