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28 Februar 2018, 10:00
Kirche soll auf Jugendliche mit neuen Medien zugehen

Österreichische Jugendsynoden-Teilnehmerin Sylvia Buhl: Z.B. Instagram wäre "Basisfunktion, um bei den unter 30-Jährigen von heute zu sein" - Kirchliche Sicht von Sexualität müsste auch wegen allgegenwärtiger Pornographie besser vermittelt werden

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Die katholische Kirche sollte vermehrt auf Jugendliche zugehen und dafür auch verstärkt die neuen Medien nutzen: Nach Überzeugung der österreichischen Jugendsynoden-Teilnehmerin Sylvia Buhl ist z.B. Instagram "eine Basisfunktion, um bei den unter 30-Jährigen von heute zu sein". Die Jugendlichen, denen die Kirche am Herzen liegt, litten darunter, weil deren christliche Botschaft nicht dort hingelange, "wo sie vielleicht am meisten benötigt würde", sagte die Mitarbeiterin der in Wien beheimateten Koordinierungsstelle "Jakob" für Jugend-Apostolate katholischer Orden und Bewegungen der Österreichischen Bischofskonferenz im Interview mit "Vatican News".

Die 28-jährige gebürtige Deutsche, die selbst dem zu den "Legionären Christi" gehörenden Apostolatswerk "Regnum Christi" angehört, nahm im Oktober in Rom bereits an einem Vorbereitungsseminar für die Bischofssynode im kommenden Herbst teil. Auch die Synode könnte den Vertretern der Hierarchie neue Zugänge zu Jugendlichen und deren Lebenswelt erschließen und so "Ängste abbauen", hofft Buhl: "Zum Beispiel, dass sie alle fünf Minuten das Smartphone nehmen und checken, was abgeht. Wenn die Bischöfe das persönlich mitkriegen, macht es ihnen bewusst, wie wichtig es ist, dass sie selbst auf diesem Kanal mitspielen."

Ein Vermittlungsproblem der Kirche ortet Buhl auch im Bereich der Sexualität, der in der vorbereitenden Online-Umfrage unter Jugendlichen oft genannt wurde: "Es hakt an der Vermittlung, dass die Sexualität, wie die Kirche sie mit der Botschaft Gottes vermitteln möchte, etwas total Schönes ist." Junge Leute sollten besser verstehen können, "was Gott ihnen eigentlich schenken will, statt nur mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen und zu sagen, das darfst du nicht", so die "Jakob"-Mitarbeiterin. Manche Dinge seien "vielleicht zu manchen Zeitpunkten empfohlen oder nicht empfohlen, damit etwas Schönes daraus wird". Dies gelte es besser zu verkünden, was auch im Blick auf Pornografie wichtig wäre: Das dauernde diesbezügliche Angebot via Smartphone und Internet lasse viele leiden, die aber nicht davon wegkämen. "Eine neue Sicht könnte sie unterstützen, davon frei zu werden", meinte Buhl.

Jugendlichen wird zu wenig zugetraut

Auf die Frage, was sich in Österreich junge Gläubige von der katholischen Kirche wünschen, antwortete die Jugendpastoral-Expertin: "Viele wollen weg von alten Strukturen, die irgendwann geholfen haben, aber heute nicht mehr helfen." Als Beispiele nannte Buhl nicht ansprechende Räumlichkeiten und "gestrige" Projekte: "Da werden Dinge weiterfinanziert, einfach weil sie immer schon so waren." Viel wichtiger wäre ein Fokus auf Verkündung, Mission und "das authentische Leben unserer christlichen Botschaft". Wenn Jugendliche mit Elan ihren Glauben leben und ihn weitergeben wollten, würden sie oft an Grenzen stoßen, "weil ihnen das nicht zugetraut wird", bedauerte Buhl.

Zugleich räumte sie ein, dass jugendlicher Elan auch eine Kehrseite habe. Vom Vorschlag des Bundes der deutschen katholischen Jugend BDKJ, dass an der Synode ebenso viele Jugendliche wie Bischöfe teilnehmen sollten, sei sie nach anfänglicher Sympathie wieder abgekommen. Denn bei der Versammlung im Vatikan sollten nicht konkrete Maßnahmen herauskommen, sondern nur "Hinweise, die in den verschiedenen Ländern unterschiedlich umgesetzt werden können und müssen". Die jugendlichen Teilnehmer würden da wohl direkt etwas umsetzen wollen, "was aber vielleicht kurzfristig gedacht ist", befürchtete Buhl.

Vorbehalte äußerte sie auch gegenüber dem BDKJ-Vorstoß, bei der Synode auch den kirchlichen Umgang mit Homosexuellen und den Zugang von Frauen zu Weiheämtern zum Thema zu machen. Ihre Erfahrung aus dem Vorbereitungstreffen sei, dass dies "weniger relevante Punkte für diese Jugendsynode" seien. Hierzulande interessiere das viel mehr als in Ländern des "Südens". Ihre "persönliche Meinung" zum Frauenpriestertum sei, dass ein Weiheamt im Endeffekt auch nur ein Dienst an der Kirche sei, "und wenn ich mit meinem ganzen Wesen schon dienen kann, dann muss ich nicht unbedingt noch geweiht werden".

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