31 Januar 2005, 13:06
Kardinal Scheffczyk: Liturgie ist keine Marktveranstaltung
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Liturgie'
Der Münchner Kardinal kritisiert im KATH.NET-Exklusiv-Interview die liturgischen Missstände in der Diözese Linz - "Derartige Geschehnisse betreffen nicht nur eine Einzelkirche, sondern die Kirche im ganzen"

München-Linz (www.kath.net)
Erstmals hat ein hochrangiger Kirchenvertreter zu den liturgischen Missständen in der Diözese Linz Stellung genommen. Der Münchner Kardinal Leo Scheffczyk sprach im KATH.NET-Exklusiv-Interview über die Linzer „Liturgiebörse“, Frauenpredigten und „Frauenperikopen“.

„Es erscheint etwas ungewöhnlich, wenn ein ‚Auswärtiger’ um eine Stellungnahme zu zweifelhaften liturgischen Vorgängen in einer Diözese gebeten wird“, meinte der 84-jährige Professor für Dogmatik, der 2001 zum Kardinal erhoben wurde, vor dem Interview gegenüber KATH.NET. „Aber es wäre nicht gerechtfertigt, eine solche Bitte auszuschlagen, weil derartige Geschehnisse nicht nur eine Einzelkirche betreffen, sondern die Kirche im ganzen angehen, die davon nicht unberührt bleibt.“

Werbung
romwallf

KATH.NET: Was sagen Sie dazu, dass auf einer offiziellen Website der Diözese Linz eine „Liturgiebörse“ mit Frauenpredigtunterlagen zu finden ist?

Kardinal Leo Scheffczyk: Schon der Ausdruck „Liturgiebörse“ lässt etwas von der Selbstsäkularisierung christlichen Denkens und Sprechens über das Heilige erahnen. Liturgie wie auch die im Vorfeld liegenden Bemühungen um sie verdienen nicht den Vergleich mit einer Marktveranstaltung, in der es um Geschäfte, um Austausch materieller Güter und um Spekulationen über Preise geht. - Bezüglich der Kernfrage lässt sich feststellen, dass die mit solchen Unterlagen verbundene Aufforderung der Frauen zur Homilie in der Heiligen Messe gegen das Recht und die Disziplin der Kirche verstößt. Mit Bezug auf die Inhalte ist zu sagen: Wenn der Wortgottesdienst und die Wortverkündigung inhaltlich ausschließlich auf Frauen ausgerichtet werden, widerspricht dies dem Auftrag Christi, durch dessen Wort „alle zum Glauben kommen“ sollen (Joh 1,7).

KATH.NET: Was sagen Sie dazu, dass in der Diözese Linz in 20 Pfarren nicht mehr die kirchlichen Lesungen zu hören sind sondern bereits „Frauenperikopen“?

Kardinal Leo Scheffczyk: Der Austausch der kirchlichen Lesungen oder die Einführung von „Alternativen“ durch „Frauenperikopen“ kommt einer Selektion des Evangeliums und einer willkürlichen menschlichen Verkürzung des Wortes Gottes gleich. Wenn gar gewisse biblische Texte und Schriften als ungeeignet ausgesondert werden, so meldet sich hier die Gefahr einer Reduktion des Evangeliums auf bestimmte „brauchbare“ Texte an, was im Grunde einer Ablehnung der Verbindlichkeit des Kanons der Heiligen Schriften gleichkommt. Darin zeigt sich das in solchen Eigenwilligkeiten angelegte revolutionäre Potential des Ganzen. Im übrigen sind solche Regelungen der Liturgie grundsätzlich dem Apostolischen Stuhl vorbehalten und im Rahmen des Rechtes dem Diözesanbischof.

KATH.NET: In einer der Frauenpredigten ist zu lesen: „Wir beginnen diesen Gottesdienst. Im Namen der göttlichen Kraft, die all die Schönheit unserer Welt geschaffen hat. Im Namen Jesu Christi, der uns die Augen geöffnet hat, für die Liebe, die in uns und um uns ist. Im Namen des Heiligen Geistes – der göttlichen Ruach. Die uns verbindet und beieinander hält.“ Was sagen Sie dazu?

Kardinal Leo Scheffczyk: Die angeführte Formel zur Eröffnung des Gottesdienstes ist ein Produkt des extremen Feminismus, das den christlichen Gottesglauben an den dreipersonalen Gott zu einem Surrogat femininer Lebenskräfte verfälscht. Auch der Glaube an Christus den Erlöser ist hier bis zur Unkenntlichkeit verändert. Diese Formel kann als das Bekenntnis eines immanentistischen nachchristlichen Glaubens gelesen werden.

Systematischer Liturgie-Aufstand der Diözese Linz gegen Rom

Kommentar: Liturgiemissbrauch und Visitation in Linz?

Heiße Diskussion im KATH.NET-Forum






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 

meist kommentierte Artikel

Oberster römischer Exorzist: Papst hat einen Exorzismus vollzogen (64)

Der Exorzismus des Papstes (51)

Sexueller Missbrauch: Wie pädophilenfreundlich waren die Grünen? (42)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Qui tacet, consentire videtur? (32)

Streit über Meisners Kritik an deutscher Familienpolitik (29)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (29)

Kardinal Meisner: Der neue Papst ist kein Reformer (26)

'Christ & Welt', (k)ein Adelsexperte und kein 1. April-Scherz (23)

Direktor der Vatikanischen Museen kritisiert modernen Kirchenbau (20)