22 Februar 2018, 07:30
Nuntius in Syrien: Eskalation des Kriegs betrifft Christenviertel
 
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Kardinal Zenari: Wegen des fast täglichen Abfeuerns von Raketen und Mörsern müssen viele christliche Schulen in Damaskus geschlossen bleiben - Weltweiter Gebets- und Fasttag am 23. Februar


Vatikanstadt-Damaskus (kath.net/KAP) Der Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, hat wegen der heftigen Kämpfe in der Hauptstadtregion Alarm geschlagen. Die christlichen Viertel von Damaskus seien von den Zusammenstößen besonders betroffen, so Zenari gegenüber "Vatican News" am Mittwoch. Die Hauptstadt erlebe ein "Wiederaufleben des Krieges", sagte der Vatikan-Vertreter im Interview mit dem Nachrichtenportal.

Wegen des fast täglichen Abfeuerns von Raketen und Mörsern müssten viele christliche Schulen in Damaskus geschlossen bleiben, sagte der Nuntius. Zwar sei die ganze Stadt von diesen Bombardements betroffen, doch konzentrierten sie sich stark auf die Altstadt, wo sich die christlichen Viertel befänden. Der Beschuss der Altstadt sei eine Reaktion der Rebellen auf das Vorgehen der Regierungstruppen im Gebiet von Ghouta.

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Das im Zentrum Syriens gelegene Ghouta hatte eine der blutigsten Angriffswellen seit Beginn des Konflikts erlebt, mit rund 250 Toten innerhalb von 48 Stunden, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch meldete. Mehr als 1.200 Menschen seien verletzt worden, viele davon schwer.

Gebets- und Fasttag am 23. Februar

Im Interview forderte Kardinal Zenari die Katholiken in Europa auf, an dem vom Papst für kommenden Freitag, 23. Februar, ausgerufenen "Besonderen Gebets- und Fasttag der Weltkirche" für die Menschen im kriegsgeplagten Syrien zu beten. Franziskus hatte den Tag am 4. Februar angekündigt. In der Ankündigung hatte er betont, dass dabei das Anliegen des Friedens für Syrien "in besonderer Weise" präsent sein solle. "Denn wir glauben an die Waffe des Gebetes", betonte der Apostolische Nuntius.

Wegen der Eskalation der Kämpfe in Syrien wächst international die Besorgnis. UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich am Dienstag (Ortszeit) "zutiefst beunruhigt" über die Lage im Rebellengebiet. Besonders die Folgen für die Zivilbevölkerung machten ihm Sorgen, sagte sein Sprecher Stephane Dujarric in New York. Die Vereinten Nationen hätten wiederholt ein Ende der Kämpfe gefordert, um die Lieferung humanitärer Hilfsgüter zu ermöglichen sowie Kranke und Verwundete aus der Region schaffen zu können, so der Sprecher. Der Generalsekretär dränge darauf, die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur zu schützen.

"Belagern-und-Aushungern"-Taktik

Auch das US-Außenministerium zeigte sich über die jüngsten Berichte aus Ghouta beunruhigt. Die "Belagern-und-Aushungern"-Taktik der syrischen Regierung verschlimmere das humanitäre Desaster vor Ort, sagte Sprecherin Heather Nauert am Dienstag (Ortszeit) in Washington. "Das Grauen von Aleppo droht sich nun wenige Kilometer von Damaskus entfernt zu wiederholen. Und wieder werden vor allem unschuldige Zivilisten, darunter viele Kinder, Opfer der zerstörerischen Gewalt des syrischen Regimes und seiner Unterstützer", erklärte auch ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin: "Wir fordern das Regime auf, seine Angriffe sofort einzustellen und endlich humanitären Zugang zu gewähren." Zugleich kritisierte er, dass die von der Türkei angekündigte Blockade der von Kurden kontrollierten Region um Afrin zu weiterem Leid unter der Zivilbevölkerung führen werde.

In dem Gebiet im Norden Syriens bombardierte die türkische Armee am Dienstag weiter, nachdem dort syrische Regierungskräfte zur Unterstützung kurdischer Truppen eingerückt waren, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete. Jetzt wächst mit der Konfrontation die Sorge vor einer größeren direkten Eskalation zwischen der Türkei und Syrien. Am Dienstag rückten dort zunächst erste syrische Regierungskräfte ein, wie die Kurdenmiliz YPG bestätigte. Diese sollten sich an der Verteidigung der Einheit Syriens und der Grenzen beteiligen.

Die Türkei sieht in der Miliz den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Die YPG ist aber zugleich mit der US-geführten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien eng verbündet.

Der Bürgerkrieg in Syrien hatte im März 2011 mit Protesten gegen die autoritäre Regierung von Machthaber Bashar al-Assad begonnen. Der Osten der Region Ghouta gehört zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Dominiert werden sie von islamistischen Milizen.

Der Nothilfekoordinator der Hilfsorganisation "Care" für den Nahen Osten, Marten Mylius, forderte am Mittwoch in Bonn dringend einen Waffenstillstand. Helfer müssten Lieferungen für das belagerte Ost-Ghouta wegen schwerer Bombardierungen einstellen. "Wenn jetzt kein Waffenstillstand erreicht wird, stehen wir vor einer humanitären Katastrophe", erklärte Mylius. Die Eskalation der Gewalt mache es für "Care" und lokale Partner unmöglich, Menschen zu helfen. "Hunderttausende in der Region haben kein Essen, kein sauberes Wasser und keine Medikamente. Sie sind Hunger und Tod schutzlos ausgeliefert."

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