01 Mai 2018, 07:30
Papst sprach stundenlang mit chilenischen Missbrauchsopfern
 
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Betroffene beeindruckt von Respekt und Sensibilität des Papstes - Mitte Mai reisen chilenische Bischöfe in den Vatikan - Am Ende der brisanten Gespräche könnten auch Rücktritte stehen

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Papst Franziskus hat seine Gespräche mit Missbrauchsopfern aus Chile beendet. Eine Unterredung mit Juan Carlos Cruz dauerte nach dessen Angaben mehr als zweieinhalb Stunden - auch mit den beiden anderen angereisten Gästen hatte es lange Unterredungen gegeben. "Ich bin bewegt", schrieb Cruz anschließend am Sonntag auf Twitter. Der Papst habe mit großem Respekt und Zuneigung zugehört. Zu den Inhalten machte Cruz,der heute als Kommunikationsexperte in New York lebt, keine näheren Angaben. Es sei um "viele Themen" gegangen. Im Blick auf die katholische Kirche äußerte er Zuversicht, auch wenn vor ihr eine "enorme" Aufgabe liege.

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Franziskus hatte Cruz, James Hamilton und Jose Andres Murillo - drei Opfer des wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten chilenischen Priesters Fernando Karadima - für mehrere Tage in den Vatikan eingeladen, um deren Erfahrungen zu hören. Die Themen und die Dauer der Unterredungen überließ er nach vatikanischen Angaben den drei Männern, die während dieser Zeit auch in der päpstlichen Residenz Santa Marta wohnen. Hintergrund sind Vorwürfe gegen den heutigen Bischof Juan Barros, als geistlicher Zögling Karadimas von den Vergehen seines Mentors gewusst, ihn aber später vor Strafverfolgung geschützt zu haben.

Mitte Mai reisen dann die chilenischen Bischöfe in den Vatikan. Am Ende der brisanten Gespräche könnten durchaus auch Rücktritte stehen.

Karadimas Taten wurden "zu lange gedeckt"

Um Machtmissbrauch und Verantwortung drehte sich das zweistündige Gespräch des Papstes mit Murillos, wie dieser auf Twitter mitteilte. Seinen Umgang mit dem Papst nannte er "sehr respektvoll und offen". Auch Hamilton sprach am Samstag "etwas mehr als zwei Stunden" mit Franziskus, "ehrlich, einladend und enorm konstruktiv".

Padre Karadima hatte lange Zeit als Lichtgestalt der katholischen Kirche in Chile gegolten. Aus seinem Kreis gingen zahlreiche Priester und sogar Bischöfe hervor. 2010 kam unter öffentlichem Druck ein Verfahren in Gang. Ein Kirchengericht verurteilte ihn wegen psychischer und sexueller Gewalt zu einem Leben in Zurückgezogenheit und Buße. Die Priesterwürde ließ man ihm. Opfer Karadimas beklagen, seine Taten seien zu lange gedeckt worden. Konkrete Anschuldigungen richten sich auch gegen Juan Barros, geistlicher Zögling Karadimas und heute Bischof von Osorno; er wird der bezichtigt, den Übergriffen beigewohnt zu haben.

Der Streit um eine Verstrickung von Bischof Barros in den Fall Karadima belastet nicht nur die Kirche in Chile. Als Franziskus bei seinem Besuch im Jänner Barros öffentlich verteidigte, stand plötzlich auch seine eigene Glaubwürdigkeit in Sachen Missbrauchs-Aufklärung in Zweifel. Opfer erklärten, dem Papst ein belastendes Dossier über Barros zugesandt zu haben. Anscheinend blieb es unbeachtet.

Franziskus schickte schließlich Erzbischof Charles Scicluna als Sonderermittler los; der früheren Chef-Strafverfolger für Missbrauchsfälle legte eine 2.300-seitige Dokumentation vor, die den Papst veranlasste, die chilenischen Bischöfe einzubestellen.

In dem betreffenden Brief warf er ihnen unzureichende und einseitige Information vor. Jetzt gehe es darum, "das Vertrauen in die Kirche wiederherzustellen". Dazu gehört auch die persönliche Entschuldigung bei den Opfern.

Am Freitagabend hatte Vatikansprecher Greg Burke in einer auf Spanisch verbreiteten Mitteilung bekanntgegeben, dass Unterredungen des Papstes mit Opfern begonnen hätten. Über den Inhalt solle auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes nichts verlauten, um die Vertraulichkeit zu wahren. Vom Wunsch nach einem "Klima des Vertrauens und der Heilung des Erlittenen" war die Rede. Dafür solle so viel Zeit sein wie nötig.


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