05 Mai 2019, 12:00
Die Bedeutung des ökumenischen Wegs
 
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Franziskus beim Regina Caeli: Christus lebt. Er ist unsere Hoffnung, und er ist die schönste Jugend dieser Welt. Die Kultur des Dialogs, die allgemeine Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis

Rom (kath.net) Nach seiner Begegnung mit den Vertretern des öffentlichen Lebens begab sich Papst Franziskus zum Palast des Heiligen Synods und stattete dem Patriarchen und dem Heiligen Synod einen Besuch ab. Dann betete er in privater Form in der Alexander-Newski-Kathedrale vor der Ikonostase des Throns der Heiligen Kyrill und Methodius. Im Anschluss daran verließ Franziskus die Kathedrale, um zusammen mit den Gläubigen auf dem Vorplatz das österliche Gebet des Regina Caeli zu beten.

„Im Zuge dieses ökumenischen Wegs werde ich in Kürze die Freude haben, die Vertreter der verschiedenen religiösen Bekenntnisse Bulgariens zu begrüßen. Wenn auch ein orthodoxes Land, so ist Bulgarien ein Kreuzungspunkt, in dem sich verschiedene Religionen begegnen und miteinander in Dialog treten.

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Die geschätzte Anwesenheit der Vertreter der verschiedenen Gemeinschaften bei diesem Treffen weist auf den Wunsch aller hin, den Weg zu beschreiten, der jeden Tag notwendiger wird und darin besteht, »die Kultur des Dialogs als Weg, die allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis als Methode und Maßstab annehmen [zu] wollen« (Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen, Abu Dhabi, 4. Februar 2019).“


kath.net veröffentlicht die Ansprache von Papst Franziskus vor dem Gebet des Regina Caeli auf dem Vorplatz der Alexander-Newski-Kathedrale in Sofia:

Liebe Brüder und Schwestern, „Christus ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaft auferstanden!”

Mit diesen Worten tauschen auf bulgarischem Boden seit alters her die Christen – Orthodoxe wie Katholiken – in der Osterzeit ihre Glückwünsche aus. Diese Worte drücken die große Freude über den Sieg Jesu Christi über das Böse und den Tod aus. Sie sind Aussage und Zeugnis des Herzstücks unseres Glaubens: Christus lebt. Er ist unsere Hoffnung, und er ist die schönste Jugend dieser Welt. Alles, was er berührt, wird neu, füllt sich mit Leben.

Die ersten Worte, die ich also an jeden Einzelnen von euch richten möchte, lauten: Er lebt und er will, dass du lebendig bist! Er ist in dir, er ist bei dir und verlässt dich nie. Er geht mit dir. So sehr du dich auch entfernen magst, der Auferstandene ist an deiner Seite; er ruft dich und wartet auf dich, um neu zu beginnen. (...)

Wenn du dich aus Traurigkeit oder Groll, Furcht, Zweifel oder Versagen alt fühlst, wird er da sein, um dir Kraft und Hoffnung zurückzugeben (vgl. Apostolisches Schreiben Christus vivit, 1-2). (...)

Dieser Glaube an den auferstandenen Christus wird seit zweitausend Jahren in aller Welt durch die großherzige Missionsarbeit vieler Gläubiger verkündet, die gerufen sind, für die Botschaft des Evangeliums alles zu geben, ohne irgendetwas für sich zurückzuhalten. In der Geschichte der Kirche hat es auch hier in Bulgarien Hirten gegeben, die sich durch die Heiligkeit des Lebens ausgezeichnet haben.

Unter ihnen möchte ich an meinen Vorgänger erinnern, den ihr den „bulgarischen Heiligen“ nennt, den heiligen Johannes XXIII. – ein heiliger Hirte, dessen Andenken in diesem Land besonders lebendig ist, wo er von 1925 bis 1934 gelebt hat. Hier hat er die Tradition der Ostkirche schätzen gelernt und freundschaftliche Beziehungen mit den anderen religiösen Bekenntnissen aufgenommen.

Seine diplomatische und pastorale Erfahrung in Bulgarien hinterließ eine so starke Spur in seinem Herzen eines Hirten, dass er begann, in der Kirche die Perspektive des ökumenischen Dialogs zu fördern. Diese Initiative erfuhr dann in dem eben von Papst Johannes XXIII. gewollten Zweiten Vatikanischen Konzil einen bemerkenswerten Impuls. Auf gewisse Weise müssen wir diesem Land für die weise und inspirierende Intuition des „guten Papstes“ danken.

Im Zuge dieses ökumenischen Wegs werde ich in Kürze die Freude haben, die Vertreter der verschiedenen religiösen Bekenntnisse Bulgariens zu begrüßen. Wenn auch ein orthodoxes Land, so ist Bulgarien ein Kreuzungspunkt, in dem sich verschiedene Religionen begegnen und miteinander in Dialog treten. Die geschätzte Anwesenheit der Vertreter der verschiedenen Gemeinschaften bei diesem Treffen weist auf den Wunsch aller hin, den Weg zu beschreiten, der jeden Tag notwendiger wird und darin besteht, »die Kultur des Dialogs als Weg, die allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis als Methode und Maßstab annehmen [zu] wollen« (Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen, Abu Dhabi, 4. Februar 2019).

Wir befinden uns nahe der alten Kirche St. Sophia und neben der Patriarchalkirche St. Alexander Newski, wo ich vorher im Gedenken an die Heiligen Cyrill und Methodius, Glaubensboten der slawischen Völker, gebetet habe.

Mit dem Wunsch, der ehrwürdigen orthodoxen Kirche Bulgariens Wertschätzung und Zuneigung zum Ausdruck zu bringen, hatte ich die Freude, vorher meinen Bruder Seine Heiligkeit Patriarch Neofit wie auch die Metropoliten des Heiligen Synods zu begrüßen und zu umarmen.

Wir wenden uns nun an die selige Jungfrau Maria, Königin des Himmels und der Erde, damit sie beim auferstandenen Herrn Fürsprache einlege, auf dass er diesem geliebten Land den immer notwendigen Antrieb schenke, Land der Begegnung zu sein, in dem ihr über die kulturellen, religiösen oder ethnischen Unterschiede hinaus fortfahren könnt, euch als Kinder des einen selben Vaters zu erkennen und zu schätzen. Unsere Anrufung kommt im alten Gebet des Regina Caeli zum Ausdruck. Wir tun es hier in Sofia, vor der Ikone der Muttergottes von Nessebar, was „Pforte des Himmels“ bedeutet, die mein Vorgänger, der heilige Johannes XXIII., besonders liebte. Er hat sie hier in Bulgarien zu verehren begonnen und hatte sie bis zu seinem Tod bei sich.

Regina Caeli, laetare! Alleluja! …

Papst Franziskus - Sofia/Bulgarien - Regina Caeli und Gebet vor dem Thron der Heiligen Kyrill und Methodius 5.5.2019


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