13 Mai 2018, 09:45
Bulgarien: Katholiken wehren sich gegen neues Religionsgesetz
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Islamismus'
Gegen Ausbreitung eines radikalen Islamismus gerichtetes Gesetzesprojekt würde als Kollateralschaden auch die Tätigkeit der katholischen Kirche schwer in Mitleidenschaft ziehen, warnt Bischof Projkov.

Sofia (kath.net/ KAP)
Schwere Bedenken zum Entwurf eines neuen bulgarischen Religionsgesetzes hat der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz des Landes, Bischof Christo Projkov, angemeldet. Die jüngst von Abgeordneten der Regierungspartei GERB vorgestellten Regelungen, mit denen die Regierung nach eigenen Angaben der Ausbreitung eines radikalen Islamismus entgegentreten will, enthielten eine Fülle "kontroverser Punkten", die auf die Situation der einzelnen Konfessionen keine Rücksicht nehmen, sagte Projkov der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Die kleine katholische Kirche in dem Land sei von dem geplanten Gesetz besonders betroffen, warnte der Bischof, der griechisch-katholischer Apostolischer Exarch von Sofia ist.

Werbung
ninive 4


Nach den Angaben der Proponenten des neuen Gesetzes sollen "gegen die nationale Sicherheit gerichtete" Eingriffe "ausländischer Staaten, Institutionen und Personen" in die Aktivitäten der Religionsgemeinschaften in Bulgarien unterbunden werden. Unter anderem legt der Entwurf, dass alle Geistlichen bulgarische Bürger sein müssen. Ausländische Geistliche dürften künftig nur nach Genehmigung durch das staatliche Kultusamt tätig werden.

In den katholischen Gemeinden Bulgarien seien allerdings die meisten Geistlichen "Ausländer", schilderte Bischof Projkov im SIR-Gespräch. Außerdem sei eine Bestimmung geplant, derzufolge Geistliche in Bulgarien studiert haben müssen. Praktisch hätten aber alle in Bulgarien tätigen katholischen Priester im Ausland studiert, weil es im Land gar keine Möglichkeit zum Studium der katholischen Theologie gibt.

Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass Subventionen aus dem Ausland für alle Konfessionen verboten sind, außer diese Subventionen werden ausdrücklich vom Kultusamt genehmigt. Nur für jene Konfessionen, die mehr als ein Prozent der bulgarischen Bevölkerung umfassen, sei eine staatliche Subvention von zirka fünf Euro pro Gläubigem vorgesehen, so Projkov. Die Katholiken machen aber nur 0,66 Prozent der Bevölkerung aus. De facto führe die Ein-Prozent-Regelung zu einer Zweiklassengesellschaft unter den Religionsgemeinschaften in Bulgarien, weil nur die bulgarisch-orthodoxe Kirche und die islamische Religionsgemeinschaft in den Genuss der staatlichen Mitfinanzierung kommen würden. Wenn dann auch die Finanzierungsmöglichkeiten aus dem Ausland wegfallen, wäre die katholische Kirche in Bulgarien schwer betroffen.

"Die katholische Kirche ist seit Jahrhunderten in Bulgarien präsent, sie entfaltet eine beträchtliche karitative Tätigkeit", betonte Bischof Projkov. Er hoffe, dass die Meinung der katholischen Kirche bei der parlamentarischen Behandlung des Gesetzentwurfs Berücksichtigung finde, damit die Tätigkeit der Kirche durch neue Bestimmungen nicht beschädigt werde.

Die katholische Kirche in Bulgarien umfasst sowohl Diözesen des lateinischen Ritus als auch das aus einer Unionsbewegung im 19. Jahrhundert hervorgegangene Exarchat für die Gläubigen des byzantinischen Ritus. Bulgarien war eines der wenigen kommunistisch beherrschten Länder, in denen die griechisch-katholische Kirche nicht in die Katakomben gezwungen wurde. Allerdings war in Bulgarien die katholische Kirche insgesamt einer scharfen Verfolgung durch den kommunistischen Machtapparat ausgesetzt, was auch durch die in den vergangenen Jahrzehnten zur Ehre der Altäre erhobenen Märtyrer deutlich wird.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!









kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.

Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram

meist kommentierte Artikel

Affären, Macht und Intrigen? (85)

ÖBK-Mitglied ruft zum gemeinsamen Kommunionempfang auf (79)

Verkündigung – Dienst – Unentgeltlichkeit (57)

Eine Märchenstunde von Bischof Feige (42)

Australien berät Aufhebung des Beichtgeheimnisses bei Missbrauch (39)

"Was die Nazis machten, heute tun wir das mit weißen Handschuhen" (35)

Die Beleidigung tötet die Zukunft des anderen (35)

Lohnt sich der Kinofilm über Papst Franziskus? (32)

Die neue Würde, die Jesus der Frau schenkt (31)

Abendmahl und Eucharistie (27)

Irland möchte katholische Krankenhäuser zur Abtreibung zwingen (26)

Österreichische Regierung schließt erste Moscheen und weist Imame aus (24)

Eucharistie für alle: Warum um den heißen Brei geredet wird (20)

Amazonas-Synode: Ämterfrage wird Thema (18)

"Ausnahme nicht zur Regel machen" (17)