26 November 2018, 13:00
‚Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen’
 
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Franziskus in Santa Marta: das Konsumdenken ist eine gefährliche psychiatrische Krankheit, es ist der Feind der Großherzigkeit. Großherzigkeit führt zu Großmut. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Das Tagesevangelium nach Lukas (Lk 21, 1-4) stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Montag der 34. Woche im Jahreskreis:

„Er blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Er sah aber auch eine arme Witwe, die dort zwei kleine Münzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, der es am Nötigsten mangelt, hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben“.

Der Papst mahnte dazu, sich zu fragen, wie man mit den Armen großherziger sein könne, auch mit „den kleinen Dingen“. Er warnte davor, dass der Feind der Großherzigkeit das Konsumdenken sei, mehr auszugeben, als notwendig. Im Gegensatz dazu vergrößere die Großzügigkeit das Herz und führe zu Großmut.

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Franziskus stellt fest, dass Jesus im Evangelium oft den Unterschied zwischen arm und reich mache, „man denke nur an den reichen Prasser und Lazarus oder an den reichen jungen Mann“. Ein Gegensatz, der den Herrn dazu bringe, zu sagen: „Es ist sehr schwierig für einen Reichen, in das Himmelreich einzutreten“. Jemand könne Christus als „Kommunist“ bezeichnen, stellte der Papst fest, „aber der Herr wusste, als er diese Dinge sagte, dass hinter dem Reichtum immer der böse Geist war: der Herr der Welt“. Deshalb habe er einmal gesagt: „Man kann nicht zwei Herren dienen: Gott und dem Reichtum“.

Auch im heutigen Evangelium finde sich ein Kontrast zwischen den Reichen, „die ihre Opfergaben in den Opferkasten geworfen haben“, und einer armen Witwe, die zwei Münzen gegeben habe. Diese Reichen unterschieden sich von den reichen Prassern: „sie sind nicht schlecht“, unterstrich der Papst: „sie scheinen gute Leute zu sein, die in den Tempel gehen und das Opfer verrichten“. Es handle sich also um einen anderen Kontrast. Der Herr wolle uns noch etwas sagen, wenn er erklärt, dass die Witwe mehr als anderen gegeben habe, da sie „alles gab, was sie zum Leben hatte“.

„Die Witwe, das Waisenkind und der Migrant, der Fremde, sie waren die Ärmsten im Leben Israels", rief Franziskus in Erinnerung, dies so sehr, dass man, wenn man über die Ärmsten sprechen wollte, auf sie verwiesen habe. Diese Frau „gab das Wenige, das sie zum Leben hatte, weil sie Glauben an Gott hatte, sie war eine Frau der Seligpreisungen, sie war sehr großherzig: sie gibt alles, weil der Herr mehr ist als alles andere. Die Botschaft dieses Abschnitts aus dem Evangelium ist eine Einladung zur Großherzigkeit“:

Angesichts der Statistiken zur Armut in der Welt, „zu den Kindern, die an Hunger sterben, die nichts zu essen haben, die keine Medikamente haben, so viel Armut – von der man jeden Tag in den Nachrichten und in den Zeitungen hört – ist es eine gute Haltung, sich zu fragen: ‚Aber wie kann ich das lösen?’“. Die Frage entstehe aus der Sorge, Gutes zu tun, „und wenn eine Person, die etwas Geld hat, sich fragt, ob das Wenige, das sie tut, was nützt, antwortet der Papst, dass es nützt, ‚wie die zwei Münzen der Witwe’“:

„Ein Aufruf zur Großherzigkeit. Und die Großherzigkeit ist etwas aller Tage, sie ist etwas, worüber wir nachdenken müssen: wie kann ich großherziger sein, mit den Armen, mit den Bedürftigen... wie kann ich mehr helfen? ‚Aber Sie wissen schon, Pater, dass es gerade bis zum Monatsende reicht’ – ‚Aber bleibt dir ein wenig was übrig? Denk mal: damit kann man großherzig sein...’. Denk daran. Die kleinen Dinge: wir machen zum Beispiel einen Ausflug in unsere Zimmer, einen Ausflug in unsere Garderobe. Wie viele Paar Schuhe habe ich? Eins, zwei, drei, vier, fünfzehn, zwanzig... jeder kann es sagen. Ein bisschen zu viele... Ich habe einen Monsignore getroffen, der vierzig Paar Schuhe hatte... Aber wenn du so viele Schuhe hast, dann gib die Hälfte weg. Wie viele Kleider, die ich nicht benutze oder einmal im Jahr verwende? Es ist ein Weg, großherzig zu sein, zu geben, was wir haben, zu teilen“.

Der Papst erzählte, dass er eine Frau getroffen habe, die beim Einkaufen im Supermarkt immer zehn Prozent ihrer Ausgaben für die Armen aufgewandt habe: „sie gab den Armen den Zehnten“, betonte Franziskus:

„Wir können Wunder mit der Großherzigkeit wirken. Die Großherzigkeit der kleinen Dinge, der wenigen Dinge. Vielleicht machen wir das nicht, weil es uns nicht in den Sinn kommt. Die Botschaft des Evangeliums lässt uns denken: wie kann ich großherziger sein? Ein bisschen mehr, nicht so viel... ‚Es ist wahr, Pater, es ist so, aber... ich weiß nicht warum, aber es gibt da immer die Angst...’. Nun, es gibt eine andere Krankheit, die heute gegen Großherzigkeit ist: die Krankheit des Konsumdenkens“.

Diese Krankheit bestehe darin, immer Dinge zu kaufen. Der Papst erinnerte sich daran, dass es, als er in Buenos Aires gelebt habe, „jedes Wochenende ein Tourismus-Shopping-Programm gab“. Man habe das Flugzeug am Freitagabend gefüllt und sei in ein zehn Flugstunden entferntes Land geflogen, um dann den ganzen Samstag und einen Teil des Sonntags mit dem Einkauf in Supermärkten zu verbringen. Dann sei man zurückgekehrt:

„Eine schwere Krankheit ist das, die des Konsumdenkens von heute! Ich sage nicht, dass wir das alle tun, nein. Aber das Konsumdenken, das Ausgeben von mehr, als wir brauchen, ein Mangel an Strenge im Leben: das ist ein Feind der Großherzigkeit. Und die materielle Großherzigkeit – das Denken an die Armen, ‚das kann ich geben, damit sie essen können, damit sie sich was anziehen können’ – solche Dinge, hat eine andere Konsequenz: sie erweitert das Herz und führt dich zur Großmütigkeit“.

Es gehe also darum, ein großmütiges Herz zu haben, in das alle Eingang fänden. „Diese reichen Leute, die das Geld gegeben haben, waren gut. Jene alte Frau war heilig“, betonte der Papst, der abschließend mahnte, den Weg der Großherzigkeit zu beschreiten, angefangen mit „einer Inspektion zu Hause“, das heißt: „indem man daran denkt, was ich nicht brauche, was einem anderen dienen wird, für ein wenig Strenge und Sparsamkeit“:

„Wir müssen zum Herrn beten, dass er uns von dem gefährlichen Übel befreie, das das Konsumdenken ist, das uns zu Sklaven macht, eine Sucht danach, Geld auszugeben: das ist eine psychiatrische Krankheit. Bitten wir den Herrn, um diese Gnade: um die Großherzigkeit, die unser Herz erweitert und uns zur Großmut führt“.

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