26 Februar 2018, 09:30
Schick: „Zur Bewahrung unserer Kultur können wir alle beitragen“
 
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Bamberger Erzbischof in Fastenhirtenbrief 2018: Es ist Aufgabe jedes Christen, sich für Erhaltung, Förderung unserer Kultur einzusetzen – „Unsere Kultur ist geprägt von einem Wertekanon, der in der guten Botschaft Jesu seine wichtigste Quelle hat“

Bamberg (kath.net/peb) kath.net dokumentiert den Fastenhirtenbrief des Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in voller Länge:

Kultur – unser Jahresthema

Liebe Schwestern und Brüder!
Kultur ist das Jahresthema 2018 im Erzbistum Bamberg. Das Wort ist derzeit in aller Munde: die EU will 2018 als „Europäisches Jahr des kulturellen Erbes“ begehen; die Vereinten Nationen erinnern an 70 Jahre Menschenrechte; Bamberg feiert 25 Jahre Weltkulturerbe; Nürnberg möchte „Kulturhauptstadt Europas 2025“ werden und bereitet sich auf die Nominierung vor; in ganz Deutschland wird in Bezug auf die Bildung und Integration über Kultur diskutiert.

Für die Kirche ist Kultur schon immer ein wichtiges Anliegen. Kultur entwickelt sich vor allem aus dem Kult, das heißt aus der Gottesverehrung, der dann das persönliche und soziale Leben der Menschen prägt. Deshalb hat auch das Zweite Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution „Kirche und Welt“ ein ganzes Kapitel der „Richtige(n) Förderung des kulturellen Fortschritts“ gewidmet (GS 53-62). Dort heißt es programmatisch: „Unter Kultur im allgemeinen versteht man alles, wodurch der Mensch seine vielfältigen geistigen und körper-lichen Anlagen ausbildet und entfaltet; (…) wodurch er das gesellschaftliche Leben in der Familie und in der ganzen bürgerlichen Gesellschaft im morali-schen und institutionellen Fortschritt menschlicher gestaltet; wodurch er endlich seine großen geistigen Erfahrungen und Strebungen im Lauf der Zeit in seinen Werken vergegenständlicht, mitteilt und ihnen Dauer verleiht – zum Segen vieler, ja der ganzen Menschheit“ (GS 53). In diesem Kapitel findet sich auch die Feststellung, dass die gute Botschaft, das Evangelium, Kultur hervorbringt und erneuert.

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Unsere Kultur erhalten und fördern – Aufgabe jedes Christen

Bei der Entwicklung unserer Kultur haben die Christen und die Kirche entscheidend mitgewirkt, zu ihrer Bewahrung und ihrem Fortschritt können und sollen wir alle beitragen.

Das Wort Kultur verwenden wir in verschiedenen Bezügen und Lebensbereichen. Besonders vertraut ist es uns im Zusammenhang mit den sogenannten Kulturgütern. Das sind Kirchen, Schlösser, Villen und Häuser, die oft unter Denkmalschutz stehen; manche, wie die Altstadt Bamberg, gehören auch zum Weltkulturerbe der Vereinten Nationen. Kulturgüter finden wir in vielen Museen und vor allem in unseren Kirchen in Form von Gemälden, Statuen, Gefäßen, Handschriften und Textilien. Viele Gebäude, Plätze und Straßen sind mit Kunstwerken ausgestattet. Auch in der freien Landschaft haben unsere Vorfahren zum Beispiel Kreuzwege, Bildstöcke und Skulpturen errichtet. Kulturgüter sind auch Musikinstrumente wie Orgeln, historische Blas- und Streichinstrumente sowie die klassischen Musikwerke.

Dazu gibt es die immateriellen Kulturgüter, die zum Teil auch international Anerkennung gefunden haben. Sehr gerne nenne ich diesbezüglich unsere Sternsingeraktion, die seit 2015 zum immateriellen Weltkulturerbe zählt.

Diese Kulturgüter bereichern unser Leben, prägen unsere kulturelle Identität, leisten einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Integra-tion und schaffen Freiräume für einen kritischen Diskurs, so ist im neuen Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zu lesen (vgl. S. 164).

Wir sprechen aber auch von Lebenskultur, Familien-kultur, Berufs- oder Arbeitskultur. Wir meinen damit bestimmte Verhaltensformen im privaten und öffentlichen Leben. Wenn wir von der „Berufs- oder Arbeitskultur“ sprechen, dann meinen wir einen Beruf, der nicht nur ein Job ist, sondern eine Arbeit, die mit Präzision und Aufmerksamkeit getan wird, damit sie den Mitmenschen und dem Gemeinwohl dient. Schließlich tragen auch unsere Heimatvereine, Blaskapellen, Gesangsvereine, Sportvereine sowie unsere kirchlichen Verbände, Frauenbund, BDKJ, Kolping und KAB, zur Kultur bei.

Fastenzeit – Besinnung auf unsere Kultur

Ich möchte Sie einladen, in den kommenden Wochen unsere Kultur zu betrachten, über sie nach-zudenken und miteinander über sie zu sprechen. Die Kultur macht unsere Identität aus, bewahrt unser gutes Leben und ist Fundament für eine gute Zukunft.

Beginnen Sie bei den Kulturgütern in Ihrer Pfarrei und an Ihrem Wohnort. Schauen Sie sich in Ihrer Kirche um! Betrachten Sie die einzelnen Figuren, die Christus-, Marien- und Heiligenstatuen, die Bilder am Hauptaltar und an den Seitenaltären sowie in der ganzen Kirche und die Kirchenfenster. Was wissen Sie über sie, über die Baugeschichte, über Ihren Kirchenpatron? Welchen Wert hat Ihre Kirche für Sie? Was können Sie zu jeder Figur oder jedem Gemälde erzählen? Wie können Sie Ihr Wissen über Ihre Kirche mit Ihren Kindern, Enkeln und Nach-kommen teilen? Kennen Sie die Museen an Ihrem Wohnort?

Erneuerung unserer Lebenskultur

Unsere Lebenskultur beginnt bei den Familien. Familienkultur meint den Umgang miteinander und die Gestaltung des täglichen Lebens! Wie viel Zeit verbringen Sie miteinander? Wie oft essen Sie alle zusammen und unterhalten sich dabei? Welche Feste feiern Sie und wie: Ostern, Weihnachten, die Geburtstage und Namenstage? Gibt es eine Sonntagskultur mit Kirchgang, gemeinsamer Mahlzeit? Wie helfen Sie sich gegenseitig? Wie verteilen Sie die anfallenden Arbeiten im Haushalt? Wodurch erfreuen Sie sich gegenseitig und woran freut sich die ganze Familie? Nehmen Sie an Leid und Sorgen der Nächsten in Ihrer Familie, aber auch in der Nachbarschaft teil?

Auch eine vernünftige und gesunde Ess- und Trink-kultur sollen wir pflegen. Ebenso ist eine ‚Gebrauchskultur‘ von Lebensmitteln, Kleidung, technischen Geräten, Verkehrsmitteln, Energie und Rohstoffen nötig, die zum wichtigen Anliegen „Bewahrung der Schöpfung“ beiträgt.
Die Vereine sind für unser gesellschaftliches Leben sehr wichtig. Wir brauchen auch eine Vereinskultur! Sie besteht darin, die Ideale des Vereins hochzuhalten, an den Veranstaltungen regelmäßig und treu teilzunehmen sowie auch Verantwortung in ihnen zu übernehmen.

Wie steht es mit der Berufs- und Arbeitskultur? Wie sehe ich meine Arbeit? Paulus rät: „Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn!“ (Kol 3,23). Das geschieht dann, wenn wir unseren Beruf als Beitrag zur Vollendung der Schöpfung und für das Gemein-wohl verstehen.
Schließlich und endlich ist es wichtig, über unsere Lebenskultur im Alltag nachzudenken. Haben wir Respekt voreinander? Achten wir einander und nehmen wir Rücksicht aufeinander? Sind wir wohl-wollend und hilfsbereit? Grüßen wir uns gegenseitig? Achten wir die älteren, kranken und behinderten Menschen und sorgen wir für sie?

Die gute Botschaft Jesu – Quelle unserer Kultur

Diese unsere Kultur ist geprägt von einem Wertekanon, der in der guten Botschaft Jesu seine wichtigste Quelle hat. Sie ist entstanden und wird gespeist aus den Zehn Geboten, die fordern, nicht zu lügen, zu stehlen, zu töten sowie dass Ehepaare sich treu sind, Eltern und Kinder sich gegenseitig achten. Die Zehn Gebote haben uns auch den Sonntag als arbeitsfreien Ruhetag für Gottesdienst, Familie, Freizeit und Erholung geschenkt. Unsere Kultur ist von der Verantwortung für das Gemeinwohl und von der Solidarität, von den Werten der Treue und Verlässlichkeit, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, der Freiheit und Sicherheit geprägt. Sie sind aus dem Hauptgebot Jesu, der Gottes- und Nächstenliebe, sowie der Goldenen Regel hervorgegangen, die lautet: „Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12).

Diese Kultur zu erhalten, ist ein wichtiger Auftrag. Der Apostel Paulus fasst sie im Brief an die Philipper so zusammen: „Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht“ (Phil 4,8).

Eine gesegnete Fastenzeit

Liebe Schwestern und Brüder! Nur ein paar Hinweise und Fragen wollte und konnte ich in diesem Fastenhirtenbrief zur Kultur nennen, die zu erhalten und weiterzuentwickeln uns aufgetragen ist.

In den verschiedenen Facetten unserer Kultur können wir das Wirken des Heiligen Geistes erkennen und erfahren. Für IHN, unsere Mitmenschen und die Schöpfung wollen wir uns neu öffnen in den kommenden 40 Tagen. Jesus Christus hilft uns, in unserer Kultur das Wahre, Gute und Schöne zu sehen, es zu erhalten und zu fördern sowie das Böse aufzudecken und zu überwinden. Öffnen wir uns dem Geist Jesu Christi, der unser persönliches, familiäres, berufliches und soziales Leben erneuern will zu unserem Heil und dem der ganzen Welt.

Dazu segne uns der gütige und allmächtige Gott, + der Vater, + der Sohn und + der Heilige Geist. Amen.
Ihr Erzbischof
Ludwig Schick

Pressefoto Erzbischof Ludwig Schick / Erzbistum Bamberg




Archivfoto oben (c) Erzbistum Bamberg

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