26 Februar 2018, 11:00
Der Beichtstuhl als Wahlkabine
 
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„Ich erkundigte mich nach einer Beichtmöglichkeit. Zu meiner Verblüffung wurde mir mit dem Hinweis darauf geantwortet, dass der einzige (!) Beichtstuhl der Kirche…“ Gastbeitrag von Prof. Markus Enders

Freiburg (kath.net) Beim Besuch meines krank und gebrechlich gewordenen Vaters fiel mein Blick auf die kirchlichen Nachrichten des Mitteilungsblatts meiner früheren Heimatgemeinde, die für den nächsten Abend eine Vorabendmesse ankündigten – mit vorheriger Beichtgelegenheit, wie ich dachte, weil dabei etwas vom Beichtzimmer in der Kirche stand. Da ich zuletzt schon mehrfach eine Beichte hatte aufschieben müssen, schien mir diese Gelegenheit für eine persönliche Beichte günstig. So fand ich mich am nächsten Tag in der Kirche meiner früheren Heimatgemeinde eine dreiviertel Stunde vor Beginn des Gottesdienstes zum Beichten ein. Dort wurde ich im inneren Vorraum der Kirche zu meiner Überraschung von Wahlhelfern eines Wahlkomitees freundlich empfangen. Ich erkundigte mich bei ihnen nach einer Beichtmöglichkeit. Zu meiner Verblüffung wurde mir mit dem Hinweis darauf geantwortet, dass der einzige (!) Beichtstuhl der Kirche in eine Wahlkabine der Ergänzungswahl für die Kirchenverwaltungsräte verwandelt worden sei. Außerdem sei noch kein Priester da, ohne den eine Beichte ja sowieso nicht stattfinden könne. Geduldig begab ich mich daraufhin in eine Kirchenbank, bereitete mich auf die heilige Beichte vor und wartete vergeblich auf das Erscheinen eines Priesters.

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Unterdessen füllte sich allmählich die Kirche, eine Tante von mir setzte sich neben mich in die Kirchenbank, um sich bei mir nach dem Gesundheitszustand meines kranken Vaters Anteil nehmend zu erkundigen. An eine Beichte war jetzt nicht mehr zu denken. Dazu passte, dass der Priester erst wenige Minuten vor Beginn des Gottesdienstes in das Gotteshaus kam und sogleich in die Sakristei eilte. Seine Predigt hatte kurioserweise nichts Anderes zum Gegenstand als die spirituelle Bedeutung der Beichte für die Gläubigen insbesondere während dieser Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest. Auch deshalb drängte es mich nach dem Gottesdienst dazu, den Priester auf mein vergebliches Bemühen um eine Beichte vor dem Gottesdienst aufmerksam zu machen. Daraufhin lud er mich freundlicherweise spontan zu einer persönlichen Beichte bei ihm nach einem Gottesdienst am darauffolgenden Sonntag in einer Nachbarpfarrei ein. Diese Einladung nahm ich dankbar und gerne an.

Als ich wieder nach Hause zu meinem Vater kam, schaute ich in den kirchlichen Nachrichten für meine kirchliche Heimatgemeinde nun ganz genau nach: Dort war der Hinweis auf das Beichtzimmer der Kirche tatsächlich als Ortsangabe für die genannte Wahl von Kirchenverwaltungsräten deklariert, und zwar vor und nach der Vorabendmesse. Offensichtlich hatte mein kulturelles Gedächtnis aus dem im Ankündigungstext der kirchlichen Nachrichten von mir nur flüchtig aufgenommenen Beichtzimmer der Kirche eine Beichtgelegenheit für Gläubige gemacht. Dass der Beichtstuhl jedoch zu einer Wahlkabine werden könnte, das hätte ich mir nicht einmal träumen lassen.

Papst Franziskus beichtet im Petersdom und hört danach selbst die Beichte




Foto: Symbolbild

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