18 September 2018, 13:00
Die Vollmacht des Hirten
 
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Franziskus in Santa Marta: der Hirt ist gütig und von Herzen demütig. Er schweigt, wenn der Große Ankläger durch das Volk seine anklagende Wut entfesselt, und er betet zum Vater für die getäuschten Menschen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Die Vollmacht Jesu – sie entstammte seiner Demut, seiner Nähe zu den Menschen, dem Mitleid, das in Milde und Zärtlichkeit zum Ausdruck kam. Wenn dann die Dinge schlecht gingen wie auf Golgota, „sagte er nichts und betete“. Das Tagesevangelium nach Lukas (Lk 7,11-17) mit dem Wunder der Auferweckung des einzigen Sohnes einer Witwe bot Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Dienstag der 24. Woche im Jahreskreis den Anlass, Jesus als Ikone und Vorbild des Hirten herauszuarbeiten, dessen Vollmacht eine „Gnade des Heiligen Geistes“ ist und aus seiner Nähe zu den Menschen kommt, nicht aus der Nähe „zu Grüppchen von Mächtigen, von Ideologen“.

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Der Papst unterstrich: Jesus habe Vollmacht vor dem Volk nicht aufgrund der Lehre, die er verkünde, „die fast dieselbe war wie die der anderen“, sondern weil „er demütig und von Herzen sanftmütig war“. Er habe nicht geschimpft, „er sagte nicht: ‚ich bin der Messias’ oder ‚ich bin der Prophet’. Er ließ nicht die Posaunen erklingen, wenn er jemanden heilte oder die Menschen lehrte oder ein Wunder wie die Brotvermehrung wirkte. Nein. Er war demütig. Er ‚machte’ und stand den Leuten nahe“.

Die Gesetzeslehrer dagegen „lehrten von der Kathedra aus und standen den Leuten fern“. Sie hätten kein Interesse an den Menschen gehabt. Ihr Interesse habe sich darauf beschränkt, den Menschen Gebote zu geben, die sie „bis auf mehr als 300 vermehrten“. Doch sie seien den Menschen nicht nahe gewesen:

„Wenn Jesus im Evangelium nicht bei den Leuten war, war er beim Vater, er betete. Und den Großteil der Zeit im Leben Jesu, im öffentlichen Leben Jesus, verbrachte er auf der Straße, bei den Leuten. Diese Nähe: die Demut Jesu, das, was Jesus Vollmacht verleiht, bringt ihn zur Nähe mit den Leuten. Er berührte die Leute, er umarmte die Leute, er blickte den Leuten in die Augen, er hörte den Leuten zu. Nähe. Und das verlieh ihm Vollmacht“.

Lukas unterstreiche das „große Mitleid“, das Jesus ergriffen habe, als er die Mutter und Witwe, die allein gewesen sei, und den toten jungen Mann gesehen habe. Er „hatte diese Fähigkeit, mit-zu-leiden. Er war nicht theoretisch“. So könne man sagen, dass „er mit dem Herzen dachte, er trennte den Kopf nicht vom Herzen“:

„Und es gibt zwei Grundzüge dieses Mitleids, die ich hervorheben möchte: die Sanftmut und die Zärtlichkeit. Jesus sagt: ‚Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“: von Herzen sanftmütig. Jene Sanftmut. Er war sanftmütig, er schimpfte nicht. Er bestrafte die Leute nicht. Er war sanftmütig. Immer mit Güte. Wurde Jesus zornig? Ja! Denken wir daran, als er das Haus seines Vaters sah, das zu einem Shoppingcenter geworden war, um Sachen zu verkaufen, die Geldwechsler... dort wurde er zornig, er nahm die Knute und jagte sie alle weg. Aber weil er den Vater liebte, weil er demütig vor dem Vater war, hatte er diese Kraft“.

Dann die Zärtlichkeit Jesu. Jesus habe nicht gesagt: „Nicht weinen, Frau“, während er Distanz gehalten habe: „Nein. Er ist nähergekommen, vielleicht hat er ihre Schultern berührt, vielleicht hat er sie gestreichelt. ‚Nicht weinen’. Das ist Jesus. Und Jesus tut dasselbe mit uns, denn er ist nahe, er ist mitten unter den Leuten, er ist Hirt“.

Die andere Geste der Zärtlichkeit sei dann, dass er den jungen Mann nehme und ihn seiner Mutter zurückgebe. Also: „Gütig und von Herzen demütig, nahe bei den Leuten, mit der Fähigkeit, mitzuleiden, mit Mitleid, und mit diesen beiden Grundzügen der Sanftmut und der Zärtlichkeit. Das ist Jesus“. Was er mit der Mutter und dem jungen Mann getan habe, tue er mit uns allen:

„Das ist die Ikone des Hirten“, hob Franziskus hervor, „und von dieser Ikone müssen wir Hirten lernen: den Leuten nahe, nicht nahe bei Grüppchen von Mächtigen, der Ideologen... Diese vergiften uns die Seele, sie tun nicht gut!“. Der Hirt also „muss die Macht und Vollmacht haben, die Jesus hatte, jene der Demut, jene der Sanftmut, der Nähe, der Fähigkeit zum Mitleid, der Zärtlichkeit“.

Und wenn die Dinge nicht gut verlaufen seien – was habe Jesus dann getan, frage sich der Papst:

„Als die Leute ihn an jenem Karfreitag beschimpften und schrien: ‚Kreuzigt ihn!’, schwieg er, denn er hatte Mitleid mit jenen Leuten, die von den Mächtigen des Geldes, der Macht... getäuscht worden waren. Er schwieg und sagte nichts. In den schwierigen Momenten, in den Momenten, in denen sich der Teufel entfesselt, wo der Hirt angeklagt wird, doch angeklagt vom Großen Ankläger durch die Leute, durch viele Mächtige, da leidet der Hirt, er opfert sein Leben und betet. Und Jesus betete. Das Gebet brachte er auch ans Kreuz, mit aller Stärke. Und auch dort hatte er die Fähigkeit, sich der Seele des guten Schächers zu nähern und sie zu heilen“.

„Heute wollen wir den Abschnitt aus dem Lukasevangelium, Kapitel 7, wieder lesen“, so der Papst abschließend, „um zu sehen, wo die Vollmacht Jesu liegt. Und wir wollen um die Gnade bitten, dass wir alle, die Hirten, diese Vollmacht haben: eine Vollmacht, die eine Gnade des Heiligen Geistes ist“.

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