18 Mai 2018, 12:00
„I‘m serving another master“
 
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Wenn das Reich Gottes auf das Reich des Fürsten dieser Welt prallt. BeneDicta von Petra Knapp-Biermeier.

Linz (kath.net) „I‘m serving another master.“ Der Wind schlägt um, und plötzlich ist Aufruhr da und dann fünf Fragen gleichzeitig, und er reißt sein Handy aus der Hosentasche, um mir seine Musik vorzuspielen, aber die Show ist jetzt vorbei. Der Faden gerissen, die Welten prallen aufeinander.

Er ist ungefähr 25 und steht in der Nachmittagshitze vor dem Einkaufszentrum, als ich ihm über den Weg laufe. Zwanzig Autominuten lang habe ich Gottes Gegenwart geatmet, denn hinter dem Lenkrad habe ich meine besten Gebetszeiten. Normalerweise höre ich Lobpreismusik, aber an diesem Montag drehe ich ab und bete intensiv zum Heiligen Geist, ohne zu wissen warum, bis ich vor dem Geschäft parke.


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Als er sich mir mit einem freundlichen Lächeln in den Weg stellt und mir „young lady“ Komplimente macht, plätschert alles noch so dahin. Bis ich das Cover der CD sehe, die er mir verkaufen will. Zwanzig Zentimeter vor meiner Nase blickt mich eine Figur des Fürsten dieser Welt an, hin platziert in ein Heavy Metal Ambiente, grinsend, herausfordernd. Ein seltsamer Kontrast zu dem gesprächigen smarten Blondschopf.



Dem schaue ich jetzt direkt in die Augen und unterbreche seinen Redeschwall. „Hey, es tut mir echt leid, aber ich kann dir das nicht abkaufen“, höre ich mich mit meiner allerfreundlichsten Stimme sagen, ohne recht nachzudenken. „Ich diene einem anderen Meister.“ Der ist Jesus, sage ich dann, und „Weißt du eigentlich, für wen du singst?“ Und jetzt läuft ein anderer Film.



Der Junge ist erst zwei, drei Sekunden still, lacht dann irritiert, gekünstelt, fragt mich, warum, und es sei doch alles das Gleiche, an das wir glauben, und überhaupt. Irgendwie weiß ich, was ich zu tun habe: Ich drücke ihm ein paar Euro in die Hand, als Geschenk, weil ich ihn wertschätze als Musiker, sage ich. Dann segne ich ihn laut und verabschiede mich. Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie er seinem Freund zu grinst und eine Geste macht, die signalisiert, dass ich irgendwie durchgeknallt bin.

Manchmal gibt es Momente, wo die Welten aufeinanderprallen. Es gibt Fernsehdiskussionen, die mehr oder weniger dahinplätschern, wo Meinung auf Meinung folgt und sich nichts abhebt. Bis einer von sechs Teilnehmern höflich anmerkt, dass bei einer Abtreibung ein kleiner Mensch ums Leben kommt. Und dann knallt es. Dann wogen sie auf, die Irrationalitäten, die persönlichen Traumata, die Geschichten von der Urgroßmutter.

Aber sie alle halten nicht stand, denn das Blut dieser ungeborenen Kinder schreit Tag und Nacht zum Himmel, und vielleicht sind die Menschen deshalb so wutentbrannt und aufgebracht und bringen immer dieselben fadenscheinigen Argumente vor, weil die Wahrheit unbezwingbar ist, und in der geistlichen Welt ist das sonnenklar. Die Wahrheit bricht durch, denn Gott ist zwar barmherzig, aber er ist auch furchterregend und gerecht.

Während ich Gurken und Tomaten in den Einkaufswagen schlichte, wird mir klar, dass ich eben gerade von Gott vorbereitet worden war für einen Crash, eine klare Positionierung – denn meine übliche Standard-Antwort bei Straßenverkäufern ist immer ein sehr reserviertes „Nein danke“ und tschüss.

Aber wie oft bin ich nicht vorbereitet! Manchmal bin ich zu eingelullt, zu besetzt von meinen persönlichen Problemen, manchmal fürchte ich mich vor den Menschen und vor der Isolation, die es mir bringt, wenn ich mich positioniere, vor dem Etikett, das ich draufgeklebt bekomme. Manchmal vergesse ich, dass die Welt wartet auf Menschen, die eine ewige Wahrheit aussprechen, mit Vollmacht, Autorität und Liebe.

Gott sehnt sich so sehr danach, dass wir in seiner Nähe sind, damit wir endlich in unsere volle Identität hineinwachsen können. Und je mehr wir das tun, desto mehr Frieden kommt in unser Leben. Das ist wunderbar. Aber Gott will mehr! Er will, dass wir durch unsere Existenz sein Reich in dieser Welt wieder aufrichten.

Jedes Mal, wenn du in Liebe eine Wahrheit Gottes über den Menschen aussprichst, wenn du aussprichst, wem du dienst und wem nicht, dann haust du einen Pflock in diese Erde hinein, steckst du Grenzen ab und sagst: Hier ist heiliger Boden. Hier herrscht der Schöpfer des Universums. Hier wartet ein liebender Vater.

Es knallt dann vielleicht. Es empört. Und du kriegst einen Kratzer ab oder es haut dich kurzfristig um. Umso mehr mach dich im Gebet bereit für diese Kämpfe, denn jeder einzelne Beter ist gefragt, in dieser Welt, wo das Unrecht auflodert, wo Gott im Himmel laut weint über jeden einzelnen, der mordet, betrügt, verführt, Unrecht tut, sich selbst vergötzt.

Mach dich bereit, und lege dir jeden Tag die Waffenrüstung Gottes an, von der Paulus in Epheser 6 schreibt. Denn kein Kampf, in dem es um ewige Wahrheiten geht, wird mit bloßen Argumenten gewonnen. Die Gefechte in der unsichtbaren Welt bestimmen darüber, was sich in der sichtbaren Welt manifestiert.

Der blonde Musiker ist jetzt, zwei Wochen nach unserem Meeting, in meiner unmittelbaren Nachbarstadt gelandet. Eine Freundin hat ihn heute getroffen, beim Supermarkt. Und von ihr hat er das gleiche Wort noch einmal gehört: „Sorry, I`m serving another master.“

Manchmal ist es Zeit anzubeten. Manchmal ist es Zeit zu kämpfen. Dies und jenes habe ich im Nachhinein noch über den Blondschopf und seine fünf Kumpanen erfahren, die seit Jahren durch die Städte touren. Jesus ist ihnen nahe. Aber vielleicht braucht er dich heute, damit du Zeugnis gibst von der Liebe Gottes, den Jungs dieser Band, deinen unfreundlichen Nachbarn, dem Busfahrer, dem Flötenlehrer. Mach dich bereit!

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