16 Januar 2018, 09:00
Requiem für einen Hurensohn
 
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Der außergewöhnliche Tippelbruder Cesar Willy de Vroe wurde feierlich auf dem Campo Santo Teutonico beigesetzt. Gastbeitrag von Paul Badde

Rom (kath.net/EWTN Deutsch) Wie Hiob habe Mijnheer Cesar Willy de Vroe aus Brüssel gelitten und "alles verloren: die Familie, jede Habe, jedes Haus, am Ende auch die Gesundheit, alles", sagte Monsignore Dirk Smets am 11. Januar über seinen flämischen Landsmann, bevor er den "Penner Gottes" (Barbone di Dio), wie Cesar sich selber nannte, an diesem grauen Donnerstag in die heilige Erde des Campo Santo Teutonico versenkte – hinter dem Platz der Protomärtyrer Roms auf der Sonnenseite des Petersdoms. Vier Mitglieder der Erzbbruderschaft und ein kleinster Kreis allerletzter Freunde begleitete den einsamen Wohnsitzlosen auf seinem letzten Weg zu seiner vielleicht ersten und einzigen Wohnung, die er jemals hatte.

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Cesar Willy de Vroe (Archivfoto) war "ein Hurensohn, aber wirklich", hatte er Leonardo und Priscilla Jemma aus dem Borgo vor dem Vatikan anvertraut, die sich seiner auf der letzten Wegstrecke angenommen hatten und die Rektor Fischer von Campo Santo nun schließlich bewegen konnten, diesen unbekannten flämischen Pilger auf dem vornehmen Gottesacker zu beerdigen, nachdem er hier in Rom am 4. Januar gestorben war.

Geboren war Cesar Willy de Vroe tatsächlich im Oktober 1952 in Brüssel als Sohn einer Prostituierten und seine vier Brüder gingen allesamt über verschiedene Wege einen Weg ins Ungewisse, auf dem sie sich schon früh aus den Augen verloren.

Nach einer endlos langen Straße voll bitterer Erfahrungen fand er schließlich Obhut bei Don Daniele Bisato, dem Pfarrer der Pfarrei von San Agostino in der Grenzstadt Ventimiglia, und bei den Schwestern der Barmherzigkeit Mutter Teresas in Rom.

Mit 47 Jahren war der unbehauste Tippelbruder zum katholischen Glauben konvertiert, wo er den Heiligen Geist als führende Kraft seines Lebens entdeckte, wie er sagte, und als jenen Geist, der ihm half, den Sinn aller Dinge und Geschehnisse zu begreifen. Am bemerkenswertesten sei vielleicht die staunenswerte Großzügigkeit des Habenichts gewesen, hieß es jetzt "Auch wenn die Leute mir nicht glauben", habe er oft gesagt, "doch jedes Mal, wenn ich etwas gegeben oder weggegeben habe, habe ich noch am gleichen oder dem nächsten Tag das Doppelte zurück bekommen."
Auch die drei "Könige" aus dem Morgenland waren Wohnsitzlose, sagte Monsignor Smets vom Campo Santo in seiner Totenrede. Ihnen geselle sich Cesar Willy de Vroe nun "als vierter König" zu bei ihrer gemeinsamen Ankunft in Bethlehem, wo sie endlich "in übergroßer Freude vor dem Antlitz des Gottessohnes in die Knie gehen."

Als Mijnheer de Vroes vor Tagen aber ins himmlische Bethlehem wechselte, fanden seine letzte Freunde im Internet plötzlich die Nachricht von Willy Herteleer wieder, einem anderen flämischen Wohnsitzlosen, die vor drei Jahren um die Welt gegangen war, weil da erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder ein mittelloser Pilger unter den illustren und berühmten Bewohnern des Campo Santo bestattet worden war.

Jetzt liegen die beiden auf fast schon wunderbare Weise Schulter an Schulter in einer einzigen Gruft zusammen, gleichsam als zwei neue Patrone jener revolutionären Rückbesinnung auf den Ursprung des Campo Santo und seiner ersten und edelsten Ziele, die Rektor Fischer und die mehr als 500 Jahre alte Erzbruderschaft in ihrer letzten Generalversammlung am 12. November einhellig beschlossen haben.

Requiescant in pace / et lux aeterna luceat eis, Domine!

Archivfoto: Tippelbruder Cesar Willy de Vroe




Archivfoto: Cesar Willy de Vroe (c)
Leonardo Iemma / Mit freundlicher Erlaubnis

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