07 Dezember 2018, 12:00
Das wunderbarste, das schönste, das beste an Weihnachten ist Jesus
 
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Es geht nicht um Weihnachtsdeko und das beste Rezept für Vanillekipferl. Es geht nicht um die Geschenke, den Weihnachtsbraten, die Familienfeier. Das ist alles nur die Begleitmusik - BeneDicta von Inka Hammond

Linz (kath.net)
Ich wünschte, Weihnachten wäre bei uns wie im Ikea Katalog. Glänzend und aufgeräumt. Das einzige, was bei uns gerade verheißungsvoll knistert und raschelt sind Taschentuchpackungen. Die Erkältungswelle hat uns voll erfasst, meine Kinder und mich dazu.

Mit letzter Kraft habe ich kurz vor dem ersten Advent die Weihnachtsdeko im Haus verteilt. Dann bin ich auf die Couch gesunken und habe auf den etwas schiefen Weihnachtsbaum gestarrt. Heute kamen die meisten Weihnachtsgeschenke mit dem Retter jedes verpeilten Geschenkebesorgers: Amazon. Karton stapelte sich auf Karton und ich hatte ein schlechtes Gewissen dem Einzelhandel gegenüber. Aber jetzt noch shoppen gehen? Niemals. Musikschulkonzert, Adventsfeier in den Schulen, Weihnachtsfeier. Irgendwann Weihnachtsplätzchen backen wäre auch noch nett und eigentlich wollte ich ja mit den Kindern durch das Lukasevangelium lesen. 24 Kapitel für die 24 Tage…wir sind schon 5 Tage im Rückstand.

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Alle Jahre wieder läuft irgendwie nichts so, wie ich es gerne hätte. Die Kinder maulen, dass sie nicht so einen coolen Adventskalender wie ‚alle anderen‘ haben und finden den selbstgenähten doof. Ich finde doof, dass ‚alle anderen‘ anscheinend fähig sind mit ihren Kindern Adventsandachten zu halten und eine gemütliche Atmosphäre ins Haus zu zaubern. Bei uns droht der Schulaufgabenstress und die schlechte Laune jegliche Adventsstimmung zu verderben.

Ach, Weihnachtszeit. Warum erscheint einem gerade jetzt der Leistungsdruck erdrücken zu wollen? Warum baut sich der Perfektionismus, das ewige Vergleichen mit ‚den anderen‘, das schlechte Gewissen, es irgendwie keinem recht machen zu können, der eigene Mangel gerade jetzt wie ein riesengroßer Berg vor mir auf?
Wie war das damals vor der ersten heiligen Nacht? Maria und Joseph, unterwegs mit einem Esel. Eine Deadline im Nacken – sie mussten ja rechtzeitig in Bethlehem ankommen.

Maria, hochschwanger, vielleicht noch unsicher, ob Joseph ihr wirklich vergeben hat und ihr glaubt, dass das Kind unter ihrem Herzen von keinem anderen Mann ist.

Und Joseph vielleicht noch irritiert und verletzt in seinem Stolz. Ich kann mir gut vorstellen, dass es zu Reibereien kam auf der anstrengenden Reise. Dann das Ankommen in Bethlehem. Kein Zimmer frei. Die Geburt kündigt sich an. Stress pur! Sicherlich verbunden mit Ängsten bei Maria und vielleicht hatte Joseph das Gefühl, gleich bei der ersten Gelegenheit als Versorger der kleinen Familie jämmerlich zu versagen. Und mittendrin – Jesus. Noch im Bauch, doch wir wissen, was Babys im Bauch schon alles spüren und mitbekommen. Den Adrenalinschub der Mutter, die laute, verzweifelte Stimme des Vaters. Schon im Bauch nahm Jesus Anteil an den großen Problemen dieser Welt: dem Stress, der Angst, dem Streit.

Die Geburt dann ganz anders als geplant: in einem Stall. Vieles musste provisorisch organisiert werden. Der Futtertrog als Babybett zum Beispiel.

Das erste Weihnachten war auch nicht glänzend und aufgeräumt. Jesus kam in eine laute, durcheinander gebrachte Welt. Manchmal denke ich mir, dass das glitzernde, das blinkende, das leuchtende in der heutigen Weihnachtszeit nur unsere Einsamkeit, unsere Traurigkeit und unsere Angst übertünchen soll. Wenn wir es an Weihnachten nicht schaffen, ehrlich zu sein, Mangel zuzugeben, die Maske des Perfektionismus fallen zu lassen – wann denn dann? Wir feiern die Geburt unseres Erlösers, der uns so liebt, wie wir sind, der auf die Welt gekommen ist, um uns frei zu machen. Die Adventszeit ist eigentlich eine einzigartige Einladung zum Loslassen und zum Echt-sein. Zum Zurücklehnen. Sich bewusst zu machen, dass ich gar nichts leisten brauche. Dass ich einfach sein darf. Weil der König der Könige es auf sich nahm in meine Welt zu kommen. In meine Dunkelheit.

Bei uns rascheln eben dieses Jahr die Taschentuchpackungen. Und zwischen Vergebung aussprechen und Gnade zeigen und in den Arm nehmen, wird auch die Weihnachtsstimmung aufkommen – da bin ich mir sicher. Es ist nicht so aufgeräumt, wie bei anderen gerade, aber das ist okay. Wenn Jesus in einem Stall zur Welt kam, hat er auch kein Problem mit den Bröseln unterm Essenstisch und den Staubflocken auf dem Klavier.
Er hat auch kein Problem mit deinen Problemen. Die Adventszeit ist eine gute Möglichkeit, sich das bewusst zu machen. Sich weniger Stress zu machen. Ein bisschen lockerer zu werden. Sich selbst gegenüber gnädig zu sein. Nicht alles so ernst zu nehmen. Advent ist ein Ankommen bei Jesus. Ein sich ausrichten auf ihn. Es geht nicht um Weihnachtsdeko und das beste Rezept für Vanillekipferl. Es geht nicht um die Geschenke, den Weihnachtsbraten, die Familienfeier. Das ist alles nur die Begleitmusik. Das wunderbarste, das schönste, das beste an Weihnachten ist Jesus. Damals im Stall und heute in meinem Herzen.

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