15 Januar 2018, 10:00
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Das große Problem einfach gelöst – „Die bekennenden Gläubigen sind die Gelackmeierten. Und es ist besonders bitter, wenn es ausgerechnet ein Hirte ist, der einen angeschmiert hat.“ Kommentar von Peter Winnemöller

Geseke (kath.net/Blog „katholon“) Es ist die Zeit Anfang des Jahres. Weihnachten ist vorbei und im kirchlich-nichtliturgischen Jahreskreis ist die Zeit der Reformpostulate, Memoranden, Erklärungen und neuerdings auch Manifeste. Ein Gespenst geht um in der Kirche. Noch immer ist der „Geist des Konzils“ nicht zur Ruhe gekommen und motiviert in Zeiten schwacher Führung aus Rom sogar Bischöfe zu seltsamen Postulaten.

Der Pastoral(prophet)theologe Zulehner prophezeit verheiratete Priester für 2019. Kaum hat man sich von dem Schock erholt, postuliert der Bischof von Osnabrück die Segnung von homosexuellen Partnerschaften, die staatlicherseits in Deutschland inzwischen auch Ehe genannt werden. Unklar ist, ob Verstöße gegen andere der Zehn Gebote Gottes – allein oder mit anderen – künftig auch gesegnet werden können. Die Einbrechergilde hofft vermutlich schon sehr lange auf ein Zeichen des kirchlichen Wohlwollens.

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Darüber hinaus ist die Diakonin aus der Versenkung gekrochen. Papst Franziskus hatte im vergangenen Jahr eine neue Überprüfung zugesagt. Dabei ist der Stand der Dinge nicht so unklar. Ein sakramentales Amt der Diakonin ist für Frauen nicht möglich, vertraut man Odinatio sacerdotalis, weil die Kirche schlicht keinen Auftrag hat, Frauen das Sakrament der Weihe zu spenden. Roma schon lange locuta – causa völlig finita. Was soll das Geschwätz? Die Frage stellt sich umso mehr, wenn es doch laut Aussage des Bischofs gar nicht um eine Diakonenweihe für Frauen gehen soll. Wozu dieser Aufwand gemacht wird, erschließt sich nicht. Das nämlich, was der Bischof vorgeblich will, löst man nicht durch eine theologische Debatte. Das Problem löst man durch einen neuen Stellenplan.

Keine Weihe – nur ein Job

Will also der Bischof von Osnabrück – was ich durchaus verstehen könnte – an die Gemeinden gebundene, speziell qualifizierte soziale Dienste, dann mag er bitte Stellen dafür schaffen. Ferner gilt es Menschen dafür auszubilden, zu qualifizieren und letztendlich einzustellen. Dazu braucht es keine langwierige und populistisch daher kommenden Pressestatements. Es ist keine Frage, dass man auch den Dienst der Angestellten in der Kirche unter den Segen Gottes stellen möchte. Also soll es doch gerne für diakonische Fachkräfte (m/w) eine Aussendungs- oder Beauftragungsfeier wie für das angestellte pastorale Personal geben. Was spricht dagegen? Warum wird hier nicht gehandelt, statt ewig herum zu palavern. Stellen schaffen kann jeder Bischof in seinem Bistum ohne die DBK oder den Papst zu fragen.

Bei genauerem Hinsehen kommt doch der Verdacht auf, als ob es doch dem Grunde nach um eine Dekonstruktion der sakramentalen Ordnung der Kirche gehe. Es braucht keinesfalls erstaunen, dass hier die Sakramente Ehe und Weihe betroffen sind. Beide sind in der Krise. Da mache man sich keine Illusionen. Zudem driften noch das ohnehin schon divergierende Eheverständnis von Staat und Kirche immer weiter auseinander. Schon heute ist es so, dass es fast unmöglich ist, das eine wie das andere mit demselben Begriff zu bezeichnen. Daher verlangt der Begriff Ehe immer die Präzisierung, ob das Sakrament oder der staatliche Partnerschaftsvertrag gemeint ist. Letzter kennt seit dem vergangen Sommer auch die Verehelichung zweier Frauen oder zweier Männer. Bei fortschreitenden Dekonstruktion der Geschlechter wird das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein.

Dekonstruktion von Recht und Sakrament

Ist man der irrigen Annahme, die Lebenswirklichkeit der Menschen könne Quelle der Offenbarung sein, so ist der Schritt zur Dekonstruktion der sakramentalen Ordnung der Kirche nicht weit. Eine solche Dekonstruktion liegt nämlich bei genauer Analyse den beiden hier diskutieren Vorschlägen zu Grunde. Nun ist die Ordnung der Kirche in beiden Fragen, sowohl bezüglich der Weihe als auch hinsichtlich der Ehe recht klar. Das Denken rund um diese beiden Sakramente ist ja nicht erst gestern angefangen. Insofern verbietet sich eine direkte klare Forderung, beide Sakramente einfach und radikal dem gegenwärtigen Zeitgeist anzupassen. Der gewählte Ausweg ist ein gekonntes Drumherumgerede, welches das Ziel kirchliche Homoehe und Frauenweihe nur unzureichend verschleiert. Und man muss es wohl so deutlich sagen: Hinter all dem dekonstruktivistischen Gerede steckt wohl ganz klar das Ziel solch drastischer Veränderung. Das wird nicht von heute auf morgen zu erwarten sein. Das wissen auch alle Protagonisten derartiger Forderungen. Doch es hat sich – vor allem im politischen Bereich – gezeigt, dass der Slippery Slope einwandfrei funktioniert. Was heute noch undenkbar ist, wird durch stetes Wiederholen stark abgemilderter Forderungen in den Köpfen der Menschen etabliert.

Gläubige und bekennenden Katholiken sind ohnehin die Minderheit in der Gesellschaft. Die schweigende Mehrheit der Getauften glaubt, wenn überhaupt, nur sehr selektiv. Die Demografie hat es uns in den letzten Jahren immer wieder bestätigt. „Nun lasst sie doch heiraten!“ und „Wann dürfen denn Frauen auch endlich…?“, das sind doch bei selektiv gläubigen Getauften stetig präsente Fragen. Wer nimmt den die kirchliche Rechts- und/oder Sakramentenordnung noch ernst? Das wissen auch Bischöfe und Theologen. So kann man damit rechnen, dass jegliche Forderung nach Dekonstruktion von Kirchenrecht und Sakramentenordnung auf fruchtbaren Boden fällt.

Die bekennenden Gläubigen sind die Gelackmeierten. Und es ist besonders bitter, wenn es ausgerechnet ein Hirte ist, der einen angeschmiert hat.

Symbolbild



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