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Papst: 'Schrecklicher Angriff auf die Menschenwürde'
 
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"Ein dunkler Tag in der Geschichte"
Eine Generalaudienz ohne Applaus
Die Ansprache des Papstes im Wortlaut

Rom (kath.net/Kipa)
Als "dunklen Tag in der Geschichte" hat Papst Johannes Paul II. die Terroranschläge in den USA bezeichnet. Die Spirale von Hass und Gewalt dürfe sich nicht fortsetzen, sagte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz.

Der Papst äusserte seine Trauer über die vielen Toten der Attacken in New York und Washington. Dem Präsidenten der USA und der gesamten Bevölkerung sprach er sein Beileid aus, für die wehrlosen Opfer der Tragödie erbat er die Gnade Gottes und die ewige Ruhe. Zugleich erbat er für die Familien der Toten und Verletzten Kraft und Stärke. Die Wege der Gewalt könnten niemals die Probleme der Menschheit lösen.

Wegen der Ereignisse in den USA änderte der Papst den Ablauf der Generalaudienz und sprach zu Beginn und am Ende über die blutigen Anschläge. Mit rund 30.000 Menschen auf dem Petersplatz betete der Papst anschliessend in mehrsprachigen Fürbitten für die Opfer und ihre Angehörigen sowie für den Weltfrieden. In einer der Fürbitten hiess es, die Verantwortlichen sollten sich jetzt nicht "vom Geist der Rache und der Vergeltung" leiten lassen und nicht abermals Hass und Tod säen, sondern mit Werken des Friedens Licht in das Dunkel bringen.

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Papst betet für das amerikanische Volk

In seiner Ansprache zu Beginn der Veranstaltung sagte der Papst: "Gestern war ein dunkler Tag in der Geschichte der Menschheit, es war ein schrecklicher Angriff auf die Menschenwürde." Mit bewegten Worten berichtete der Papst über seine eigene Reaktion auf die Attentate. Er habe die Ereignisse mit intensiver Anteilnahme verfolgt und zu Gott gebetet. Am Morgen nach den Anschlägen habe er eine Messe für die Opfer gefeiert. "Wie kann es zu Akten solch bestialischer Grausamkeit kommen?", fragte der Papst. Das Herz des Menschen sei "ein Abgrund, aus dem bisweilen Pläne von unerhörter Brutalität entstehen".

Das Kirchenoberhaupt betonte, der Gläubige wisse, dass auch in Momenten, in denen die Kräfte der Finsternis zu überwiegen schienen, das Böse und der Tod nicht das letzte Wort hätten. Darauf beruhe in diesem Moment das Vertrauen und die Hoffnung der Christen. Für die Menschheit erbat der Papst "Weisheit und Schritte zum Frieden".

In einer gesonderten Ansprache in englischer Sprache nannte der Papst die Anschläge einen "entsetzlichen Angriff auf den Frieden und die menschliche Würde". Er bitte Gott für das amerikanische Volk um "die Stärke und den Mut, die es in dieser Zeit der Trauer und der Prüfungen braucht".

Die Katholische Internationale Presseagentur (Kipa) dokumentiert die Ansprache des Papstes im Wortlaut in einer eigenen Übersetzung:

Ich kann diese Audienz nicht beginnen, ohne meinem tiefen Schmerz über die Terroranschläge Ausdruck zu geben, die gestern Tod und Zerstörung über Amerika gebracht, Tausende von Opfern gefordert und zahllose Menschen verletzt haben. Ich möchte gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und allen amerikanischen Bürgern meinen tief empfundenen Schmerz ausdrücken. Angesichts eines solch unaussprechlichen Schreckens können wir alle nur zutiefst beunruhigt sein. Ich vereine meine Stimme mit all den Stimmen, die in diesen Stunden ihre empörte Verurteilung äussern, und ich betone erneut, dass die Wege der Gewalt niemals zu wirklichen Lösungen der Menschheitsprobleme führen werden.

Gestern war ein schwarzer Tag für die Menschheit, ein schrecklicher Angriff auf die Menschenwürde. Seit ich die Nachricht erhielt, habe ich die Entwicklung der Lage mit grosser Sorge und tief empfundenen Gebeten zu Gott weiter verfolgt. Wie ist es nur möglich, solche Taten brutaler Grausamkeit zu verüben? Das menschliche Herz hat Abgründe, die gelegentlich Pläne unerhörter Ruchlosigkeit hervorbringen können und die dann fähig sind, in einem Augenblick das Alltagsleben von Menschen zu zerstören. Wenn in solchen Momenten augenscheinlich die Worte fehlen, kommt uns der Glaube zu Hilfe. Christi Wort ist dann das Einzige, was uns helfen kann, eine Antwort auf die Fragen zu geben, die unser Gemüt quälen. Alle die an Gott glauben, wissen, dass auch dann das Böse und der Tod nicht das letzte Wort haben, wenn die Mächte der Finsternis zu triumphieren scheinen. Auf dieser Wahrheit gründet die christliche Hoffnung; in diesen Stunden bezieht unser betendes Vertrauen daraus seine Kraft.

Mit tief empfundener Anteilnahme wende ich mich in diesem Augenblick der Bedrängnis und Fassungslosigkeit, in dem die Tapferkeit so vieler Männer und Frauen guten Willens auf eine harte Probe gestellt wird, an das geliebte Volk der Vereinigten Staaten. In ganz besonderer Weise spreche ich die Familien der Opfer und der Verletzten an, und versichere sie meiner geistlichen Nähe. Die hilflosen Opfer dieser Tragödie, für deren ewige Ruhe ich heute Morgen das Messopfer gefeiert habe, vertraue ich der Barmherzigkeit des Allerhöchsten an. Möge Gott den Überlebenden Kraft schenken; möge er die Rettungskräfte und die vielen Freiwilligen stärken, die in diesen Stunden mit enormem Einsatz versuchen, mit dieser immensen Notsituation fertig zu werden. Ich bitte Euch, liebe Brüder und Schwestern, stimmt mit mir in das Gebet für sie ein. Lasst uns Gott bitten, dass die Spirale von Hass und Gewalt nicht die Oberhand gewinnt. Möge die selige Jungfrau, die Mutter der Barmherzigkeit, die Herzen aller mit Gedanken der Weisheit und dem Streben nach Frieden erfüllen.

An die englischsprachigen Teilnehmer der Generalaudienz wandte sich Papst Johannes Paul II. später noch einmal mit den folgenden Worten:

Heute gilt meine tief empfundene Anteilnahme dem amerikanischen Volk, das gestern von unmenschlichen Angriffen getroffen war, die das Leben tausender unschuldiger menschlicher Wesen gefordert und die Herzen aller Männer und Frauen mit unaussprechlichem Leid gefüllt haben. Gestern war in der Tat ein schwarzer Tag in unserer Geschichte, ein schrecklicher Angriff auf den Frieden, ein furchtbarer Anschlag auf die Menschenwürde.

Ich lade Sie alle ein, mit mir zusammen die Opfer dieser erschütternden Tragödie der ewigen Liebe des allmächtigen Gottes anzuempfehlen. Last uns für die Verletzten, für die betroffenen Familien und für alle seinen Trost erflehen, die ihr Äusserstes tun, um die Überlebenden zu retten und den Betroffenen zu helfen. Ich bitte Gott, dem amerikanischen Volk die Kraft und Standfestigkeit zu schenken, dass es in dieser Zeit des Leids und der Prüfung braucht.

Foto: (c) SIR

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