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23 Juli 2018, 08:30
Organisation Amerikanischer Staaten verurteilt Ortega wegen Repression

Gruppen praktizieren „Terrorstrategie“ – Bevölkerung lässt sich aber nicht einschüchtern und filmt insgeheim mit dem Handy jeden Angriff und jede Gewalttat des Paramilitärs

Managua (kath.net/Agenzia Fides) Am selben Tag, an dem vor 39 Jahren (1979) das Volk von Nicaragua den Sieg des Volkes gegen Diktator Somoza verkündete, verabschiedete der Ständige Rat der OSA die Resolution über die Verwerfung des Regimes von Daniel Ortega wegen Repression, mit 21 Ja-Stimmen, 3 Gegenstimmen und 7 Enthaltungen. Die Resolution verurteilt die Regierung von Ortega und Murillo wegen Menschenrechtsverletzungen, fordert die Ausrufung von vorgezogenen Neuwahlen bis zum Frühjahr, die Auflösung der paramilitärischen Gruppen sowie Garantie der Menschenrechte und Genehmigung einer internationalen Kommission.

Im Land steht derweil die Gewalt – die Zusammenstöße und Protestaktionen, die vor drei Monaten begonnen hatten, (genau am 18. April) – nicht still. Polizei und paramilitärische Einheiten haben zusammen mit den „turbas“ (von Ortega bezahlte Zivilisten) die Kontrolle über das Zentrum des 30 km von der Hauptstadt entfernten Ortes Masaya gewonnen, der eines der Symbole der Ortega-Gegner geworden ist. Die Zusammenstöße dauerten mehr als 7 Stunden an und waren vor allem auf die Gegend konzentriert, in der die Indigenen-Gemeinde von Monimbo lebt. In diesem Viertel, wo mutiger Widerstand geleistet wurde, gab es 3 Tote. Das Militär ging von Haus zu Haus und terrorisierte die Bevölkerung.

Fides hat Zeugnisberichte von Missionaren erhalten, die über die schreckliche Gewalt des Militärs gegenüber der Bevölkerung berichten sowie über die Methode einige Viertel zu „isolieren“, wohin auch die internationale Presse für ihre Berichterstattung über die Geschehnisse nicht hin gelangte. Diese Gruppen praktizieren eine „Terrorstrategie“, um so die Bevölkerung zu unterjochen. Die Bevölkerung lässt sich aber nicht einschüchtern. Jeder Bürger ist ein Reporter geworden: von ihren Fenstern aus oder hinter einer Tür verborgen gelingt es ihnen, mit dem Handy jeden Angriff, jede Gewalttat des Paramilitärs zu filmen, um so die Menschenrechtsgesellschaft von Nicaragua und andere Institutionen für die Bürgerverteidigung zu informieren. Der Apostolische Nuntius in Nicaragua, Erzbischof Waldemar Stanisław Sommertag, hatte die Medienvertreter einberufen, um ihnen seine tiefe Sorge über den „tragischen Moment“ Nicaraguas mitzuteilen. „Mit all meiner menschlichen und geistlichen Kraft appelliere ich an das Gewissen aller, damit ein Waffenstillstand und eine baldige Rückkehr an die Verhandlungstische für einen landesweiten Dialog erreicht werden kann, um gemeinsam eine angemessene Lösung der Krise zu finden“. Mons. Sommertag hatte sich persönlich in die Kirche der Göttlichen Barmherzigkeit begeben, um die Situation nach der Belagerung in Augenschein zu nehmen.

Unter den von den sozialen Netzwerken direkt von den Hauptpersonen und den Gewaltopfern verbreiteten Nachrichten, die auch zu Fides gelangten, ist die Aussage von Pater Augusto Gutiérrez, hervorzuheben; er ist Pfarrer in der Indigenen-Gemeinde von Monimbo: „Die Angriffe mit schweren Geschützen dauerten vier Stunden. Die Kirche wurde völlig zerstört. Was die Regierung tut, ist sehr ungerecht. Es ist Völkermord. Es gibt keinen anderen Namen dafür“. Sein Aufschrei: „In diesem Viertel leben einfache Leute, alle sind Eingeborene und Arbeiter. Die Regierung ist dabei uns umzubringen“.