07 April 2018, 10:00
Solidaritätsreise von Erzbischof Schick nach Bagdad und Nordirak
 
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„Enorme Herausforderungen machen koordinierte Kraftanstrengung nötig“

Bamberg-Bonn (kath.net/DBK) Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), die irakische Hauptstadt Bagdad besucht. Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem Patriarchen der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphaël I. Sako, und Vertretern verschiedener am Wiederaufbau beteiligter Organisationen in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland standen aktuelle Fragen zur religiösen, politischen und wirtschaftlichen Lage im Irak.


Erzbischof Schick machte sich in Bagdad ein Bild der Situation, in der sich insbesondere die christliche Minderheit befindet. Ihre Bildungsangebote, vor allem im Schul- und Kindergartenbereich, und ihre sozialen Aktivitäten wurden von allen Beteiligten ausdrücklich als unverzichtbarer Beitrag zum Gemeinwohl des Landes gewürdigt. Dabei sei die christliche Minderheit stets der Gefahr ausgesetzt, in Konflikte zwischen islamischen Sunniten und Schiiten verwickelt zu werden. „Die große Akzeptanz, mit der die Kirche in der Öffentlichkeit wirkt, ist ein starkes Zeichen, dass Kirche in der Welt sein muss und sich nicht auf Kirchenmauern zurückziehen darf“, so Erzbischof Schick. Die Sicherheitslage sei bedrückend. Umso wichtiger sei die Ermutigung, die die Verantwortlichen der verschiedenen Konfessionen ihren Gläubigen mit in den Alltag geben. Patriarch Sako würdigte die Unterstützungsarbeit der katholischen Kirche in Deutschland für den Irak. „Ihr gebt uns viel und vergesst uns nicht. Das sind Momente, für die wir zutiefst dankbar sind“, so der Patriarch.

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In Bagdad besuchte Erzbischof Schick auch die Kathedrale der syrisch-katholischen Kirche, die vor acht Jahren Ziel eines verheerenden Bombenanschlags war. Damals wurden 46 Gläubige in den Tod gerissen. Heute steht die Kirche hinter hohen Betonwänden und Stacheldrahtzaun. Erzbischof Yusuf Abba von der syrisch-katholischen Kirche erläuterte Erzbischof Schick die Lage: „Wir denken noch immer an unsere Märtyrer. Sie haben das Blut vergossen, von dem wir heute weiter leben. Als christliche Minderheit dürfen wir – trotz Terror und Angst – das Land nicht verlassen.“ Erzbischof Schick hob in seinem Gespräch hervor, welch bedeutenden Beitrag die christliche Minderheit zum Aufbau der Zivilgesellschaft im Irak leiste. „Darin werden wir die Kirchen vor Ort auch künftig tatkräftig unterstützen.“

Erzbischof Schick traf am frühen Morgen des 3. April 2018 in Bagdad ein. Am Abend setzte er seine Reise in die nordirakische Region Kurdistan fort, wo er von den Leitern der großen katholischen Hilfswerke aus Deutschland begleitet wird. Nach einem Treffen mit dem Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Erbil begab sich Erzbischof Schick in das vor knapp anderthalb Jahren von der IS-Terrorherrschaft befreite Gebiet der Ninive-Ebene. Noch vor zwei Jahren konnte er sich außerhalb der vom IS beherrschten Gebiete in der Autonomen Region Kurdistan über die Lage der irakischen Binnenvertriebenen informieren. Mit seinem Besuch in der Ninive-Ebene war es Erzbischof Schick als erstem hochrangigen christlichen Kirchenvertreter aus Deutschland möglich, sich ein Bild von der Lage in einigen Städten und Dörfern zu machen, in denen der IS besonders gewütet hatte, darunter die vor allem von Christen bewohnten Orte Karakosh und Karemlesh.



Vertreter der lokalen Wiederaufbaukomitees, in denen Verantwortliche der verschiedenen katholischen und orthodoxen Kirchen zusammenarbeiten, berichteten von der geleisteten Arbeit. So sei bereits mehr als 25.000 Christen ermöglicht worden, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Wichtig sei nun besonders, für das im Sommer beginnende Schuljahr weitere Klassenräume bereitzustellen. Die nötigen Lehrkräfte seien vorhanden und bereit, die Kinder weiterer rückkehrwilliger Familien zu unterrichten.

In der durch Rauchbomben teilweise ausgebrannten und schwer beschädigten syrisch-katholischen St.-Josefskirche in Karakosh feierte Erzbischof Schick mit dem syrisch-katholischen Ortsbischof, Boutros Moshe, die Messe in aramäischer Sprache, der Sprache Jesu. Beeindruckt zeigte sich Erzbischof Schick von der Arbeit der Dominikanerinnen in der Stadt: „Was hier geleistet wird, ist die Arbeit von Heiligen im Alltag. Es ist bewegend zu sehen, wie die Dominikanerinnen sich um Bildungsangebote, Altenbetreuung und die junge Generation kümmern. Würde es sie nicht mehr geben, würde Karakosh ein Teil der Seele fehlen“, so Erzbischof Schick. „Ich bin hierhergekommen, um dieser vom IS besonders brutal heimgesuchten Region die Solidarität der katholischen Kirche Deutschlands zu bezeugen. Das ist es, was es hier braucht: Solidarität und Gebet.“ Erzbischof Schick würdigte dabei auch die vielfältige Arbeit der kirchlichen Hilfswerke aus Deutschland. „Hier wird unverzichtbare Aufbauarbeit geleistet. Was jetzt notwendig ist, ist eine gute Koordination. Deshalb bin ich hier, weil ich möchte, dass alle miteinander ins Gespräch kommen – Hilfswerke und Betroffene vor Ort.“ Im Vergleich zu seinem letzten Irak-Besuch vor zwei Jahren sagte Erzbischof Schick: „Es ist schon beklemmend, durch die Straßen zu gehen, in denen vor wenigen Monaten noch Menschen erschossen und vergewaltigt wurden. Mich beeindruckt die Bevölkerung, die versucht, zu einem gewissen normalen Leben zurückzukehren. Ich spürte aber auch: Die Angst vor neuer Gewalt und weiterem Terror ist noch immer da.“

Erzbischof Schick setzt seine Reise mit weiteren Besuchen in zerstörten Ortschaften der Ninive-Ebene fort. Am späten Samstagabend reist er nach Deutschland zurück.


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