21 Februar 2019, 13:00
Ein Moment der Buße, der Demut und der absoluten Aufrichtigkeit
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen. Erstens die Opfer, zweitens die Schuldigen, drittens Prävention. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Das Jahr 2010 – „annus horribilis“, wie es damals der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn nannte. Der Höhepunkt des Missbrauchsskandals in der Kirche erschütterte die Grundfeste. Der Papst selbst stand im Gegenwind, verallgemeinerte Anklagen schafften eine Verdachtsituation gegenüber dem ganzen Klerus. Die Antwort Papst Benedikts XVI. auf die katastrophalen Situationen in Irland und Deutschland war: Buße! Demut – und absolute Aufrichtigkeit.

Am 19. Juni 2009 hatte Benedikt XVI. anlässlich des 150. Jahrestags des „dies natalis“ von Johannes Maria Vianney, dem Schutzheiligen aller Pfarrer der Welt, offiziell ein „Jahr der Priester“ ausgerufen. Genau dieses Jahr, dessen Sinn es war, das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern, drohte, unter dem Schatten des Verbrechens von Klerikern an minderjährigen Schutzbefohlenen erstickt zu werden.

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Benedikt XVI. vereinte sein entschlossenes Handeln gegen die Untreue mit ihren kriminellen Folgen mit einem ständigen Bemühen, Horizonte, Wesen und Sinn des priesterlichen Seins zu vertiefen. Es hatte den Anschein, dass dem Teufel dieses Jahr besonders zuwider war. Aber der Papst fuhr unbeirrt fort, die Kirche im Glauben zu stärken und sich besonders der Priester anzunehmen. Und allein dies – mit allen Folgen und der notwendigen „absoluten Aufrichtigkeit“ – scheint auch in den Schreckensjahren 2018 und 2019 von besonderer Dringlichkeit zu sein: der einzige Weg. Er hätte schon vor nunmehr fast zehn Jahren gegangen werden können, wäre man den großen Anliegen Papst Benedikts XVI. gefolgt.


Aus dem Interview von Benedikt XVI. auf dem Flug nach Großbritannien, 16. September 2010:

Pater Lombardi: Wie bekannt ist und wie es auch in vor kurzem durchgeführten Umfragen deutlich wurde, hat der Skandal des sexuellen Missbrauchs das Vertrauen der Gläubigen in die Kirche erschüttert. Wie können Sie Ihrer Meinung nach dazu beitragen, dieses Vertrauen wieder herzustellen?

Papst Benedikt XVI.: Zunächst muss ich sagen, dass diese Enthüllungen für mich ein Schock waren. Sie verursachen große Traurigkeit. Es fällt schwer zu verstehen, wie diese Perversion des Priesteramtes möglich war. Der Priester sagt im Augenblick der Weihe, auf den er jahrelang vorbereitet wird, »Ja« zu Christus, um seine Stimme, sein Mund, seine Hand zu werden und ihm mit seinem ganzen Leben zu dienen, damit der Gute Hirte, der liebt und hilft und zur Wahrheit führt, in der Welt gegenwärtig sein kann.

Wie ein Mann, der dies getan und gesagt hat, anschließend dieser Perversion verfallen kann, ist schwer zu verstehen und sehr traurig.

Traurig ist auch, dass die Autorität der Kirche nicht wachsam genug war und nicht schnell und entschieden genug die notwendigen Maßnahmen ergriffen hat. Deswegen befinden wir uns jetzt in einem Moment der Buße, der Demut und der erneuerten Aufrichtigkeit, wie ich an die irischen Bischöfe geschrieben habe. Wir müssen jetzt, so scheint mir, eine Zeit der Buße, eine Zeit der Demut leben und eine absolute Aufrichtigkeit wiederfinden bzw. neu lernen. Was die Opfer betrifft, sind, denke ich, drei Dinge wichtig.

Das erste Interesse muss den Opfern gelten: Wie können wir Wiedergutmachung leisten, was können wir tun, um diesen Menschen zu helfen, das Trauma zu überwinden, das Leben wiederzufinden, auch das Vertrauen in die Botschaft Christi wiederzufinden? Sorge und Engagement für die Opfer ist die erste Priorität mit materieller, psychologischer, geistlicher Hilfe und Unterstützung.

Das zweite ist das Problem der Schuldigen: die gerechte Strafe finden, sie von jeder Möglichkeit des Kontaktes zu Jugendlichen auszuschließen, da wir wissen, dass dies eine Krankheit ist und der freie Wille dort nicht funktioniert, wo es diese Krankheit gibt; schließlich müssen wir diese Menschen vor sich selbst schützen und ihnen jeden Zugang zu Jugendlichen verwehren.

Und der dritte Punkt ist die Prävention in der Ausbildung und der Auswahl der Priesteramtskandidaten. Wir müssen so aufmerksam sein, dass nach Maßgabe der menschlichen Möglichkeiten zukünftige Fälle ausgeschlossen sind. Und in diesem Augenblick möchte ich auch dem britischen Episkopat für seine Aufmerksamkeit, seine Zusammenarbeit danken, sowohl mit dem Stuhl Petri wie auch mit den öffentlichen Instanzen, und für die Sorge um die Opfer und ihr Recht. Mir scheint, der britische Episkopat hat eine große Arbeit vollbracht und tut dies immer noch, und ich bin ihm sehr dankbar.

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