07 Februar 2018, 23:00
Heiligsprechung Pauls VI. rückt näher
 
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Im 2. Halbjahr 2018 auch Gedenken zum 40. Todestag des Montini-Papstes

Rom (kath.net/KAP) Papst Paul VI. (1963-1978) kann heiliggesprochen werden. Wie das italienische Internetportal "Vatican Insider" am Dienstag berichtete, hat die zuständige Behörde für Heiligsprechungen ein Wunder anerkannt, das auf die Fürsprache des früheren Papstes erfolgt sei. Damit ist die kirchenrechtlich letzte Voraussetzung für eine Heiligsprechung erfüllt. Nun muss Papst Franziskus endgültig entscheiden und ein Datum für die sogenannte Kanonisierung benennen. Im 2. Halbjahr 2018 wird auch vielerorts ein Gedenken zum 40. Todestag des Montini-Papstes stattfinden.

Die Versammlung der Kardinäle und Bischöfe der vatikanischen Heiligsprechungskongregation habe einstimmt beschlossen, das Wunder anzuerkennen, so "Vatican Insider". Bei einer Frau aus Norditalien seien 2014 Schwangerschaftskomplikationen mit Risiken für sie und das Kind festgestellt worden. Wenige Tage nach der Seligsprechung Pauls VI. am 19. Oktober 2014 sei die Frau aus der Nähe von Verona nach Brescia gefahren und habe dort in einer Wallfahrtskirche den neuen Seligen um Fürsprache für eine gesunde Schwangerschaft gebeten. Das Mädchen sei gesund geboren worden und bis heute wohlauf.

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Die Genesung sei vom zuständigen medizinischen Fachgremium der Kongregation als unerklärlich gewertet sowie von Theologen analysiert und approbiert worden, so der Bericht. Die Heiligsprechung in Rom könnte den Angaben zufolge im kommenden Oktober erfolgen.

Im Schatten seines Vorgängers und Nachfolgers

Giovanni Battista Montini - der spätere Paul VI. - wurde am 26. September 1897 in Brescia geboren. Nach kurzer Pfarrseelsorge war er über drei Jahrzehnte im Staatssekretariat tätig, ab 1937 als Substitut (Innenminister) und enger Vertrauter von Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, des späteren Papstes Pius XII. In dieser Funktion sorgte Montini während des Zweiten Weltkriegs und unter der deutschen Besatzung maßgeblich dafür, dass in kirchlichen Gebäuden Roms und des Vatikan jüdische Flüchtlinge versteckt wurden.

1954 ernannte Pius XII. Montini zum Erzbischof von Mailand. In der größten Diözese Europas konnte er pastorale Erfahrung sammeln. Beim Konklave nach dem Tod von Johannes XXIII. war Montini Favorit und wurde am 21. Juni 1963 im fünften Wahlgang gewählt.

Als Papst setzte Paul VI. das Konzil fort. Als erstes Kirchenoberhaupt der Moderne unternahm er im Jänner 1964 eine Auslandsreise. Sie führte ins Heilige Land. Sein Treffen mit Patriarch Athenagoras in Jerusalem legte den Grundstein für eine neue Ökumene.

Als "Jahrhundert-Rede" galt ein Jahr später seine Ansprache vor der UNO in New York mit dem leidenschaftlichen Appell: "Nie wieder Krieg!"

Nach dem Konzil passte Montini die vatikanische Kurie den neuen Aufgaben an. Er errichtete Behörden für eine sich der Welt öffnende Kirche: für die Ökumene, für Gerechtigkeit und Frieden, für interreligiösen Dialog und für die Medien. Außerdem begann er eine Neufassung des Kirchenrechts, die 1983 abgeschlossen wurde.

Paul VI. steht zweifach im Schatten: zum einen seines populären Vorgängers Johannes XXIII. (1958-1963), und zum anderen seines charismatischen Nachfolgers Johannes Paul II. (1978-2005). Freilich leitete er die Kirche in einer besonders schwierigen Zeit. Sein Bemühen, die Umbrüche des Konzils behutsam umzusetzen, ging Reformern nicht weit genug; er galt ihnen als zu zögerlich.

Nicht nur "Humanae vitae" blieb im Gedächtnis

Breite Beachtung fand Paul VI. durch seine Friedens- und Sozialenzykliken. Durch sie zählt er zu den großen Päpsten des 20. Jahrhunderts. Prägend blieb etwa das Zitat seines Dritte-Welt-Schreibens "Populorum progressio", wonach "der neue Name für Friede Entwicklung heißt". Nicht weniger bedeutsam ist des Dokument "Evangelii nuntiandi" von 1975. Darin analysierte Paul VI. die Schwierigkeiten der Kirche mit der Glaubensverkündigung in der modernen Welt und fordert neue Ansätze zur Überwindung des Grabens zwischen Kirche und zeitgenössischer Kultur.

Auf Kritik und Häme stieß Paul VI. mit seinem Schreiben "Humanae vitae" (1968), in dem er die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung als schwerwiegendes Problem bezeichnete und künstliche Mittel zur Empfängnisverhütung für Katholiken verbot.

Während seines Sommerurlaubs in Castel Gandolfo im Juli 1978 erlitt Paul VI. einen Herzinfarkt. An dessen Folgen starb er am 6. August 1978. Paul VI. wurde in den vatikanischen Grotten bestattet. Am 19. Oktober 2014 wurde er seliggesprochen.

Von den Päpsten des 20. Jahrhunderts wurden bereits drei - Pius X., Johannes XXIII. und Johannes Paul II. - zur Ehre der Altäre erhoben, so viele wie seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr.

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