16 März 2019, 08:00
Papst reist Ende März ins muslimisch dominierte Marokko
 
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Nach der historischen Abu-Dhabi-Reise im Februar besucht Franziskus am 30./31. März den Maghreb-Staat und setzt erneut soziale, ökumenische und interreligiöse Akzente.

Vatikanstadt-Rabat (kath.net/ KAP)
Dieses Jahr intensiviert Papst Franziskus den interreligiösen Dialog mit dem Islam deutlich. Seine Reise nach Marokko vom 30. bis 31. März wird im Vatikan als Teil einer dreifachen Initiative des Kirchenoberhaupts in die islamische Welt gesehen: Ihr erster Teil führte Franziskus im April 2017 nach Ägypten; Anfang Februar 2019 folgte die historische Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate. Ende März nun führt seine 28. Auslandsreise den Papst nach Marokko. Staatsreligion dort ist der Islam, ihm gehören daher fast alle der rund 35 Millionen Einwohner an. Schätzungen zufolge sind etwa 0,01 Prozent jüdischen Glaubens und rund 0,09 Prozent Christen.

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Die Visite ist der erste Papstbesuch in dem nordafrikanischen Königreich seit 34 Jahren. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) machte im August 1985 auf dem Rückweg einer mehrtägigen Reise durch verschiedene afrikanische Staaten in Marokko Station. Im Stadion von Casablanca hielt Johannes Paul II. vor Zehntausenden Studenten eine historische Rede, in der er zu Toleranz und Dialog zwischen Christen und Muslimen aufrief. Der damalige König Hassan II. (1929-1999) war das erste Staatsoberhaupt der arabisch-islamischen Welt, das einen Papst in sein Land zu einer unmittelbaren Begegnung mit seinen muslimischen Landsleuten eingeladen hatte.
Die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen zu vertiefen: Dieses Anliegen verfolgt auch Papst Franziskus. Als historischen Hintergrund der Marokko-Visite nennt der Vatikan, wie vor wenigen Wochen bei der Arabienreise, das 800. Jubiläum der Begegnung des heiligen Franz von Assisi (1181/1182-1226) mit Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik (um 1180-1238) in Ägypten. Bei seinem zweitägigen Besuch in Marokko setzt der Papst, im Unterschied zu Abu Dhabi, jedoch auch über den interreligiösen Dialog hinaus Akzente: Auf dem Programm stehen neben dem Besuch einer Imamschule Begegnungen mit Migranten, der Besuch eines Sozialzentrums und ein Ökumene-Treffen. Gemäß dem Motto der Reise kommt der Papst als "Diener der Hoffnung".

Am Samstag, 30. März, absolviert Franziskus nach der Ankunft am frühen Nachmittag zunächst wie üblich den Höflichkeitsbesuch beim Gastgeber. König Mohammed VI. (55), seit 1999 Staatsoberhaupt und religiöser Führer, empfängt den Papst im Königspalast der Hauptstadt Rabat. Seine erste Rede hält Franziskus am Samstagnachmittag in Casablanca auf dem Vorplatz der Hassan-II.-Moschee. Der 82-Jährige spricht vor imposanter Kulisse: Die 1993 fertig gestellte, riesige Moschee erhebt sich direkt über dem Atlantik und besitzt das höchste Minarett der Welt (210 Meter).

Es wird sich zeigen, ob Franziskus' Rede ans marokkanische Volk, Vertreter der Regierung, der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischen Korps ebenso eindrücklich wird. Der Papst hätte jedenfalls hier die Gelegenheit, Probleme des Landes - etwa die mangelnde Achtung einiger Menschenrechte, Korruption oder hohe Jugendarbeitslosigkeit - anzusprechen.

Den interreligiösen Dialog kann er am frühen Abend beim Besuch der Imamschule "Institut Mohammed VI." vertiefen. Die nach dem König benannte Einrichtung finanzierte dieser mit umgerechnet rund 22 Millionen Euro, heißt es. 800 Ulema - Religionsgelehrte des Islam - aus verschiedenen Ländern, Männer wie Frauen, werden dort ausgebildet. Neben Marokko kommen die Schüler aus Mali, Frankreich, Libyen, Nigeria, Tunesien oder der Elfenbeinküste. Ein Grußwort des Papstes ist laut offiziellem Vatikanprogramm nicht vorgesehen; laut der Erzdiözese Rabat jedoch schon. Begleitet wird Franziskus bei seinem Besuch in der Imamschule von Studenten des 2012 in Rabat von katholischer und evangelischer Kirche sowie mehreren französischen Theologie-Fakultäten begründeten ökumenischen Theologischen Instituts "Al Mowafaqa".
Die Kirche in Marokko wird stark von Migranten geprägt, zudem ist der Maghreb-Staat sowohl Ziel, Transit- wie auch Ursprungsland von Migranten. Bei seinem Treffen mit Einwanderern am Sitz der Caritas der Erzdiözese Rabat könnte der Papst zum Ende seines ersten Besuchstags daher Migration als weiteres Thema setzen.

Am zweiten Tag der Marokkoreise verschiebt sich der Fokus vom interreligiösen Dialog zur Ökumene: Am Sonntag, 31. März, besucht Franziskus zunächst ein Sozialzentrum der Töchter der christlichen Liebe (Barmherzige Schwestern) in Temara, bevor er in der Kathedrale von Rabat Priester, Ordensleute und Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen tritt. Hier hält er seine zweite Ansprache der Reise. Die Minderheit der Christen in Marokko dürfte Franziskus im Glauben und ihrer Einheit stärken und ihnen Mut machen. Ähnliches gilt für die Schlussmesse am Sonntagnachmittag im "Prince-Moulay-Abdellah-Stadion". Zu dem Gottesdienst in der Sportanlage im Südwesten Rabats erwarten die Papstbesuchsorganisatoren an die 10.000 Gläubige. Die Zahl der Katholiken in Marokko beziffert der Vatikan auf etwa 23.000; es gibt nur zwei Erzdiözesen im Land: Rabat und Tanger.

Der Erzbischof von Rabat, Cristobal Lopez, erhofft sich vom Papst, dass er die Minderheit der Katholiken im Land in ihrer Position stärken kann. "Für die Marokkaner ist diese Reise sehr wichtig, weil sie in gewisser Weise eine Anerkennung der Bestrebungen des Landes zu einem moderaten Islam des Dialogs und der Toleranz darstellt", sagte er der italienischen Nachrichtenagentur SIR.

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