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27 Mai 2019, 06:00
Passauer Bischof warnt vor Kirchenspaltung

Bischof Oster: „Es gibt aus meiner Sicht eine breite Mehrheit innerhalb unserer Kirche und innerhalb unserer theologischen Wissenschaften, die den Katechismus für überaus problematisch halten."

Passau (kath.net)
Der Passauer Bischof Stefan Oster hat am Freitag am Abend in einer Predigt anlässlich der Ausrufung der Maria-Hilf-Woche und des 5. Jahrestages seiner Bischofsweihe an die Muttergottes erinnert. "Maria hilf! Ein Ruf der Christen, die Mutter des Herrn möge uns in den Mitteln stärken, die wir in solchen Kämpfen haben – und mit denen sie selbst gekämpft hat: Das Gebet, die Buße, die Demut, der Liebesdienst am Nächsten, die Treue zu Christus auf all seinen irdischen Wegen – bis zur Folter des Kreuzes und darüber hinaus."

Nach Einschätzung von Bischof Oster gibt es derzeit eine der schwersten Krise der Kirche seit der Reformation vor 500 Jahren. "Und tatsächlich, liebe Schwestern und Brüder, meine ich Anzeichen zu sehen, die der Zeit der Reformation durchaus ähnlich sind. Das Vertrauen in die Kirche, in ihre Lehre und in viele ihrer Vertreter ist fundamental erschüttert. Die Glaubwürdigkeit von uns Amtsträgern ist massiv beschädigt."

Der Passauer Bischof erinnerte dann aber daran, dass in Christus allein das Heil sei und kritisiert in dem Zusammenhang eine Mentalität, die meint, dass angesichts eines so barmherzigen Gottes ohnehin alle in den Himmel kommen. Die Beichte als das Sakrament der Versöhnung sei nahezu verschwunden. An der Eucharistie, der Quelle und dem Höhepunkt allen kirchlichen Lebens, nehmen durchschnittlich 90 Prozent der getauften Katholikinnen und Katholiken nicht mehr teil.

Oster erinnert auch an die 100 000 Abtreibungen in einem der reichsten Länder der Erde. "Wir erleben auch, wie Menschen, die für ein klassisches Familienideal oder den Lebensschutz von der Empfängnis bis zum letzten Atemzug eintreten, ideologisiert und in die braune Ecke gestellt werden."

Der Glaube bleibe aber für Oster der Maßstab, der ihn leite. Er halte beispielsweise die Inhalte unseres Katechismus für wahr. Er habe auch bei seiner Bischofsweihe feierlich versprochen, eben diesen Glauben auch zu schützen und zu verteidigen. "Und hier sind wir schon beim ersten Problem: Es gibt aus meiner Sicht eine breite Mehrheit innerhalb unserer Kirche und innerhalb unserer theologischen Wissenschaften, die den Katechismus für überaus problematisch halten."

Im Zusammenhang mit einer Debatte um Entwicklungsmöglichkeiten des Glaubens müsse man laut Oster unterscheiden lernen, was denn wirkliche und wahrhaftige Vertiefung sei. "Viele der heute gängigen Forderungen zu den klassischen Reizthemen zielen aus meiner Sicht eher in die zuletzt genannte Richtung: Sie drehen sich in den meisten Fällen um Sexualität und/oder um das Verhältnis der Geschlechter zueinander." Oster warnte davor, dass bei dem Thema letztlich eine erneute Kirchenspaltung drohe, „weil mit solchen Veränderungen zugleich Kernpunkte der Offenbarung berührt werden und diese nach meiner Einschätzung verfälschen und eben nicht weiterentwickeln würden“.

Der Passauer Bischof erinnert auch daran, dass bei substantiellem Wachstum im Glauben die katholische Profilierung ausdrücklich zunehme. "Und ich sehe es eben nicht dort, wo die Liberalisierung unserer Überzeugungen um sich greift. Im Grunde kenne ich keinen einzigen Ort, wo Liberalisierung in diesem genannten Sinn fruchtbar wäre und zu Wachstum in diesem Sinne führt."


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Bistum Passau - "Fünf Jahre Bischof Stefan Oster"



Foto Bischof Oster (c) Dionys Asenkerschbauer/Bistum Passau