12 August 2018, 11:00
Bischöfe fordern internationale Friedenstruppe für die Ninive-Ebene
 
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Grosse Sicherheitsdefizite in den christlichen Siedlungsgebieten im Irak.

München (kath.net/ KiN)
Auch nach der Befreiung der christlichen Siedlungsgebiete in der irakischen Ninive-Ebene von Truppen des „Islamischen Staat“ beklagen Bischöfe des Landes große Sicherheitsmängel. „Ohne Sicherheit und Arbeitsplätze wird kein Christ im Irak bleiben“, sagte Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien, gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Der Erzbischof ist auch Vorsteher des Kloster Mar Mattai nordöstlich von Mossul, einem der ältesten christlichen Klöster der Welt.

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„Wir wollen endlich Taten sehen“

Alshamany plädierte anlässlich des vierten Jahrestags der IS-Eroberungen an die Weltgemeinschaft, ihrer Verantwortung nachzukommen: „Es sollte eine internationale Friedenstruppe in der Ninive-Ebene stationiert werden. Wir wollen eine Garantie, dass unsere Freiheit und Sicherheit gewährleistet werden.“ Eine besondere Verantwortung komme dabei den USA zu, so der Erzbischof.

Das gelte nicht nur militärisch: Die US-Regierung hatte mehrfach angekündigt, Hilfsgelder zukünftig den Christen im Irak direkt zukommen zu lassen. Bislang werden diese Mittel über die Vereinten Nationen verteilt. Es sei jedoch noch nichts geschehen, so Alshamany: „Wir hören viele Reden von Präsident Trump. Wir wollen endlich Taten sehen.“

Am 6. August 2014 hatten die Einheiten des IS das christliche Siedlungsgebiet nahe der Metropole Mossul erobert. Etwa 120 000 Christen mussten fliehen. Viele von ihnen fanden rund um die kurdische Stadt Erbil Zuflucht. In den Folgejahren gingen viele Christen ins Ausland.

Seitdem ab 2016 irakische Truppen und ihre Verbündeten die Gebiete zurückerobern konnten, sind mehrere zehntausend vertriebene Christen in ihre zerstörten Heimatorte zurückgekehrt. „Kirche in Not“ unterstützt zusammen mit lokalen Kirchen den Wiederaufbau maßgeblich. Ende Juli 2018 waren so bereits 45 Prozent der einstigen Bewohner zurückgekehrt und über ein Drittel der Gebäude wieder instand gesetzt.

„Ohne die Hilfe christlicher Organisationen wie ,Kirche in Not῾ hätten wir nicht überleben können“, stellte Alshamany fest. Gleichzeitig bleibe die Furcht vor einer Rückkehr radikal-islamischer Gruppen ein ständiger Begleiter, denn viele Anhänger des „Islamischen Staates“ seien noch am Leben und untergetaucht: „Wir vermuten, dass sich in Zukunft eine IS-ähnliche Gruppe bilden wird – wie auch immer sie sich dann nennen mag.“

Um Auswanderung zu verhindern, sind schnell Fortschritte nötig

Baschar Warda, chaldäisch-katholischer Erzbischof von Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, betonte im Gespräch mit ,Kirche in Not῾, dass beim Wiederaufbau keine Zeit verloren werden dürfe: „Dieser Sommer ist sehr kritisch für uns. Wenn die Christen nicht bald zurück können, wandern sie aus.“ Wardas Diözese hatte einen Großteil der vertriebenen Christen aus der Ninive-Ebene aufgenommen. Noch immer harren Zehntausende rund um Erbil in Notunterkünften aus – eine angespannte Situation.

Warda zeigte sich vorsichtig optimistisch, was die finanziellen Zusagen der US-Regierung angeht. Zwar seien noch keine Gelder geflossen, er sei aber überzeugt, „dass die Vereinigten Staaten helfen wollen. Es ist das erste Mal, dass eine amerikanische Regierung anerkennt, dass die Christen hier im Irak wegen ihres Glaubens verfolgt wurden.“

Warda betonte, wie wichtig es sei, die christliche Präsenz im Nahen Osten aufrechtzuerhalten. „Die ganze Region wird durch Gewalt, Korruption und politische Verwerfungen erschüttert. Nur die Christen können dem Nahen Osten die Botschaft von Versöhnung und Feindesliebe bringen.

Um den Wiederaufbau der christlichen Dörfer im Irak sowie die materielle und geistliche Hilfe der Bevölkerung weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Irak


Foto: Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien. © Kirche in Not

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