02 Februar 2018, 10:30
Parolin fordert bei China-Entscheidungen Vertrauen auf Papst
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Franziskus Papst'
Vatikan-Kardinalstaatssekretär erläutert neue Politik gegenüber der Volksrepublik

Rom (kath.net/KAP) Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat das Vorgehen des Heiligen Stuhls in China verteidigt und zu Gehorsam gegenüber dem Papst aufgerufen. Im Blick auf die Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und China müsse "angemessener zwischen der geistlich-seelsorglichen Dimension und der Politik unterschieden werden", erläuterte Parolin dem Internetportal "Vatican Insider" am Mittwoch den grundsätzlichen Blickwinkel des Vatikan. Es sei nicht die Mission der Kirche in China, Strukturen oder Verwaltung der Volksrepublik zu ändern, sondern den Menschen das Wort Gottes zu verkünden, betonte er unter Berufung auf den Brief von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) an die chinesischen Katholiken aus dem Jahr 2007.

Werbung
christenverfolgung


In vergangenen Tagen und Wochen hatte es Berichte über innerkirchliche Kritik an der derzeitigen China-Politik des Vatikan gegeben. Demnach sollen zwei von Rom anerkannte Bischöfe von einer vatikanischen Delegation gebeten worden sein, zugunsten staatlich anerkannter Bischöfe zurückzutreten. Das vatikanische Presseamt wies am Dienstag Berichte zu Meinungsverschiedenheiten über die China-Politik des Heiligen Stuhls zurück. Zuletzt hatte der frühere Erzbischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, dem Vatikan einen "Ausverkauf" der katholischen Kirche in China vorgeworfen.

Kardinalstaatssekretär Parolin betonte jetzt, es gehe keinesfalls darum, das Leid der Katholiken in China zu vergessen oder zu schmälern. Er rief jedoch zu Vertrauen und Treue gegenüber dem Papst auf und auch dann Gehorsam zu leisten, wenn "nicht alles sofort verständlich erscheint". "Und wenn jemand um ein Opfer gebeten wird, sei es groß oder klein, muss allen klar sein, dass es nicht der Preis für einen politischen Tauschhandel ist, sondern unter der biblischen Perspektive eines höheren Gutes erfolgt", so Parolin. Man müsse "realistische seelsorgliche Lösungen" finden, die den Katholiken ermöglichten, ihren Glauben und die Evangelisierung "im besonderen chinesischen Kontext" zu leben.

Zugleich betonte Parolin erneut, Papst Franziskus sei bestens über die Lage der Katholiken in China informiert. Er verfolge die Kontakte mit den Autoritäten der Volksrepublik persönlich und "all seine Mitarbeiter handeln in Übereinstimmung mit ihm", so Parolin. Niemand ergreife "private Initiativen". Kardinal Zen hatte in einem Blogbeitrag geschrieben: "Ich bin ein Pessimist, was die derzeitige Lage der Kirche in China betrifft."

Darauf angesprochen sagte Parolin, in der Kirche habe jeder das Recht, seine Meinung und Kritik zu äußern, und der Heilige Stuhl habe "die moralische Pflicht, sie mit Bedacht einzuschätzen". Er betonte, eine persönliche Meinungsäußerung könne jedoch nicht als "einzige Interpretation dessen, was das Wohl der Katholiken in China ist", angesehen werden. Man müsse mit Bedacht handeln, Polemik schade. Das Leid der katholischen Kirche in China hänge oftmals weniger vom Willen einzelner Personen ab, sondern sei vielmehr "der objektiven Komplexität der Situation" geschuldet.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Rom und Peking gelten seit Jahrzehnten als festgefahren. Zuletzt gab es erneute Annäherungsbemühungen. Ein Kernproblem ist die Frage der Bischofsernennungen. Dazu sagte Parolin nun, "so Gott will" werde es möglich sein, sich als Brüder zu begegnen und nicht mehr von "legalen und illegalen Bischöfen" oder "Untergrund- und offiziellen Bischöfen" sprechen zu müssen. Peking sieht die Ernennung katholischer Bischöfe als innerchinesische Angelegenheit.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!









kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.


Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram

meist kommentierte Artikel

Ermittler gehen von über 1.000 Missbrauchsopfern aus (125)

US-Missbrauchsskandal: Vatikan räumt Missbrauch und Vertuschung ein (100)

Mit Papst Franziskus beginnt ‚neue Phase’ für die Kirche (75)

Die heiligste Eucharistie verdient unsere ganze Liebe (40)

Nein zu einem „Humanismus der Nettigkeit“ (39)

Papst an Jugendliche: Klerikalismus Hauptproblem der Kirche (36)

Fidschi-Inseln: „Es geht um Leben und Tod“ (36)

Kritik an Kardinal Cupich - ‚Das hat etwas mit Homosexualität zu tun’ (33)

Missbrauch: Warum eine Verteidigung der Kirche nicht angemessen ist! (30)

Gelehrte fordern Wiedererlaubnis der Todesstrafe im Katechismus (30)

"Er sah aus wie Don Camillo" (29)

Bericht: Kardinal Maradiaga beschützt schwule Seminaristen (29)

Kartenspielen in geweihter katholischer Kirche (26)

"Welt": Salvini wird für Papst Franziskus zur Bedrohung (23)

Elfen auf der Autobahn - das Sommerloch hat zugeschlagen (20)