20 Juli 2018, 11:00
Die prophetische Botschaft von Papst Paul VI.
 
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Vor 50 Jahren wurde die Enzyklika Humanae Vitae veröffentlicht. "Es lohnt sich, diese neu in den Blick zu nehmen und mit Wohlwollen zu betrachten". Gastbeitrag von Weihbischof Dominikus Schwaderlapp/Kölner Kirchenzeitung

Köln (kath.net/Kölner Kirchenzeitung) Der Sommer 1968 muss ein heißer Sommer gewesen sein, zumindest ging es innerkirchlich heiß her. Als der selige Papst Paul VI. am 31. Juli 1968 die Enzyklika Humanae Vitae „Über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens“ veröffentlichte, war die Empörung groß. In weiten Teilen der Kirche wurde offenbar damit gerechnet, dass Papst Paul VI. die Empfängnisverhütung als Weg der Geburtenregelung erlaubt. Und genau dies tat er nicht. Er betont, Fruchtbarkeit und liebende Vereinigung gehören zusammen, wie zwei Seiten einer Medaille. Er spricht von einer „von Gott bestimmten unlösbaren Verknüpfung“ dieser beiden Sinngehalte, die „der Mensch nicht eigenmächtig lösen“ kann (HV 12).

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Nun, der Mensch hat sie gelöst, diese Verknüpfung. Die Entwicklung moderner Empfängnisverhütungsmittel hat dafür gesorgt, dass man sich des Themas Fruchtbarkeit entledigen konnte: Sex ohne Konsequenzen! Der Lösung von Fruchtbarkeit und Sexualität folgte die Trennung von Sex und Liebe. Weithin gilt in diesem Bereich nur noch der „moralische“ Grundsatz: „Alles ist erlaubt, solange nur alle Beteiligten damit einverstanden sind.“ Keine Frage: Die Banalisierung der Sexualität ist in den letzten 50 Jahren rasant fortgeschritten. Vor diesem Hintergrund ist die Botschaft von Humanae Vitae geradezu prophetisch, ein Bekenntnis zur Würde der Person, zur Würde der menschlichen Liebe und zur Würde der Sexualität. Zur Prophetie gehört es ja auch, dass sie auf Widerstand stößt und Emotionen hervorruft. Das war bei den Propheten im Alten Testament nicht anders.

Bekenntnis zur Würde der Person, der Liebe und der Sexualität

Es lohnt sich also, den Weg, den Humanae Vitae vorschlägt, neu in den Blick zu nehmen und mit Wohlwollen zu betrachten. Der Mensch ist Person, Wesen mit Leib und Seele. „Fortpflanzung“ und „liebende Vereinigung“ sind deshalb unlösbar miteinander verbunden, weil Leib und Seele im Menschen unlösbar miteinander verbunden sind.

Ein Vergleich aus dem Bereich der Musik mag dies verdeutlichen: Seele und Leib gehören zusammen wie Komponist und Instrument. Der Komponist denkt sich eine wunderbare Melodie aus, aber diese Melodie kommt erst zu ihrem Ziel, wenn sie durch ein Instrument zum Klingen gebracht wird. Dabei ist das Instrument nicht einfach „ausführendes Organ“. Das Instrument bestimmt selbstverständlich auch die Art der Komposition.

Unsere Seele bringt unseren Leib zum Klingen. Freude, Trauer, Ernst, Nachdenklichkeit, all‘ das sehen wir in den Gesichtern von Menschen. Und in diesem Sinne sind Zärtlichkeiten, die sich Mann und Frau austauschen, nicht nur Zeichen ihrer Liebe und Zuneigung, sondern Verwirklichung derselben.

Zärtlichkeit bringt die Liebe der Beiden zum Klingen. In der liebenden Vereinigung von Mann und Frau findet dies in gewisser Weise seinen Höhepunkt. Doch auch hier ist der Leib nicht einfach ausführendes Organ. Zum besonderen „Klang“ der Sexualität gehört eben ihre Ausrichtung auf die Fruchtbarkeit. Die gesamte Physiognomie von Mann und Frau bringt dies zum Ausdruck. Wie kaum etwas Anderes ist dem menschlichen Leib, ob Mann oder Frau, die Fähigkeit eingeprägt, Leben zu stiften. Keine Frage: Der Sexualität ihre Fruchtbarkeit zu nehmen, nimmt ihr Wesentliches. Um im Bild des Instrumentes zu bleiben: Das wäre so als würde man beispielsweise der Geige ihren Resonanzkörper nehmen.
Humanae Vitae mahnt in diesem Sinn, die Schöpfung zu respektieren und noch mehr den Schöpfer, der diesen Sinnzusammenhang dem Menschen eingestiftet hat.

„Verantwortliche Elternschaft“ mit natürlicher Empfängnisregelung

Es gehört zur Verantwortung der Eltern, über die Anzahl ihrer Kinder zu entscheiden. Humanae Vitae spricht von der „verantwortlichen Elternschaft“. Wie aber kann dies gelingen ohne Empfängnisverhütung, ohne manipulativ der Sexualität die Fruchtbarkeit zu nehmen? Die Enzyklika empfiehlt den Weg der „periodischen Enthaltsamkeit“. Vor 50 Jahren war dieser Weg noch recht unsicher – der sogenannten Knaus-Ogino-Methode verdanken viele meiner Generation ihr Leben – so ist die natürliche Empfängnisregelung heute ein sicherer Weg.

Der österreichische Mediziner Professor Dr. Josef Rötzer hat sich hier maßgebliche Verdienste erworben. Sie hilft die fruchtbaren beziehungsweise unfruchtbaren Tage der Frau zu beobachten. Diese Methode bietet somit einen Weg an, zur Erfüllung eines Kinderwunsches zu gelangen, aber eben auch eine Schwangerschaft zu vermeiden. Die natürliche Empfängnisregelung ist – wie die deutschen Bischöfe formulieren – „weniger Methode als Lebenshaltung“ (Eckpunkte zur Ehevorbereitung). Es ist ein Weg, der von den Partnern zeitweise Enthaltsamkeit fordert, aber eben ein Weg, der den Zusammenhang von Sexualität und Fruchtbarkeit respektiert. Gleichwohl ist es ein anspruchsvoller Weg.

Partnerschaftlicher Weg zur Liebe und Erfüllung

Aber ist die Fähigkeit zur Enthaltsamkeit nicht ohnehin nötig, wenn Sexualität der Liebe dienen soll? Das Interesse bei jungen Paaren an diesem Weg der Empfängnisregelung wächst. Er ist eben ein partnerschaftlicher Weg, der ohne Chemie- und Hormonpräparate auskommt. Und die Einsicht, das sexuelle Befriedigung noch lange keine Erfüllung bedeutet, müsste sich allmählich auch rumgesprochen haben. Erfüllung finden wir nur in der Liebe. Und Liebe bedeutet einander zu schenken und anzunehmen – ganz, vorbehaltslos, mit Leib und Seele.

Der selige Papst Paul VI. ermutigt in Humanae Vitae diesen Weg zu gehen, einen Weg zur Liebe und Erfüllung!

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp stellt sich vor




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