16 Oktober 2018, 12:25
Von der staatlichen Vereinigung der Kirchensteuerzahler abgemeldet!
 
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Ein Katholik aus der Diözese Linz zahlt keine Kirchensteuer mehr - Linzer Generalvikar droht mit "rechtlichen Konsequenzen" beim Sakramentenempfang, doch selbst die eigenen Priester ignorieren die Drohung - Offener Brief von N.N. an den Generalvikar

Linz (kath.net)
"Heute habe ich mich von der staatlichen Vereinigung der Kirchensteuerzahler abgemeldet." Mit diesen Zeilen beginnt eine Korrespondenz von N.N. (Name ist der Redaktion bekannt!) aus der Diözese Linz, der genug davon hat, dass beispielsweise im Bildungshaus Puchberg der Diözese Linz nicht-kirchliche Angebote gemacht werden. Diese wolle er nicht mehr unterstützen. N.N. kündigte daher am 25. August 2018 an, dass er natürlich weiterhin Mitglied der römisch-katholischen Kirche bleibe und einen Beitrag in einer anderen Form leisten werde. In einem Brief bekommt der Mann am 14. September vom Linzer Bischof Manfred Scheuer eine allgemeine und offensichtlich standardisierte Antwort. N.N. wird ersucht, seinen Schritt nochmals zu überdenken. Falls die Ankündigung nicht rückgängig gemacht wird, kündigt Scheuer an, dies am 24. Dezember (!) 2018 im Taufbuch des Katholiken vermerken zu lassen.

Am 21. September bekommt N.N. erneut eine Zuschrift, diesmal vom Linzer Generalvikar Severin Lederhilger. Der Generalvikar kommentierte in dem kath.net vorliegenden Brief die Abmeldung von N.N. mit einem Hinweis auf eine Klarstellung des Päpstlichen Rates für die Interpretation der Gesetzestexte und einer Ausführungsverordnung der Österreichischen Bischofskonfernez (ÖBK), in der festgestellt wurde, dass eine derartige "Kirchenaustritts-Erklärung" zwar nicht mehr in jedem Fall einen "glaubensmäßigen Abfall" von der katholischen Kirche darstelle, dies aber laut ÖBK auf jedem Fall eine "schwere Sünde" sei. Lederhilger verweist dann auf "rechtliche Konsequenzen", was inbesondere den Sakramenten-Empfang betreffe. "Von diesen Sanktionen kann der Bischof – bei bestem Bemühen um Verständnis für ihre gewissensmäßigen Bedenken - nicht absehen", schreibt der Generalvikar. Die Drohungen des Generalvikars stellen sich allerdings in der Praxis als völlig wirkungslos dar, wie katholische Priester kath.net gegenüber immer wieder bestätigen. Sowohl konservative als auch liberale Pfarrer verweigern Menschen, die aus der Kirche formal ausgetreten sind, de facto fast nie die Sakramente oder auch ein kirchliches Begräbnis.

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Am 21. September hat N.N. den Linzer Generalvikar eine Antwort übermittelt. kath.net dokumentiert den Brief von N.N. an den Linzer Generalvikar Severin Lederhilger im Wortlaut:

Meine Abmeldung von der staatlichen Vereinigung der Kirchensteuerzahler

Hochwürden, sehr geehrter Herr Generalvikar Lederhilger, vielen Dank für Ihr Schreiben im Auftrag unseres Hochwürdigsten Herrn Diözesanbischofs Dr. Manfred Scheuer. Ich bin zwar beileibe kein Jurist, habe aber versucht, Ihren Brief, gespickt mit Verordnungen der Österreichischen Bischofskonferenz, zu verstehen.

Soweit ich das herauslese, ist also nunmehr auch die österreichische Kirchenleitung – wohl auf Druck der römischen „Zentrale“ – inzwischen zu der Auffassung gelangt, dass eine Abmeldung von der staatlichen Vereinigung der Kirchensteuerzahler niemals der Grund für eine Exkommunikation sein kann, zumal ich ja ausdrücklich erklärt habe, dass ich Mitglied der Heiligen Römisch Katholischen Kirche bleibe.

Ich möchte hier nur darauf hinweisen, dass meine Familie schon Jahrhunderte lang römisch-katholisch war, bevor die Diözese Linz überhaupt ins Leben gerufen wurde. Und selbstverständlich leiste ich auch meine Beiträge, wie das im Kirchenrecht (can. 222 CIC) gefordert ist. Zu meinen Gewissensgründen, dass die Kirchenbeiträge in der Diözese Linz missbräuchlich verwendet werden, z.B. im „Bildungshaus“ Puchberg, nehmen Sie in Ihrem Brief ja leider nicht Stellung. Darf ich das so deuten, dass diese Gründe auch von Ihrer Seite außer Zweifel stehen?

Zu der offenbar von der ÖBK so definierten „schweren Sünde“, für die „Untat“, dass sich jemand bei der weltlichen Behörde von der staatlichen Vereinigung der Kirchensteuerzahler abmeldet, mache ich mir so meine Gedanken: Z.B. gibt es heute starke Bestrebungen, bisherige Todsünden salonfähig zu machen. Man denke nur an Ehebruch, Homosexualität, Abtreibung uam. Diese Sünder werden sogar oft genug dezidiert z.B. zur Hl. Kommunion eigeladen (Beichte ist heutzutage eh‘ nicht mehr notwendig). Man hört oder liest praktisch nirgendwo mehr (sei es Predigt oder Kirchenzeitung) von einer Sünde, geschweige denn von einer schweren.

Tatsächlich führt jedoch z.B. jede Beteiligung an einer Abtreibung automatisch zur Exkommunikation, aber wer von den Gläubigen weiß das schon? Und jene, die es wissen, verschweigen das, obwohl es ihre heilige Pflicht wäre, ihre Schäfchen zu warnen. In der öffentlichen Wahrnehmung scheint somit die einzige noch verbliebene „schwere Sünde“ zu sein, wenn jemand – auch wenn er es begründet – der Diözese die Kirchensteuer verweigert.

Nachdem die Heilige Katholische Kirche das Geld ja jedenfalls erhält (wenn auch nicht über die Kirchenbeitragsstelle), besteht diese „schwere Sünde“ eigentlich allein darin, sich bei der staatlichen Behörde von der Vereinigung der Kirchensteuerzahler abzumelden? Hochwürdiger Herr Generalvikar, das soll eine „schwere Sünde“ sein? Mit Verlaub, das kann ich Ihnen (und auch der ÖBK) einfach nicht glauben! Oder nehmen Sie das Beispiel der klerikalen Kinderschänder, also jener homosexuellen Priester, die sich an den ihnen anvertrauten kleinen Buben vergehen: Diese werden von der kirchlichen Hierarchie einfach in eine andere Pfarre versetzt, wo sie ihr schändliches Treiben fortführen können (vgl. Mt.18,6f u.a.)

Solche Taten werden sogar von den staatlichen Gerichten schwerstens verurteilt! Aber auch sie werden nicht exkommuniziert. Jedoch mich wollen Sie von der Kirche ausschließen, weil ich mich beim Staat vom Club der Kirchensteuerzahler abgemeldet habe???

Erlauben Sie mir noch ein Wort zu dem beigelegten Merkblatt „Der Kirchenaustritt und seine Folgen“:

1. Schon der Titel ist irreführend, weil es sich ja im Falle der Abmeldung bei der politischen Behörde tatsächlich eben um KEINEN Kirchenaustritt handelt.

2. Es heißt dann gleich im zweiten Satz, wenn eine solche Abmeldung nicht „innerhalb einer bestimmten Frist“ (welcher Frist eigentlich?) widerrufen wird, wird sie doch als bewusste Trennung von der katholischen Kirche gewertet!?!

Also doch eine Exkommunikation? Ich habe doch ausdrücklich erklärt, ich bin und bleibe in der Kirche und hier heißt es, ich hätte mich „bewusst“ getrennt!? Hochwürdiger Herr Generalvikar, was soll ich davon halten? Nach meinem bescheidenen Dafürhalten widerspricht dieses „Merkblatt“ damit doch wieder den weltkirchlichen Vorschriften! Aber, in der österreichischen Kirchenhierarchie scheint dieser Widerspruch niemanden zu stören – auch keinen Kirchenrechtler. Es geht halt ums liebe Geld, und da hört sich die Freundschaft eben auf.

3. Zu den angedrohten Sanktionen:
- Empfang der Sakramente: Das soll also heißen, man lädt landauf, landab etwa Ehebrecher und Homos zum Empfang der Hl. Kommunion ein, aber ein „schwerer Sünder“, der sich bei der staatlichen Behörde vom Club der Kirchensteuerzahler abgemeldet hat, darf nicht einmal mehr zur Beichte gehen?

- Übernahme des Patenamtes: Damit kann ich leben, das muss dann halt jemand anderer übernehmen.

- Wahlrecht bei der PGR-Wahl: Nun, damit kann ich sogar sehr gut leben, ich bin eh‘ kein Gschaftlhuber.

- Dienst in der Liturgie: Dafür sind ohnehin die Priester zuständig.

- Recht auf kirchliches Begräbnis: Auch wenn mir die österreichische Kirchenhierarchie dieses Recht verweigert, findet sich hoffentlich noch ein gläubiger Priester, der mir diesen letzten Dienst erweisen wird.

Trotzdem nochmals vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gegeben haben, mir zu schreiben!


Symbolbild: Kirche


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