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16 Januar 2018, 22:30
Christ übernimmt Parlamentsvorsitz Syriens: Freude im Patriarchat

Syrisch-orthodoxer Patriarch Iganatius Aphrem: "Tradition der Vielfalt gibt syrischer Gesellschaft Kraft zum Widerstand gegen globalen Krieg, der Terrorismus und Religion einsetzt, um das Land zu zerstören"

Wien-Damaskus (kath.net/KAP) Die Wahl des Christen Hammouda Sabbagh zum Vorsitzenden des Parlaments in Damaskus bedeutet für den syrisch-orthodoxen Patriarchen Ignatius Aphrem II. eine Bestätigung der Rolle der Christen in einem Land mit muslimischer Mehrheit wie Syrien. Talentierte und erfahrene Menschen hätten in dem Land die Möglichkeit, sich für das Land einzusetzen, erklärte Ignatius Aphrem bei einem Empfang für Sabbagh im Patriarchatszentrum Bab Touma, wie die Stiftung "Pro Oriente" am Montag berichtete.

Die Wahl eines Christen zum Parlamentsvorsitzenden sichere "die harmonische Natur der Gesellschaft Syriens", sagte der syrisch-orthodoxe Patriarch. Syrien habe Jahrhunderte hindurch die "einmalige Erfahrung" einer vielfältigen Gemeinschaft mit Menschen unterschiedlicher religiöser, ethnischer und sprachlicher Zugehörigkeit gemacht. Diese Vielfalt habe der syrischen Gesellschaft die Kraft zum Widerstand gegen einen "globalen Krieg" gegeben, "der Terrorismus und Religion einsetzt, um das Land zu zerstören".

An dem Empfang nahmen u.a. auch der melkitische Patriarch von Antiochien, Joseph Absi, der sunnitische Großmufti von Syrien, Ahmad Hassoun, die politische Präsidentenberaterin Bouthaina Shaaban, mehrere syrische Minister und die in Damaskus residierenden Bischöfe aller Kirchen teil. Hassoun nahm zur Rolle der Christen in Syrien Stellung und betonte, dass "in unserem Land Menschen unterschiedlicher Überzeugung leben können". Ämter würden in Syrien nicht auf Grund konfessioneller Zugehörigkeit, sondern "im Hinblick auf Fähigkeiten" vergeben, "weil hier alle Bürger gleich sind".

Sabbagh, der aus einer angesehenen syrisch-orthodoxen Familie der Djazira (dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris im Osten Syriens) kommt, erinnerte seinerseits daran, dass er in einem Land aufgewachsen sei, "in dem die Menschen gleich waren". Das zeige sich auch darin, dass diese Einheit trotz der jetzt sieben Jahre dauernden Krise weiterbestehe. Es gebe zwar eine "große Verschwörung" gegen den syrischen Staat und seine Autoritäten, "aber unsere Entschlossenheit, ihr zu widerstehen, ist größer". Mit Sabbagh hat zum ersten Mal seit den späten 1940er Jahren wieder ein Christ eines der höchsten Staatsämter in Syrien übernommen.

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