14 September 2018, 13:30
Die Wahrheit und das hohe Ross
 
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Wahrheit, Liebe, Demut, Dienst. Um diesen starken nach außen manchmal unrühmlichen Weg zu gehen, fehlt oft das entscheidende Puzzlestück, das Jesus uns gegeben hat: das Vertrauen zum Vater - BeneDicta am Freitag von Linda Noé

Linz (kath.net)
Lauthals kreischend flüchtet sich mein Vierjähriger mit seinem Spielzeug in der einen, und mehreren zerfetzten Tixo-(für die Leser aus Deutschland :): Tesa-) Streifen in der anderen Hand, auf meinen Schoß, dicht gefolgt von der geschäftigen achtjährigen Schwester, die stakkatoartig auf ihn einredet und offensichtlich versucht, ihm die Sachen gewaltsam zu entreißen. Nachdem ich den kleinen Tumult beruhigen konnte, stellt sich heraus, dass der kleine Mann sein zerbrochenes Spielzeug mit dem Tixostreifen kleben wollte, die große Schwester allerdings wusste schon aus Erfahrung, dass dies nur mit einem Superkleber funktionieren würde. Sie konnte die Beratungsresistenz des kleinen Bruders schlichtweg nicht mit ansehen und wollte ihm gewaltsam „helfen“. Beide klagen mir ihr Leid, beide haben irgendwie recht. Menschenskinder...

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An diese kleine, in unserer Familienkonstellation ziemlich typische Szene musste ich denken, als mir vorgestern zweimal von verschiedener Seite Matthäus 20,28 entgegen kam: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen...“

Im Johannesevangelium macht Jesus durch die Fußwaschung nochmal ganz explizit deutlich, dass er uns mit diesem Dienst an den Jüngern ein Beispiel gegeben hat, damit wir auch so handeln. Dienen...

Als Mutter ist mir sehr bewusst, dass man Menschenskindern diese Bereitschaft zum Dienst an den anderen, vielleicht Schwächeren, nicht sinnvoller Weise mit Druck und Zwang einbläuen kann. Offensichtlich gehört eine gewisse menschliche Reife dazu, die sich nicht von heute auf morgen im Menschen ereignet, um nicht nur lautstark und nötigenfalls mit Gewalt auf die Wahrheit zu beharren, wenn man doch weiß, dass man im Recht ist.

Die Wahrheit. Hier denke ich sofort an die mehr als bekannte Stelle aus dem Hohelied der Liebe: „... hätte ich aber die Liebe nicht...“ Wir wissen alle, dass die Liebe das Größte ist, und würden auf der Straße sofort viel Zustimmung mit der Aussage ernten, dass auch mit aller möglichen Erkenntnis ein Mensch ohne Liebe nichts wäre. Das Verhältnis von Liebe und Wahrheit ist wohl eines der schwierigsten Themen des christlichen Lebens.

Im Heranwachsen meiner Kinder beobachte ich das ebenso wie in meinem eigenen Weg mit Jesus und dem vieler anderer Christen: Erkennen wir eine Wahrheit (und ich hoffe, wir dürfen immer wieder noch tieferer Wahrheit begegnen auf unserem Weg...) und brennen innerlich dafür, müssen wir gleich darauf lernen, dass wir durch unsere Erkenntnis zum DIENST an den anderen berufen sind. NICHT berufen sind wir wiederum dazu, ihnen das Erkannte mit der Bratpfanne über den Schädel zu hauen - sei es nun aus Begeisterung oder aus Frust, das ist dabei ziemlich egal. Und es ist erfahrungsgemäß unglaublich viel schwerer in der Praxis, als es in der Theorie zunächst klingt.

Hier kommt noch ein wichtiger Punkt dazu, die Demut. Demut, das größte Gegengift gegen die Ursünde Stolz, wohl neben Liebe und Wahrheit einer der schwierigsten Begriffe und ein eben solcher Dreh- und Angelpunkt auf dem Weg mit Jesus Christus. Im Evangelium werden wir vor zur Schau gestellter „Demut“ eindringlich gewarnt.

Und da sind wir wieder bei meinen Gedanken über den Dienst am Nächsten angelangt. In Markus 9,35 lese ich „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“

Wenn man mit den Augen der Welt schaut, sieht einer von den wirklichen „Ersten“, so wie Jesus es meint, jemand, der einen Weg gegangen ist, sich freien Herzens für den Dienst am Nächsten, das sanfte Wort, den liebevollen Blick, entschieden hat, vielleicht des Öfteren ganz gleich aus wie das unterdrückte „Armutschgerl“, das sich doch anscheinend nicht zu wehren weiß. Wir sehen nicht ins Herz des anderen, und wenn wir oberflächlich betrachten, können wir schnell die falschen Schlüsse ziehen.
Die Muttergottes war Dienerin des Wortes, und hat auch andere gelehrt, ihm zu dienen („was er euch sagt, das tut...“). Sie hat im Verborgenen gelebt und wusste trotzdem, dass der Mächtige Großes an ihr getan hat und alle Geschlechter sie selig preisen würden, wie es im Magnificat heißt.

Wie wurde Jesus am Kreuz verhöhnt durch die Worte, dass er sich doch endlich selbst helfen solle, wenn er es doch bei anderen immer so gut konnte. Die Schwachheit und Torheit des Kreuzes in den Augen der Welt, der größte Triumph gegen das Böse, war ganz und gar freiwillig gewählt, und schon deshalb so vollkommen anders, dass es die Welt nicht verstehen konnte und heute noch nicht versteht.

Wahrheit, Liebe, Demut, Dienst. Um diesen starken nach außen manchmal unrühmlichen Weg zu gehen, fehlt oft das entscheidende Puzzlestück, das Jesus uns gegeben hat: das Vertrauen zum Vater. Fehlt dieses Vertrauen, ist es auf Dauer unerträglich, so zu dienen wie Jesus das von uns möchte. Der „alte Mensch“ wird sich über kurz oder lang wehren gegen diese nach außen oft scheinbare Schwäche. Aber diese Rechnung ist eben ohne denjenigen gemacht, der unser Vater ist, der für uns kämpft und der alles in Seinen Händen hält. Ohne denjenigen, der für jeden von uns einen Auftrag hat, zu dem Er uns befähigt, wenn wir in Ihm bleiben. Einen Auftrag auch für uns als Leib.

Vielleicht ist es gut, in dieser stürmischen Zeit uns auch als seine Kirche darauf zu besinnen, dass wir bereit sein müssen, die Letzten und Diener aller zu sein, wenn wir Ihm wirklich nachfolgen wollen. Das hohe Ross, auf dem wir manchmal sitzen, weil wir doch die Wahrheit haben, ist zum Scheitern verurteilt. ER könnte ja auch aus Steinen Kinder Abrahams machen (Mt 3,9).

Als Familienmutter meine ich, dieser Blick wäre ein Heilmittel für Vieles.

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