20 Februar 2019, 11:30
Diakonen-Ehefrau, Mutter eines Missbrauchsopfers, schreibt an Papst
 
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„Wie konnte dieser Mann, der meinen Kindern Sakramente gespendet hatte, ihre und unsere Beichten gehört hatte, der Eucharistie gefeiert hatte, während mein Mann als Diakon und meine Söhne als Ministranten bei ihm standen, dies meinem Sohn antun?“

Lafayette (kath.net/pl) „Wie konnte dieser Mann, der meinen Kindern die Sakramente – darunter die Erstkommunion – gespendet hatte, der ihre und unsere Beichten gehört hatte, der die Hlg. Eucharistie gefeiert hatte, während mein Mann als Diakon und meine fünf Söhne als Ministranten bei ihm standen, dies meinem Sohn antun? Wie konnte er weiter eine freundschaftliche Beziehung zu uns haben, als wenn nie etwas geschehen gewesen wäre?“ Dies fragt dies Letitia M. Peyton, Ehefrau eines ständigen Diakons der US-Diözese Lafayette und Mutter von fünf Söhnen. Einer ihrer Söhne war mit 16 Jahren vom Ortspfarrer sexuell missbraucht worden. Ihr Sohn schaffte es erst drei Jahre später, diese Vorgänge seinen Eltern zu erzählen, so sehr belastete ihn alles. „Michael Guidry war zwölf Jahre lang unser Pfarrer gewesen…. Wir waren völlig am Boden zerstört!“ Mit diesem schmerzerfüllten Zeugnis wendet sich Peyton in einem offenen Brief an Papst Franziskus, an die Bischöfe, Kardinäle und Priester der katholischen Kirche. Veröffentlicht wurde der Brief vom „Catholic Women´s Forum“, gemeinsam mit einem Vorschlag von fünf lehrenden Theologinnen zur Lösung der aktuellen Krise um sexuellen Missbrauch uns seiner Vertuschung.

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Das Ehepaar Peyton zeigte den Geistlichen Mitte vergangenen Jahres an. Der Pfarrer hat den Missbrauch gestanden. Nach Aussagen des zuständigen Sheriffs hatte der 75-Jährige seinem Opfer zunächst Alkohol zu trinken gegeben und ihn dann missbraucht, wie lokalen Medienberichten zu entnehmen war. Guidry kam in Untersuchungshaft, dann nach Hinterlegung einer Geldsumme vorläufig auf freien Fuß.

Peyton schildert in ihrem Zeugnis diese Erfahrungen auch als einen massiven Angriff auf ihren Glauben. Sie erläutert: „Als Mutter und Frau muss ich zu Unserer lieben Mutter schauen und auf ihre Leiden bei der Kreuzigung ihres einzigen Sohnes. In den folgenden Wochen spürte ich, dass ich meinen Glauben verloren hatte. Ich war völlig kaputt. Ich hatte nichts außer Jesus. Ich fühlte mich ganz allein mit ihm, als wäre auch ich am Fuße des Kreuzes. Es bedeutete, dass Jesus und wir verlassen waren. Ich hatte keine Kirche [mehr], an die ich mich wenden konnte, keinen Priester, der mich geistig durch dieses Thema führte. Wem konnte man noch vertrauen? Wie konnte ich entscheiden, wer ein guter Priester war? Pfarrer Michael war, wie ich es [früher] den Leuten erzählt hatte, ein guter Priester. Offensichtlich konnte ich mich täuschen lassen. Während ich früher fast jeden Priester in meiner Diözese anschreiben oder anrufen, traue ich nun keinem mehr. Dieser priesterliche Verrat hat meinem Glaubensleben eine große Last auferlegt, verblasst jedoch im Vergleich zu dem, was er im Glaubensleben meines Sohnes und unserer Familie getan hat.“

„Vor nur acht Monaten konzentrierte sich unser Familienleben [noch] ganz auf unseren katholischen Glauben. Jetzt kämpfen wir darum, diesen Glauben als Familie aufrechtzuerhalten. Wir haben viel Erklärungsbedarf, warum wir versucht haben, unsere Kinder in einer Kirche des moralischen Verfalls und der Korruption zu behalten, in einer Kirche, die für Kinder und insbesondere für Jungs unsicher wird. Als Eltern und als die ersten Lehrer unserer Kinder verlieren auch wir Glaubwürdigkeit, weil wir versuchen, unseren Kindern einen christlichen Glauben zu vermitteln, es sei denn, es gibt eine glaubwürdige und moralische Änderung im Umgang mit Sexualdelikten. Wenn nichts gegen die gegenwärtige Krise unternommen wird, fürchte ich, dass mein Mann und ich sehen werden, wie unsere Kinder die katholische Kirche verlassen. Ich bitte Sie dringend, lassen Sie nicht zu, dass dies der letzte Abschnitt der Geschichte meiner Familie und ihres Glaubens ist.“


VIDEO-Statement Kardinal Brandmüller from kath.net on Vimeo.




Link zum Zeugnis der Diakonenehefrau im englischen Original

Foto (c) Symbolbild

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