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03 Mai 2008, 10:59

Was Abtreibungsfanatiker wütend macht
Pro-Life-Verein "Die Birke" wehrt sich gegen Kritik - "Viele dieser Kritiker verdienen ihr Geld mit der Tötung von ungeborenen Kindern. Das kann man nur schwer verarbeiten. Als Kompensation gehen sie dann auf uns los."
Berlin (kath.net/idea)
Der größte christliche Jugendkongress in diesem Jahr - das Christival, das diese Woche in Bremen beginnt - steht unter schwerem Beschuss. Zuletzt wurde insbesondere das Seminar "Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?" angegriffen. Es wird von einem Vertreter der Schwangerschaftskonfliktberatung "Die Birke" e. V. (Heidelberg) gehalten. Wer ist "Die Birke" und warum ist sie Zielscheibe heftiger Angriffe? Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer, Kristijan Aufiero.

idea: Am kommenden Samstag findet Ihr Seminar auf dem "Christival" in Bremen statt. Warum wird "Die Birke" so massiv angegriffen?

Aufiero: In Wahrheit sind es gar nicht wir, die angegriffen werden. Es sind die Schwangeren und ihre ungeborenen Babys. Zunächst richten sich die Verleumdungen gegen uns, sicher. Aber das, was sie wirklich auf die Palme bringt, ist letztlich, dass sich die Schwangeren nach einer "Birke"-Beratung für ihr Kind entscheiden.

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idea: Was stört daran?

Aufiero: Es ist das schlechte Gewissen. Viele dieser Kritiker verdienen ihr Geld mit der Tötung von ungeborenen Kindern. Das kann man nur schwer verarbeiten. Als Kompensation gehen sie dann auf uns los. "Die Birke" beweist täglich, dass die große Mehrheit der Abtreibungen durch Beratung und Hilfe verhindert werden kann. Das ist die Realität, die die Abtreibungsfanatiker so wütend macht. Die meisten wollen eigentlich nicht abtreiben

idea: Wie kann "die große Mehrheit der Abtreibungen verhindert werden"?

Aufiero: Die Frauen, die täglich zu uns kommen, wollen nicht aus Jux und Tollerei abtreiben. Sie haben massive Probleme und stehen unter Druck: der Partner, die Eltern, die Ausbildung, der Job, die finanzielle Situation usw. Der erste Satz in der Beratung ist meist "Eigentlich will ich nicht abtreiben, aber ..."

idea: Und dann?

Aufiero: Dann sprechen wir über die "Aber", über jedes einzelne. Die Frau und ihre drückenden Sorgen ernst zu nehmen, bedeutet: nach Lösungen suchen - konsequent, zeitnah und vor allem gemeinsam! Am Ende steht ein substanzielles Hilfs- und Unterstützungsangebot für ein Leben mit dem Kind. Das ist eigentlich alles.

Von der Tagesmutter bis zur Miete

idea: Wie sieht diese Hilfe aus?

Aufiero: Unsere Unterstützungskonzepte sind so individuell wie das Leben der Frauen und Paare: Eine Finanzierungszusage für eine Tagesmutter, Eheberatung, Kostenübernahme für eine Schuldnerberatung, ein zinsloses Darlehen für die Mietkaution und vieles, vieles mehr. Worauf es ankommt, ist, dass es schnell geht und dass Hilfe und Entlastung wirklich da ansetzen, wo der Druck am größten ist.

idea: Und dann fällt die Entscheidung zugunsten des Kindes?

Aufiero: Ja, in der überwältigenden Mehrheit der Fälle.

Keine Moral-Diskussionen

idea: Sprechen Sie mit den Schwangeren über die moralische Dimension der Abtreibung?

Aufiero: Moralische Diskussionen in der Konfliktsituation zu führen, ist kontraproduktiv und gefährlich. Wenn Sie das Baby retten wollen, müssen Sie die Frau ernst nehmen und ihr helfen. Mit Moraldiskussionen erreichen Sie das Gegenteil.

idea: Man liest auch, dass Ihre Beratungsweise die Entscheidungsfreiheit der Schwangeren einschränke ... Aufiero: Mit ihrem Gerede von "Entscheidungsfreiheit" liefern sie die Frauen de facto dem ungeheuren Druck aus, dem sie ausgesetzt sind. Wenn Sie das subjektive Gefühl haben, am Abgrund zu stehen, brauchen Sie keinen, der sagt: "Hey, das überlass ich ganz dir, das darfst du ganz alleine entscheiden!". Was diese Frauen dann brauchen, ist: "Ich steh' zu dir, ich helfe dir, ich lass' dich nicht im Stich".

Der Zynismus von "pro familia"

idea: Die Bremer Landesgeschäftsführerin von pro familia behauptet, Sie würden nicht ergebnisoffen beraten. Was sagen Sie dazu?

Aufiero: Dazu sollte man Folgendes wissen: Ein und dieselbe Person sucht in einer aktuellen Stellenanzeige (http://www.frauenseiten.bremen.de/sixcms/detail.php?template=12_for_eintrag_d&id=4002054) einen Frauenarzt für ihre Einrichtung. Im Anzeigentext heißt es, dort würden "ambulante Operationen im Bereich der Familienplanung durchgeführt" und es sei "Erfahrung in der Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen" für den Job vonnöten. Daher möchte ich die Gegenfrage stellen: Wie ergebnisoffen ist denn die Beratung einer Einrichtung, in der Beratungsscheine ausgestellt werden und die Schwangere dann drei Türen weiter zum eigenen Abtreibungsarzt geschickt wird? Wo Geld mit der Ausstellung dieser Tötungslizenzen und gleichzeitig mit Abtreibungen verdient wird? Das ist frauenverachtend! Sich dann auch noch "pro familia" zu nennen, ist reinster Zynismus.

idea: Ist Ihre Beratung ergebnisoffener?

Aufiero: Allerdings! "Die Birke" berät ergebnisoffen, weil sie zum Leben rät: Das Leben ist ergebnisoffen. Der Tod ist das Gegenteil von ergebnisoffen. Das ist die Richtung, in die unsere Kritiker beraten.

idea: Ihr Motto ist wohl "viel Feind - viel Ehr!"?

Aufiero: Nein. Fakt ist aber, dass wir uns schon lange eine neue Diskussion über die alltägliche Massentötung ungeborener Babys wünschen. Wir haben kein Geld für PR-Agenturen. Deshalb sind wir dankbar, wenn unsere Gegner dieses Geld haben und das Thema wieder in die Medien bringen.

Keinen Cent vom Staat

idea: Wie finanzieren Sie Ihre Hilfe für die Schwangeren?

Aufiero: Weil sich unsere Beratungsarbeit und unsere Hilfe für Schwangere strikt auf die Unversehrtheit der Mutter und das Überleben des Kindes ausrichtet, erhalten wir keinen Cent an staatlichen Geldern. Wir finanzieren unsere Arbeit nur durch Spenden.

idea: Wie viele Kinder, die eigentlich abgetrieben werden sollten, werden durch Ihre Arbeit gerettet?

Aufiero: Zu wenige.

idea: Können Sie diese Frage bitte konkret beantworten?

Aufiero: Ja, ich könnte sie konkret beantworten. Ich tue es aber nicht. Unser Standpunkt zu dieser quantitativen Herangehensweise ist sehr klar: Jedes Baby ist unendlich kostbar. Und wenn es nur ein einziges Kind wäre, das auch dank der Arbeit der "Birke" zur Welt kommt - all die Arbeit und all der Aufwand, den wir jedes Jahr treiben, hätte sich gelohnt. Aber ich kann Sie beruhigen: Es sind viel, viel mehr Babys als "nur" dieses eine.

idea: Wir danken für das Gespräch.


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