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08 November 2019, 11:55
Citykirche Mönchengladbach zeigt Kreuz mit Tierkadaver

In einem von der Kirche einsehbaren Büro hängt ein Kreuz, das statt des Korpus einen Tierkadaver zeigt. Proteste blieben bis jetzt wirkungslos.

Mönchengladbach (kath.net/jg)
In der Citykirche Alter Markt in Mönchengladbach (Bistum Aachen) hängt im Büro des Seelsorgeleiters Christoph Simonsen ein Kreuz, anstelle des Korpus ist jedoch ein Tierkadaver dargestellt, ein Rumpf mit vier Gliedmaßen, aber ohne Kopf. (Siehe Foto) Dieses Kreuz ist von der Kirche einsehbar, der Arbeitsbereich des Seelsorgeleiters ist nur durch eine Glastür vom Kirchenraum abgetrennt.

Ein Katholik des Bistums Aachen (Name der Redaktion bekannt) wandte mit einer kritischen E-Mail zunächst an den Pfarrer, zu dessen Gemeindeverband die Citykirche gehört. Dieser verwies ihn an Pfarrer Christoph Simonsen, der für die Citykirche zuständig ist.

Er halte das Kreuz für eine hochgradig blasphemische Darstellung, welche Gott beleidige, das Kreuzesopfer verunglimpfe und „mein persönliches Empfinden und meinen Glauben in ekligster Weise verstört“. Deshalb ersuche er den Pfarrer „inständig“, das Kreuz baldmöglichst zu entfernen, schrieb der empörte Katholik.

Pfarrer Simonsen bedauerte in seiner Antwort zwar, dass der Mann sich verstört und in seinem Glauben verunglimpft fühle. Allerdings sei diese „Sichtweise nur eine von vielen“ und eine „sehr einseitige, wenn auch zweifelsohne eine persönliche“.

Die Künstler, die das Kreuz hergestellt hätten, seien beide gläubige Christen gewesen. Sie hätten versucht, „die unbeschreibliche Grausamkeit des Leidens Jesu, zugleich aber auch die heilgeschichtlich wunderbar göttliche Wahrheit unseres Glaubens“ widerzuspiegeln, „dass in der tiefsten Erniedrigung Gottes das größte Wunder unserer Erlösung Wirklichkeit wurde.“

Das Kreuz versinnbildliche, wessen wir in der Eucharistiefeier gedenken, des „Lammes Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt“ und dass alles was lebe „reingewaschen ist ‚im Blut des Lammes’“. Das Kreuz sei nach seiner Ansicht kein „ästhetisch bereinigtes Schmuck- und Anbetungszeichen“, sondern ein „Erinnerungszeichen dessen, dass Gott in der Menschwerdung wie in seinem Kreuzestod sich ganz hineingewoben hat in die tragischen Ungerechtigkeiten dieser Welt“.

Die Kreuzesdarstellung sei immer wieder Anlass für „sehr tiefe und reflektierte Glaubensgespräche“ mit Besuchern der Citykirche. Eine Entfernung des Kreuzes komme daher nicht in Frage. Wörtlich schrieb Simonsen: „Deshalb werde ich Ihrem Wunsch gewiss nicht nachkommen, dieses tiefe Glaubenszeichen meines und unseres Glaubens in der Versenkung verschwinden zu lassen.“

Der Mann wandte sich daraufhin an Helmut Dieser, den Bischof von Aachen und ersuchte ihn, den Vorfall zu prüfen und die „würdelose Darstellung“ Christi zu beenden.

Aus dem Generalvikariat erhielt er die Antwort, dass Kunst „auch als Störung von festgelegten Wahrnehmungen dienen“ kann. Die Kreuzesdarstellung im Büro von Pfarrer Simonsen sei daher „sicherlich“ eine „Provokation“. Die Darstellung des gekreuzigten Gottes sei aber ebenfalls eine Provokation für die Menschen, „deren Bedeutung wir uns immer wieder neu vor Augen führen müssen.“ Nach seiner Ansicht sei die Darstellung „provokativ, jedoch nicht würdelos“, schrieb der zuständige Sachbearbeiter wörtlich. Er beendete seine Antwort mit dem Hinweis, dass Bischof Dieser die Kommission für kirchliche Kunst der Frage nachgehen lassen will, „wie Kunst als Eingriff in gewohnte Wahrnehmungen der Glaubensauseinandersetzung dienen kann.“

Der Mann versuchte daraufhin, mit der Bistumsleitung persönlich ins Gespräch zu kommen. Dies wurde von Seiten des Bistums Aachen abgelehnt.