19 Juni 2018, 13:00
Das christliche Geheimnis der Feindesliebe
 
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Franziskus in Santa Marta: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. Die Herausforderung für den Christen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“: das Tagesevangelium von der Feindesliebe (Mt 5,43-48) stand im Mittelpunkt der Predigt von Papst Franziskus bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Dienstag der elften Woche im Jahreskreis.

Allein das Wort Jesu befähige zur Feindesliebe, zur Vergebung und zum Gebet für die anderen, die einen „zerstören“ wollten, so der Papst, der die menschliche Schwierigkeit feststellte, dem Vorbild des himmlischen Vaters zu folgen, der eine „universale“ Liebe habe. Dies sei eine Herausforderung für den Christen.

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Wir verstünden, dass wir den Feinden vergeben müssten, „das sagen wir jeden Tag im Vaterunser. Wir bitte um Vergebung, wie auch wir vergeben. Das ist eine Bedingung, auch wenn es nicht leicht ist“. Dasselbe gelte für das Gebet für die anderen, die uns Schwierigkeiten bereiteten, „die uns auf die Probe stellen: auch das ist schwierig, doch wir tun es. Oder wenigstens ist es uns viele Male gelungen, dies zu tun“:

„Doch für die zu beten, die mich zerstören wollen, für die Feinde, auf dass Gott sie segne: das ist wirklich schwierig zu verstehen. Denken wir an das vergangene Jahrhundert, die armen russischen Christen waren allein aufgrund der Tatsache, dass sie Christen waren, nach Sibirien geschickt worden, um in der Kälte zu sterben: und sie sollten für ihren Regierenden und Henker beten, der sie dorthin schickte? Warum denn? Und viele von ihnen taten es: sie beteten. Denken wir an Auschwitz und an andere Konzentrationslager: sie mussten für diesen Diktator beten, der die reine Rasse wollte und ohne Skrupel mordete, und dafür beten, dass Gott sie segne! Und viele taten es“.

Es sei dies die „schwierige Logik“ Jesu, die im Evangelium im Gebet und in der Rechtfertigung derer enthalten sei, die „ihn am Kreuz töteten: vergib ihnen, Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Jesus also bitte um Vergebung für sie, wie dies auch der heilige Stephanus im Moment seines Martyriums getan habe:

„Was für ein Abstand, was für ein unendlicher Abstand zwischen uns, die wir viele Male kleine Dinge nicht vergeben, und dem, was der Herr von uns will und wofür er das Beispiel gegeben hat: denen vergeben, die danach trachten, uns zu zerstören. In den Familien ist es bisweilen sehr schwer für die Eheleute, nach einer Diskussion einander zu vergeben, oder auch der Schwiegermutter zu vergeben: das ist nicht leicht. Das Kind, den Vater um Vergebung bitten, das ist schwer. Doch denen vergeben, die dabei sind, einen umzubringen, die dir an den Kragen wollen... Nicht nur vergeben: für sie beten, dass Gott sie behüte! Mehr noch: sie lieben. Nur das Wort Jesu kann das erklären. Ich kann da nicht weitergehen“.

Somit sei es eine Gnade, um die gebeten werden müsse, die Gnade, „etwas von diesem christlichen Geheimnis zu verstehen und vollkommen zu sein, wie es der Vater ist, der all seine Güter den Guten und den Schlechten gibt“:

„Es wird uns gut tun heute, an einen Feind zu denken – ich glaube, wir alle haben einen –, an einen, der uns etwas Böses angetan hat oder antun will oder versucht, es zu tun: an diesen. Das Gebet der Mafiosi ist: ‚Dafür wirst du mir bezahlen’. Das christliche Gebet lautet: ‚Herr, gib ihm deinen Segen und lehre mich, ihn zu lieben’. Denken wir an einen: wir alle haben einen. Denken wir an ihn. Beten wir für ihn. Bitten wir den Herrn, uns die Gnade zu schenken, ihn zu lieben“.

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