22 Februar 2018, 23:00
Wiener "Kreuz-Debatte" zieht weitere Kreise
 
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Bochumer Dogmatik-Professor Essen ortet in "FAZ"-Beitrag eine unstatthafte Privilegierung des Religionslosen - Wiener Dogmatiker Tück: Der Universitätsleitung eine "strikt laizistische Agenda" zu unterstellen, wäre verfehlt

Wien-Frankfurt (kath.net/KAP) Die jüngste Wiener "Kreuz-Debatte" zieht weitere Kreise und wird in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) fortgesetzt: Dort plädierte nun der Bochumer Dogmatik-Professor Georg Essen für mehr Umsicht im Umgang mit religiösen Zeichen und Symbolen in der Öffentlichkeit. Die staatliche "Neutralitätsverpflichtung" dürfe nicht in ihr Gegenteil kippen und zu einer "staatlichen Parteinahme für ein säkulares Bewusstsein" mutieren, so Essen in einem Gastbeitrag in der FAZ vom 19. Februar. "Der Abbau von Privilegien für das Christentum, der unter Umständen verfassungsrechtlich geboten sein kann, darf nicht zum Einfallstor für eine Privilegierung des Religionslosen werden."

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Tatsächlich würde nämlich laut Essen die Entfernung religiöser Symbole aus der Öffentlichkeit nicht etwa zur Gleichrangigkeit bzw. Äquidistanz beitragen, sondern zu einer Schlechterstellung des Religiösen in der Öffentlichkeit: "Dem säkularen Bewusstsein bliebe die Zumutung erspart, mit religiösen Symbolen konfrontiert zu werden. (...) Dem religiösen Bewusstsein hingegen wird die Zumutung abverlangt, den öffentlichen Raum, in dem es doch lebt, nicht als den eigenen symbolischen Referenzhorizont der eigenen Glaubensüberzeugung erfahren zu dürfen."

Essen reagierte in seinem Beitrag auf eine öffentliche Stellungnahme des Wiener Theologen Jan-Heiner Tück, der sich unter dem Titel "Gegen die weiße Wand" in der FAZ vom 16. Februar zu Wort gemeldet hatte. Tück hatte zwar prinzipielles Verständnis für den Entschluss des Rektorats der Universität Wien geäußert, wegen der fächerübergreifenden Nutzung der neuen Hörsäle auf religiöse Symbole fortan zu verzichten. Zugleich aber hatte er bleibendes "Unbehagen" bekundet und historische, theologische und religionsrechtliche Bedenken geäußert.

Zugleich verwies Tück in einer aktuellen Stellungnahme gegenüber "Kathpress" darauf, dass zwei der Kreuze aus den Hörsälen des Hauptgebäudes der Universität nun in Büros des Fakultätsgebäudes in der Schenkenstraße aufgehängt werden. "Die Fakultät hat demnach die - auch vom Rektorat offiziell zugestandene - Möglichkeit, in den Büro- und Seminarräumen religionssymbolische Markierungen vorzunehmen" - es bestehe somit kein Grund, der Universitätsleitung eine "strikt laizistische Agenda" oder gar eine "religiöse Säuberung" zu unterstellen. Dies sei "verfehlt, ja maliziös". Zu kulturkämpferischen Einlassungen bestehe kein Anlass, so Tück.

Auch wenn er persönlich die Rektoratsentscheidung für "historisch einschneidend, theologisch bedenklich und religionsrechtlich diskussionsbedürftig" erachte, so sei doch anzuerkennen, dass sie "einer gesellschaftlich gewandelten Situation Rechnung trägt: Wir leben nicht mehr in homogen christlichen Gesellschaften. Das Kreuz hat für viele seine Selbstverständlichkeit eingebüßt, es kann für Andersglaubende und Andersdenkende an der Universität zum Anstoß werden."

Hintergrund der Entfernung der Kreuze aus den Hörsälen 46, 47 und 48 im Hauptgebäude der Universität Wien ist die Schließung und nachfolgende Umwidmung dieser Räume aus Brandschutzgründen. Künftig werden theologische Lehrveranstaltungen in anderen Hörsälen im Tiefparterre stattfinden.

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